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„Es hat mich sehr gefreut“: Heimatkundler Josef Hatzl und Restauratorin Susanne Hatzl konnten die 14 restaurierten Chromolithografien wieder in der Kirche St. Rupertus in Bruck anbringen.

Ein Stück Heimat ist heimgekehrt - Mit Führungen bei Denkmaltag

St. Rupertus: Kreuzwegstationen restauriert

Bruck - Sie sind zwar immer noch herrenlos, dafür aber fein rausgeputzt. Eine Restauratorin hat die 14 Chromolithografien der Kreuzwegstationen in der Kirche St. Rupertus in Bruck restauriert. Jetzt sind sie wieder zurück.

Station neun hatte es besonders übel erwischt. „Sie war hochgradig gefährdet“, sagt Restauratorin Susanne Depping. Früher einmal habe irgendjemand versucht, sie mit einem Selbstklebeband zu flicken. Keine gute Idee. „Im Nachhinein lässt es sich nicht lösen, ohne die Lithografie zu zerstören.“ Deshalb war das Bild nicht mehr zu retten. „Wir haben ein anderes Original gesucht, aber nichts gefunden“, erklärt Depping. Ein Nachdruck musste her.

Dieser hängt fortan in der kleinen Kirche St. Rupertus in Bruck, auch die restlichen 13 Stationen des Kreuzwegs – alles Originale – sind nach ihrer Restaurierung nun zurückgekehrt. „Das hat mich sehr gefreut“, sagt Josef Hatzl, Vorsitzender des Fördervereins Kultur und Geschichte Weyarn. Ein Stück Heimatgeschichte ist wieder daheim. Die Bilder wurden einst im Steindruckverfahren hergestellt, bei dem über 25 Farben übereinander gelegt werden können. Und sie seien mit besonders feinen Messing- und Kupferverfahren veredelt, meint Hatzl. Sie stammen aus der Kunstanstalt Thomas Driendl in München.

Wie berichtet, war es auch sein Verein, der sich dafür eingesetzt hatte, die 14 lädierten Chromolithografien auf Vordermann zu bringen. Vor rund sechs Jahren wurde die Kirche saniert, allerdings nur die Bausubstanz. Der Freistaat gab laut Hatzl damals knapp 85 000 Euro dafür aus. Umgerechnet 10 000 Euro steuerte die Dorfgemeinschaft bei. Das Inventar hingegen brachte man das letzte Mal in den 1960er Jahren in Ordnung.

Der Knackpunkt: Dem Freistaat – nicht der Kirche – gehört zwar das kleine Gotteshaus, es fiel ihm 1803 im Zuge der Säkularisation zu. Weil die Bilder jedoch auf das Jahr 1852 datiert sind, fühlte er sich für deren Restaurierung nicht zuständig. Also erbarmte sich der Förderverein ihrer und streckte die Gesamtkosten von rund 7000 Euro vor. Die Pfarrei habe zugesagt, 1300 Euro zu übernehmen, sagt Hatzl. Man hoffe, das restliche Geld über Spenden wieder reinzuholen.

Derweil hat Restauratorin und Buchbindermeisterin Depping aus München ihre Arbeit schon erledigt. Dadurch, dass es in der Kirche lange feucht gewesen sei, habe sich schwarzer Schimmel auf den Passepartouts gebildet, erklärt sie. Das Papier wurde löchrig, die Blätter wellten sich. Hinzu kam: „Die Exemplare wurden damals nicht mit säurefreiem Material ausgestattet.“ Sie tauschte Passepartouts und Rückwände aus, wässerte die Lithografien, wodurch ein Entsäuerungsprozess stattfand und sie sich hinterher wieder schön glätten ließen.

Außerdem besserte Depping die bemalten Holzrahmen aus und ersetzte sechs Gläser, die nicht mehr zu retten waren. Die neuen wurden extra im Bayerischen Wald angefertigt. „Es sollte etwas sein, was dem alten Glas am nächsten kommt“, erklärt die Restauratorin.

„Die Verfärbungen sind an manchen Stellen nicht ganz weggegangen“, meint Hatzl. Aber nur bei einem Bild falle das auf: Der Station drei, wo Jesus das erste Mal unter dem schweren Kreuz fällt. Besonders freut es ihn, dass die Lithografien pünktlich zurückkamen und somit am Tag des offenen Denkmals am Samstag, 11. September (wir berichteten), bewundert werden können. Dieser firmiert heuer unter dem Motto „Gemeinsam Denkmale erhalten“, und genau das ist in Bruck ja passiert, meint Hatzl. Das Schmankerl: Unter den Nachdruck der Station neun wird Hatzl für diesen Anlass das Original zum Vergleich darunter hängen. „Dass es ein Nachdruck ist, fällt sonst eigentlich nicht auf“, findet Depping.

Außerordentlich wertvoll seien die Lithografien allerdings nicht, sagt Depping, eben weil es sich „bloß“ um Drucke handle. „Arbeiten aus dem 19. Jahrhundert wurden nie hoch geschätzt.“ Für die Gläubigen vor Ort hingegen dürfte der ideelle Wert wohl unbezahlbar sein. „Sie sind seit über 160 Jahren ein Stück Inventar und gehören zum Gesamtgefüge dazu“, sagt Hatzl.

Tag des offenen Denkmals

Die Kirche in Bruck ist am Samstag, 11. September, von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Um 13.30 gibt es eine kurze Einführung in die Geschichte der Kirche. Anschließend wird die Restauratorin Susanne Depping einen Werkstattbericht über die Kreuzwegstationen geben.

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