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Endlich ist ein verbesserter Lärmschutz an der Autobahn bei Weyarn in Sicht. Ab heute können Bürger Stellungnahmen zu den Plänen abgeben oder Verbesserungsvorschläge unterbreiten.

Kampf gegen den Krach

Lärmaktionsplan: Bürger haben das Wort

Weyarn - Lärm nervt und macht krank. Weyarner, die unter dem Dauerrauschen der A 8 leiden, können ihre Anregungen nun der Regierung von Oberbayern mitteilen. Mit einem Lärmaktionsplan soll alles besser werden.

Die Weyarner leiden unter dem Verkehr auf der A 8. Die Belastung ist enorm: Laut einer Messung aus dem Jahr 2010 donnerten im Schnitt täglich 86 230 Fahrzeuge zwischen den Anschlussstellen Holzkirchen und Weyarn vorbei. Bis zum Jahr 2030 sind 97 000 prognostiziert. Zwischen den Abfahrten Weyarn und Irschenberg waren es 2010 78 400 Fahrzeuge, der Wert soll auf 88 500 anwachsen. Der Lkw-Anteil beträgt jeweils knapp zwölf Prozent am Tag und nachts 25 Prozent.

Diese Zahlen sind dem Entwurf für den Lärmaktionsplan „Bundesautobahn A 8 im Bereich der Gemeinde Weyarn“ zu entnehmen, den die Regierung von Oberbayern jetzt veröffentlicht hat. Bürger können den Plan seit Montag, 8. August, einsehen, sich mit den vorgesehenen Maßnahmen befassen und eigene Vorschläge zur A 8 einbringen.

Im Hintergrund schwebt eine EU-Umgebungslärmrichtlinie und deren Umsetzung in deutsches Recht im Bundes-Immissionsschutzgesetz. Ziel ist es, die Belastung der Bevölkerung unter anderem an stark befahrenen Hauptverkehrsstraßen durch Lärmkarten zu erfassen und mithilfe der Bürger Strategien zur Lärmminderung zu entwickeln. „Durch die Nähe der Bundesautobahn A 8 München – Salzburg ist im Gebiet der Gemeinde Weyarn eine relevante Anzahl von Menschen durch einen erheblichen Lärmpegel belastet“, heißt es im Entwurf. So seien mehr als 50 Einwohner „von Überschreitungen der Richtwerte von 67 Dezibel tagsüber und 57 Dezibel in der Nacht“ betroffen, erklärt eine Sprecherin der Regierung. Dies erfordere die Aufstellung eines Lärmaktionsplans. Auch in der Nachbargemeinde Irschenberg war dies nötig (wir berichteten).

Wie berichtet, hatte die Regierung die Gemeinde Weyarn vorab darum gebeten, „ruhige Zonen“ für den Lärmaktionsplan zu melden. Der Geräuschpegel darf hier 40 Dezibel nicht überschreiten. Diese Ausweisung allerdings lehnte der Gemeinderat im Mai ab.

„Wir haben keine ruhigen Zonen“, sagt Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU) mit Blick auf Autobahn, Eisenbahn, Kreisstraßen und Staatsstraße. Außerdem wollen die Weyarner eine weitere Schutzzone vermeiden – sei man doch schon „umzingelt“. Von Wasserschutzzone, gesetzlich geschützten Biotopen, Landschaftsschutzgebieten, Bodendenkmalsflächen sowie den FFH- und Vogelschutzgebieten. Die Kommune fürchtet, dass Entwicklungsmöglichkeiten schrumpfen, etwa für Gewerbe. Aufgrund dessen sieht die Regierung nun davon ab, ruhige Gebiete auszuweisen. Das Rathaus hat seine Stellungnahme bereits abgegeben. „Maßnahmen müssen wir nicht realisieren“, ergänzt Wöhr.

Aktiv werden muss hingegen die Autobahndirektion Südbayern, die den Lärmschutz an der A 8 realisiert. Das ist im Lärmaktionsplan – neben bestehenden Maßnahmen – festgehalten. Wie berichtet, ist der geplante Lärmschutz in Weyarn Folge eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichts. Der Bund muss nachjustieren, weil die Prognosen für den Ausbau vor rund 30 Jahren von erheblich weniger Verkehr und Lärm ausgingen. Für damals schon bestehende Anwesen wird der Schutz nun verbessert.

Geplant sind Wälle und Wände auf einer Länge von 1,3 Kilometern und einer Höhe von bis zu acht Metern südlich der A 8 am Hauptort Weyarn. Bei Großseeham erwächst eine 1,6 Meter lange Anlage. Derzeit schirmt eine vier Meter hohe Wall-Wand-Kombi den Ort ab. „Zukünftig werden hier die vorhandenen Wände durch bis zu sieben Meter hohe Wände ersetzt“, heißt es. Auch eine Verlängerung steht an. An 76 Gebäuden bestehe Anspruch auf diese nachträgliche Lärmvorsorge. „Durch die geplanten Maßnahmen können an 46 Anwesen Grenzwerte eingehalten werden“, heißt es. Insgesamt profitieren gut 250 von dem Bollwerk. Das Bundesverkehrsministerium genehmigte den Vorentwurf 2015, Ende 2016 soll der Planfeststellungsantrag – nach wiederholter Verschiebung – kommen. Die Kostenschätzung liegt bei 8,94 Millionen Euro. Zusätzlich ist ein leiserer Fahrbahnbelag vorgesehen, langfristig der achtspurige Ausbau der A 8 zwischen AK München Süd und Inntaldreieck. „Derzeit sind hier keine Planungen bezüglich Lärmvorsorgemaßnahmen in Bearbeitung“, sagt die Regierungssprecherin. Jetzt sind erstmal die Bürger an der Reihe.

Bürgerbeteiligung

Der Entwurf zum Lärmaktionsplan für die Gemeinde Weyarn ist im Internet (www.regierung-oberbayern.de) einsehbar. Von heute, Montag, bis Donnerstag, 8. September, können Bürger einen Blick darauf werfen. Wer will, kann ihn auch persönlich im Weyarner Rathaus (Zimmer 1, Erdgeschoss) begutachten: jeweils Montag bis Donnerstag zwischen 8 und 12 Uhr sowie am Montag und Mittwoch zwischen 13.30 und 17 Uhr, dienstags zwischen 13.30 und 18 Uhr sowie donnerstags von 13.30 Uhr bis 16 Uhr. Stellungnahmen sind bis einschließlich 22. September möglich und unter dem Stichwort „Lärmaktionsplan Bundesautobahnen Gemeinde Weyarn“ schriftlich bei der Regierung von Oberbayern, Sachgebiet 50, 80534 München oder per E-Mail an technischer.um weltschutz@reg-ob.bayern.de einzureichen.

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