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Die Bergwacht Bayrischzell übt an den Ruchenköpfen im Miesinggebiet den Aufbau und die Anwendung des Bergwacht-Dyneema-Systems. Damit können mehrere Personen über einige hundert Meter abgeseilt werden.

Bergwacht klärt auf

Warum Smartphone und E-Bike am Berg tödlich sein können

Schlierach-/Leitzachtal - Mit Smartphone und E-Bike auf den Berg. Das ist in - und beschert der Bergwacht einen harten Herbst. Beides wird völlig falsch eingeschätzt - und ist deshalb hochgefährlich.

In dichtem Nebel stapfte eine Familie, die im Leitzachtal Urlaub machte, durch die Berglandschaft. Navigiert vom Smartphone, einem häufigen Tourenbegleiter. Und dann kam der Nebel, auch das Netz war plötzlich weg. Da nützt das integrierte Navigationsgerät auch nichts mehr. Die Familie verirrte sich und wählte den Notruf. Die Bergwacht kam, der Retter in der Not.

Bergsportler und das Smartphone – heutzutage kein ungewöhnliches Duo bei Touren. Christian Daller (26) von der Bergwacht Bayrischzell weiß, dass sich mittlerweile viele auf die kleinen Geräte verlassen. „Da kann man aber schnell in eine Notlage geraten“, sagt er. Die Internetverbindung in den Bergen ist eben oft lückenhaft. Daller sitzt in der Geschäftsstelle aller Bergwachten der Landkreise Miesbach und Rosenheim mit Sitz in Bayrischzell. Er hat einen guten Überblick, was der Sommer den Bergrettern an Einsätzen beschert hat.

Rauf geht's mit dem E-Bike fix, runter manchmal zu fix

Christian Daller, Bergwacht Bayrischzell

120 Mal mussten die Retter hier im Landkreis ausrücken, das sind 15 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Und dabei schien es doch in den Bergen nur so zu wimmeln. Aber eben nur konzentriert auf wenige Tage, der Sommer war oftmals sehr heiß. „Da verbringen die Leute ihre Freizeit lieber am See als auf dem Berg“, sagt Daller. Das Jahr ist aber noch nicht rum. Besonders wenn im Herbst das Wetter stabil ist und die Temperaturen wieder angenehmer sind, erwarten die Bergwachtler viel Verkehr in luftiger Höhe.

E-Bike: „Dadurch entsteht eine trügerische Sicherheit“

Ob Kreislaufprobleme auf der Berghütte, gestürzte Radler oder im Baum hängende Gleitschirmflieger – das Einsatzspektrum war wieder breit. Aufgefallen ist den Bergrettern aber heuer die immer besser werdende Ausrüstung der Leute. „Dadurch entsteht eine trügerische Sicherheit“, warnt Daller. Er nimmt die viel diskutierten E-Bikes als Beispiel. Rauf geht’s mit Hilfe der Elektromotoren recht einfach, auch wenn es mal steiler wird. Das rächt sich allerdings bei der Talfahrt. „Nämlich dann, wenn das relativ schwere Sportgerät nicht mehr beherrscht wird“, sagt der 26-Jährige. Da kommt es schnell zu einem Sturz.

Nicht immer endet ein Einsatz der Bergwacht erfolgreich. Franz Mayer (50), Bereitschaftsleiter der Bergwacht Hausham, erinnert sich an eine Vermisstensuche im Juni. Im Bereich des Hennerer in Schliersee wurde ein Suizidgefährdeter aus Ottobrunn gesucht. „Man spielt da ein gewisses Programm ab“, erklärt Mayer die Professionalität aller Kräfte bei einem solchen Einsatz.

Nicht immer endet ein Bergwacht-Einsatz gut

Diese Suche, samt Hundestaffel, Wärmebildkamera und zig Einsatzkräften von Bergwacht, Polizei und BRK geht auch an erfahrenen Bergwachtlern wie Mayer einer ist – er ist seit 22 Jahren dabei – nicht spurlos vorüber. „Es schwingt immer die Hoffnung mit, denjenigen noch zu finden.“ Der Fall im Juni endete tragisch. Am nächsten Tag erreichte die Einsatzkräfte die Nachricht: „Er hat sich kurz vor München vor die Bahngleise geworfen“, sagt Mayer. Ein schlimmer Ausgang der Suchaktion – auch das gehört bei der Bergwacht manchmal dazu.

Einsatz der Bergwacht Bayrischzell: Rettung einer kollabierten Person.

Ein anderer Fall, einer mit positivem Ende, hat gezeigt, wie wichtig auch der Einsatz der Rettungshubschrauber ist. Ein 57-Jähriger aus Holzkirchen verletzte sich am Taubenberg am Kopf. Fünf Mann der Bergwacht Hausham versorgten ihn und forderten einen Rettungshubschrauber an. Mit der Rettungswinde wurde der Holzkirchner geborgen. „Immer wieder kommt die zum Einsatz“, erzählt Daller von der Einsatzzentrale. „Das spart Zeit und ist die schonendste Möglichkeit.“ Für solche Einsätze gibt es Übungen, wie die der ADAC-Luftrettung kürzlich rund um den Spitzingsee.

Nicht nur Übungen sind bei der Bergwacht überaus wichtig. Viel steht und fällt mit den Arbeitgebern. Der Alarm geht los, mitten am Tag, die Arbeit muss unterbrochen werden. Mayer hat in den vielen Jahren bei der Bergwacht gute Erfahrungen damit gemacht. „Ohne das Verständnis der Arbeitgeber können wir nicht ausrücken.“

Bergwachtler suchen Nachwuchs

Einen besonderen Appell richtet der Bayrischzeller Bergretter Christian Daller an die Jugend. Die Bergwachten brauchen Nachwuchs. Zwar gibt es derzeit noch keine personellen Probleme, aber das soll auch in Zukunft so bleiben. Die Ausbildung zum Bergretter dauert zwei Jahre. „Vor allem die Verlässlichkeit im Team stellt eine wertvolle Erfahrung dar“, sagt der 26-Jährige. Ist die Grundausbildung abgeschlossen, gibt es Weiterbildungen, dafür gibt es im Landkreis Spezialistengruppen: Rettung aus Schluchten, Canyons und Höhlen, eine Technikgruppe mit Wärmebildkameras und Drohnen zur Personensuche oder Hundeführer mit Lawinensuchhunden. Auch kann man sich zum Berg-Rettungssanitäter oder zum Einsatzleiter fortbilden. 

Wer kann die Ausbildung machen? „Man sollte mindestens 16 Jahre alt sein und sicher Skifahren können“, erklärt Daller. Dann müssen erst einmal zwei Eignungstests bestanden werden: Skifahren und Klettern stehen dabei auf dem Prüfstand. Nachdem die Tests bestanden sind, stehen Lehrgänge zu den Themen Alpine Rettungstechnik und Notfallmedizin auf dem Programm. Wer Interesse an der Arbeit im ehrenamtlichen Team der Bergwacht hat, kann sich an eine der örtlichen Bereitschaften wenden.

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