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Da geht's zum Café Stumpp. Schön und gut, nur hat das längst zu. Willy Kravanja soll nun Ordnung ins Chaos bringen.

Das ist der Schilderwahnsinn von Bayrischzell

Kurios: Schilder führen zu Gaststätten, die es gar nicht mehr gibt

Bayrischzell – Viele Wege führen zum Ziel. In Bayrischzell führen manche einfach nirgendwo hin. Das Schilder-Chaos ist nun auch dem Bürgermeister aufgefallen.

Dort könnte ein Gast, wenn er sich anhand der Hinweistafeln orientiert und drauf losmarschiert, an Pensionen oder Gasthäusern ankommen, die seit Jahren geschlossen sind. Und an manchen Kreuzungen deuten zig Schilder in alle Himmelsrichtungen.

Zu viel für Bürgermeister Georg Kittenrainer, der das Wirrwarr aus Tafeln nicht mehr sehen kann und den Schilderwald ausholzen möchte. Dafür beauftragte der Bürgermeister Gemeindeprojektleiter Willy Kravanja, sich dieses Themas anzunehmen, um eine sinnvolle und für das Ortsbild passende Lösung zu finden. Kravanja nahm seinen Auftrag sehr ernst, recherchierte gründlich bei anderen Gemeinden nach, knipste zahlreiche Fotos von schönen Schautafeln und präsentierte nun seine Arbeit dem Gemeinderat.

Als Erstes erklärte er den Istzustand: „Wir haben im Ort rund 40 Schilderpfosten mit etwa 210 Tafeln drauf. Jedes Mal, wenn ich ein Foto davon gemacht habe, entdeckte ich wieder neue.“ Viele davon seien auch nicht mehr schön anzusehen. Sie seien bemoost oder die Farben ausgeblichen. Sein Ziel sei nun, die Standorte auf sieben mit insgesamt 80 Schildern zu reduzieren. „Aus dem Schilderwald sollen ansprechende Präsentationsflächen werden“, erklärte Kravanja. Dafür sollen sogenannte Portale, also Flachbeschilderungstafeln, mit mehreren Blechschildern darauf herhalten. In Bayrischzell gibt es diese – auch Infocenter genannt – bereits an drei Orten: am Bahnhof, dem Kurpark sowie bei der Sportalm. Auf den neuen Schautafeln sollen neben dem Ortsplan und einer Umgebungskarte vor allem öffentliche Einrichtungen wie Gastrobetriebe oder Ärzte verzeichnet sein. Wichtig seien auch Veranstaltungskalender sowie Fahrpläne der Wendelstein-Ringlinie, des Wander- und Skibusses.

Dann zeigte Kravanja ein Infocenter aus Bad Feilenbach. „Das finde ich recht schön, daran können wir uns orientieren“, sagte er. Die Schilder sind weiß, die Schrift darauf schwarz. Und bestimmte Örtlichkeiten wurden sogar farblich hervorgehoben: Betriebe braun, Gaststätten rot und Parks grün. Die Edelstahl-Konstruktion missfiel Kittenrainer aber: „Das ist mir zu städtisch und passt nicht zu unserem Ortscharakter.“ Dem Bürgermeister schwebe eher ein Infocenter ähnlich dem am Bahnhofsplatz vor. „Der Rahmen aus dem Holz einer Lärche oder Akazie, die halten ewig.“ Als nächstes werden die Gastrobetriebe im Rahmen eines Beteiligungsverfahrens angeschrieben und gewünschte Tafeln auf zwei Standorte beschränkt. „Die Schilder kosten je nach Standort, Ortsmitte oder der jeweiligen Straßenabzweigung, zwischen 70 und 100 Euro“, erklärte Kravanja. Zudem seien sie auf zehn Jahre begrenzt. Damit versucht die Gemeinde zu vermeiden, dass wieder irgendwann ein Schild zu einer Einrichtung irgendwo hängt, die es schon lange nicht mehr gibt.

Die Rückmeldefrist für Schilder-Interessierte ist bis Mitte November geplant. Im Frühjahr 2017 werden dann die alten Schilder abgeschraubt und die neuen angebracht, so Kravanja. Davon nicht betroffen sind die gelben Wanderschilder der ATS und freilich die blauen Straßenbeschilderungen. Die Kosten für die Pfosten der Portale und die Aufstellungsarbeiten übernimmt die Gemeinde. Kittenrainer findet, mit dem Projekt einen Weg aus dem Schilderwald gefunden zu haben: „Ich glaube, das ist das richtige Vorgehen. Im Winter nach der Rückmeldung holen wir uns dann entsprechende Angebote ein und starten dann mit dem neuen Konzept.“

Daniel Wegscheider

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