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Weyarner Fußballer helfen nach Flutkatastrophe

Wie in einem schlechten Film

Weyarn - Simbach am Inn ist Katastrophengebiet. Ein verheerender Flutsturz hat den Ort unter einer Schlammschicht begraben. Sieben Menschen starben, hunderte Simbacher stehen vor den Ruinen ihrer Existenz. Unter den Freiwilligen, die am Wochenende den Flutopfern halfen, waren drei Weyarner. „Wir haben uns das schlimm vorgestellt“, sagt Stefan Münch, „aber so schlimm sicher nicht.“

Stefan Münch ist Torjäger. Für den TSV Weyarn trifft der 28-Jährige regelmäßig. Der Weyarner ist aber auch Teil einer größeren Sportgemeinschaft – einer Gemeinschaft, die sich dem TSV 1860 München verschrieben hat. „Ich bin eingefleischter Löwenfan“, bekennt Münch. Als solchen erreichte ihn ein Hilferuf aus Simbach: Der dortige Fanclub Blue Patriots bat um Freiwillige, die am Samstag beim Aufräumen helfen. Motto: „Löwen helfen Löwen“. Münch und seine beiden Weyarner Mannschaftskollegen Josef und Maxi Leitner ließen sich nicht lange bitten. 

Das Trio organisierte einen Kleinbus, bekam Schaufeln und Besen vom Miesbacher Bauhof geschenkt, pickte in München noch sieben Spezln auf und erreichte am Samstagmittag nach 90-minütiger Fahrt das niederbayerische Katastrophengebiet.

Die Weyarner hatten Gesellschaft. Die Hilfsbereitschaft war derart groß, dass auf den Zufahrtswegen das Chaos ausbrach. „Vor Simbach standen wir eine Stunde im Stau“, berichtet Münch. Von einem Zentralparkplatz ging es schließlich in einem Bus-Shuttle ins Ortszentrum. „Straßen gibt es nicht mehr“, berichtet der TSV-Fußballer, „nur Berge von Müll.“ Die zehnköpfige Truppe wurde einem Haus zugeteilt. „Der Schlamm ist überall“, sagt Münch, „die Dreckschicht ist einen halben Meter dick.“ In der Garage hatte die Flut die Decke erreicht, Keller und Erdgeschoss waren komplett vollgelaufen. Die Helfer bildeten Eimerketten. Sechs Stunden floss der Schweiß in Strömen. „Man werkelt wie ein Irrer“, sagt Münch, „aber nach sechs Stunden schaut man sich um und denkt, man hat eigentlich gar nichts geschafft.“

Die Hausbesitzer haben alles verloren, von einer Minute auf die andere. Doch sie sind froh, niemanden verloren zu haben. „In einem Haus nicht weit weg ist jemand im Keller ertrunken“, hat der Weyarner mitbekommen. Das Ausmaß der Katastrophe sei schwer erklärbar, sagt der 28-Jährige. Ein ganzes Sägewerk über dem Ort habe die Flut weggerissen, „und das ist dann durch den Ort geschossen“. Autos, Fabrikteile, Bäume wurden zu vernichtenden Geschossen, die meterhohe Mauern wegrissen. „Es muss ein fürchterlicher Tsunami gewesen sein, wie in einem schlechten Film.“ 

Das Wasser ging, es blieb tonnenweise Müll und Dreck. Abwassergruben wurden ausgespült. Empfindliche Nasen durften die Helfer nicht mitbringen. „Es stinkt kräftig nach Fäkalien“, berichtet Münch. Die Organisation freilich sei reibungslos gelaufen. Immer wieder kamen andere Helfer vorbei und versorgten die Freiwilligen mit Getränken und Brotzeit. Am Bahnhof stapeln sich Sachspenden aus der ganzen Republik. „Dass so viele zum Helfen kommen, ist den Simbachern sicher ein kleiner Trost in ihrem schweren Unglück“, glaubt der TSV-Fußballer. Er kann sich nicht vorstellen, dass in dem Ort in absehbarer Zeit Normalität einkehrt. „Das wird noch Monate dauern.“ 

Abgekämpft trafen sich abends die vielen Freiwilligen im Simbacher Bauhof. Münch war überrascht, wie sehr ihm und vielen anderen der Einsatz an die Nieren ging. Es habe geholfen, mit den anderen nach der Arbeit das Erlebte zu verdauen. „Schreckliche Bilder“ nahm er mit nach Weyarn. „Diese Zerstörung zu sehen, diese Not – das ist nichts für schwache Nerven.“

Am Sonntag stand Münch schon wieder auf dem Platz. „Ist kein Problem“, sagt der 28-jährige, „in Simbach habe ich hauptsächlich Arme gebraucht, nicht meine Fußballer-Füße.“ Der TSV spielte in der ausklingenden Saison 4:4 gegen den Lenggrieser SC, der Torjäger blieb ohne Tor. Das Spiel, sagt Münch, war eher bedeutungslos. (avh)

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