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Alles klar, Herr Kommissar? Die „Rosenheim-Cops“ (v.l.) Max Müller und Dieter Fischer bei einem Dreh in Gmund. Kameraassistent wählt die passende Einstellung.

Touristiker und Produzent im Interview

Filmteams im Landkreis: Was sie bringen, was sie wollen 

Landkreis - Wer Filme liebt, kommt am Landkreis Miesbach nicht vorbei. Aktuell dreht das ZDF wieder für seine Reihe „Frühling“ rund um Bayrischzell. Aber nicht alle Filmemacher sind zufrieden.

Auch die „Rosenheim-Cops“ ermitteln gerne zwischen Tegernsee und Schliersee. Dank Marcus H. Rosenmüllers „Wer früher stirbt, ist länger tot“ hat es die Region sogar auf die Kino-Leinwand geschafft. Aber was zieht die Kamerateams eigentlich in den Landkreis? Und wie können die Einheimischen davon profitieren? Wir haben uns bei zwei einheimischen Experten umgehört.

Filmemacher Ben Blaskovic erklärt, warum Kamerateams im Landkreis drehen und warum er von der ATS enttäuscht ist

Ben Blaskovic (27, l.) Schauspieler und Produzent aus Schliersee.

Schliersee – Er ist Schauspieler, Produzent – und in Schliersee aufgewachsen. Wer könnte die Begeisterung von Filmteams für den Landkreis Miesbach besser beurteilen als Ben Blaskovic? Im Interview verrät der 27-Jährige die beliebtesten Motive, aber auch die Hürden, auf die Produzenten hier treffen.

Herr Blaskovic, lassen wir mal Ihre Heimatgefühle außen vor: Warum drehen Sie gerne im Landkreis Miesbach?

Blaskovic: Weil es hier einfach wahnsinnig viele Motive gibt. Berge, Wälder, Seen, Felder, aber auch kleine Dörfer. Alles liegt ganz nah beieinander, man muss also die ganze Filmausrüstung nicht für jede Szene über Hunderte Kilometern transportieren. Und dann liegt es natürlich auch an den Leuten, dass wir uns hier richtig wohlfühlen.

Kommt man mit denen eigentlich in Kontakt? Der Set ist ja meist eher abgeschirmt.

Blaskovic: Aber das ist ja nur ein Bruchteil unserer Arbeit. Die meiste Zeit verbringen wir mit der Vorbereitung. Und da stelle ich immer wieder fest, dass die Menschen hier sehr hilfsbereit sind. Das merkt man schon an so Kleinigkeiten wie dem Catering. Da schmiert einem der Bäcker um die Ecke mal eben ein paar leckere Butterbrezen. Alles ganz unkompliziert. Das gleiche gilt für die Auswahl der Locations. Ob das ein Landwirt ist, der einem sein Feld für eine Massenszene zur Verfügung stellt, oder ein Hüttenbesitzer, der einem den Schlüssel für seine Alm überlässt.

So wie bei Ihrem aktuellen Film „Im Nesseltal“.

Blaskovic: Genau. Da haben wir uns tagelang auf der kleinen Nesslerhütte über Bayrischzell verkrochen. Wir konnten uns völlig frei bewegen, niemand hat uns gestört. Das war für die frei entwickelten Dialoge absolut entscheidend. Da merkst du einfach, dass dir die Leute vertrauen. Die lassen einen einfach machen. Natürlich tut man sich da als Einheimischer erheblich leichter als ein Produzent von außerhalb. Aber auch ich bin im Landkreis schon an meine Grenzen gestoßen.

Erzählen Sie.

Blaskovic: Das war vor zwei Jahren, als ich mich in der Vorbereitung für ein Projekt an die Alpenregion Tegernsee-Schliersee gewandt habe. Das ist aber eher enttäuschend verlaufen. Die Leute hatten damals ehrlich gesagt nicht viel Ahnung von der Filmwelt und haben in meinen Augen den Mehrwert einer Unterstützung eines lokalen Filmprojekts nicht verstanden. Ich hoffe, dass da heute ein bisschen mehr Sensibilität da ist, gerade auch im Umgang mit jungen Produzenten. Denn wenn die sich hier wohlfühlen, kommen sie gerne wieder – und geben ihre Erfahrungen an andere Teams weiter. Davon kann die Region eigentlich nur profitieren.

Touristiker Willy Kravanja wirbt dafür, gezielt Filmfans in die Region zu locken

Willy Kravanja (60) Projektleiter Tourismus in Bayrischzell.

Bayrischzell – Als „Location-Scout“ hat Willy Kravanja schon dem ein oder anderen Regisseur wertvolle Tipps gegeben. Seit gut eineinhalb Jahren ist der 60-jährige Bayrischzeller nun Projektleiter für Tourismus in seinem Heimatort. Im Gespräch erzählt er, wie die Region von den Drehs profitieren kann – und wo die Vorbehalte liegen.

Herr Kravanja, aktuell gleicht Bayrischzell wieder einem riesigen Filmstudio. Sind da die Bürger nicht irgendwann genervt?

Kravanja: Also über gesperrte Straßen hat sich bei mir noch niemand beschwert. Aber natürlich gibt es auch Kritik. Die zielt aber eher auf die touristische Seite ab. Zum Beispiel wollen manche nicht einsehen, warum im traditionell eh gut gebuchten Sommer auch noch die Filmleute die Betten belegen. Noch dazu, wenn die über Wochen keine Kurabgabe zahlen, weil sie ja zum Arbeiten hier sind.

Was halten Sie den Kritikern dann entgegen?

Kravanja: Dass das zu kurzfristig gedacht ist. Derzeit mehr als 40 Menschen im Ort, die sich mit den Dreharbeiten zu „Frühling“ beschäftigen. Selbst wenn sie keine Kurabgabe zahlen, freuen sich die Gastgeber über volle Betten. Und die Leute gehen ja auch Essen und kurbeln so das Geschäft an. Das ist eine direkte Wertschöpfung, die aber oft nicht als solche gesehen wird. In Bezug auf die Auslastung in den Übernachtungsbetrieben kann ich sagen, dass wir bislang keinen anderen Gast wieder nach Hause schicken mussten. Im Gegenteil: So ein Filmdreh kann sich durchaus auch zu einem Besuchermagnet entwickeln. Davon profitieren wir noch, wenn der Streifen längst im Kasten ist.

Inwiefern das?

Kravanja: Weil es Fans gibt, die ganz gezielt zu den Drehorten ihrer Lieblingsserie reisen. Ich hab das schon als Kind mitbekommen, als wir noch neben einem uralten Hotel gewohnt haben. Da wurde öfter mal gefilmt. Noch Jahre später sind immer wieder Leute gekommen und haben gefragt, ob sie sich das Haus mal aus der Nähe anschauen dürfen. Man darf einfach nicht unterschätzen, welche Reichweite solche Serien haben. „Frühling“ schauen zum Beispiel gut und gerne fünf Millionen Menschen an. Auch wenn da nur ein kleiner Teil davon deshalb mal nach Bayrischzell fährt – und sei’s nur für eine Nacht – bringt uns das neues Geschäft. Wenn’s ihnen dann bei uns gefällt, erzählen sie es weiter und kommen wieder.

Gratis Werbung also für Bayrischzell?

Kravanja: Im Grunde ist es genau das. Weil die Orte aber im Film meistens anders heißen, müssen wir noch mehr auf uns aufmerksam machen. Ich finde, dass wir es durchaus nach außen tragen sollten, dass wir auch eine beliebte Kulisse fürs Fernsehen sind.

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