+
Übersah einen kleinen Punkt: Bürgermeister Georg Kittenrainer mit BOB, die aber leider werktags nicht um 7.30 Uhr fährt.

Weil der Bürgermeister einen kleinen Punkt übersehen hatte

Kinder hätten mit Zug in die Schule fahren sollen, den es gar nicht gibt

Bayrischzell - 13 Schüler sollten heuer mit dem Zug zum Unterricht fahren. Doch daraus wird nichts: Der Bürgermeister hatte im BOB-Fahrplan einen kleinen Punkt übersehen.

Weil der Gemeindebus mit seinen acht Sitzplätzen nicht über genügend Kapazitäten verfügt, plante die Gemeinde, in diesem Schuljahr einen Großteil der 21 Schüler aus Geitau und Osterhofen per BOB zur Grundschule Bayrischzell befördern zu lassen. Das Problem: Es fährt gar kein Zug, der pünktlich vor der ersten Stunde in Bayrischzell ankommt.

„Vor Euch sitzt ein Bürgermeister mit leichter Leseschwäche“, sagte Georg Kittenrainer schmunzelnd im Gemeinderat. Eigentlich war schon alles arrangiert. Die betroffenen Familien waren informiert, Kittenrainer wollte selbst als Schülerlotse bei der ersten Zugfahrt mit dabei sein. Doch am Abend vor Schuljahresbeginn fragte Kittenrainers Frau noch einmal nach, weil sie ein Nachbar darauf angesprochen hatte, dass doch eigentlich kein planmäßiger Zug nach Bayrischzell fahre. „Dann habe ich den BOB-Fahrplan genau studiert.“ Kittenrainer entdeckte über der Zugverbindung, die um 7.30 Uhr in Bayrischzell ankommt, einen kleinen Punkt. Und der brachte den Bürgermeister nun mächtig ins Schwitzen. Denn er bedeutet, dass der Zug nur sonn- und feiertags fährt – nicht an Werktagen.

Danach ging es blitzartig ins Rathaus, alle Eltern wurden telefonisch informiert. „Jetzt machen wir die Schülerbeförderung heuer wie gehabt“, erklärte Kittenrainer. „Die Schüler werden weiterhin mit dem VW-Bus der Gemeinde zur Schule transportiert.“ Allerdings muss der Achtsitzer dafür bis zu dreimal hin- und hergondeln. „Wir werden die Fahrten aber noch optimieren, damit wir nur noch zwei Mal fahren müssen.“ Trotz allem sei dies die kostengünstige Variante des Schülertransports.

Der logistische Mehraufwand freue die Gemeinde allerdings sehr: „Wir haben heuer wieder vier voll besetzte Schulklassen“, so Kittenrainer. 58 Schüler werden in zwei kombinierten Klassen unterrichtet, erklärt Rektor Willi Nußbaumer, der die Grundschulen Bayrischzell und Elbach leitet. Erfreulich seien auch die Anmeldung von 15 Erstklässlern und die gestiegenen Schülerzahlen im Vergleich zum Vorjahr. „Da waren es 50 Kinder.“

Kittenrainers Zug-Idee ist in der Geschichte der Grundschule Bayrischzell nicht völlig neu, erinnert sich frühere Schulleiter Anton Wegscheider, der von 1974 bis 2013 dort gelehrt hat: Bis zur Schulreform 1969 kamen die Volksschüler ausnahmslos mit der Bahn zum Unterricht. Schüler, die nicht das Glück hatten, an der Bahnstrecke zu wohnen, hatten es oft schwieriger. „In den 1970er-Jahren sind noch Kinder mit den Skiern vom Berg aus ins Tal zur Schule gefahren und mittags mit dem Schwebelift wieder hoch“, weiß Wegscheider.

Daniel Wegscheider

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Die Knödel-Revolution</center>

Die Knödel-Revolution

Die Knödel-Revolution
<center>Märchen auf Boarisch - Band1</center>

Märchen auf Boarisch - Band1

Märchen auf Boarisch - Band1
<center>Wiesn Editionskrug Nr.2 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l</center>

Wiesn Editionskrug Nr.2 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l

Wiesn Editionskrug Nr.2 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l
<center>T-Shirt "Mei Trachtenhemd is in da Wäsch" grau</center>

T-Shirt "Mei Trachtenhemd is in da Wäsch" grau

T-Shirt "Mei Trachtenhemd is in da Wäsch" grau

Meistgelesene Artikel

Geitauer Alm: Mönche haben Hütte wieder aufgebaut

Bayrischzell - Die Benediktinermönche des Kloster Scheyern sind ihrem Ruf als fleißige Arbeiter gerecht geworden. Rund eineinhalb Jahre nach dem Kauf haben sie die obere …
Geitauer Alm: Mönche haben Hütte wieder aufgebaut

Kommentare