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Neue Attraktion in Bayrischzell: Wer würde das nicht genießen?

In der historischen Tannermühle

Rustikales Dorfbad: Von nahezu historischer Ruhe

Bayrischzell - Neue Attraktion für Bayrischzell: In der historischen Tannermühle hat Peter Kirchberger ein rustikales Wellnessbad eingerichtet. Platz finden dort maximal 15 Personen. 

Es ist eines der ältesten Gebäude in Bayrischzell und von einem wildromantischen Zauber umgeben: Die Tannermühle liegt eingebettet in einer Klamm, die weiter emporsteigt, hinauf zum Wendelstein. Von dort rauscht das klare Bergwasser an einem acht Meter hohen Wasserfall hinter der ehemaligen Mühle hinab ins Tal. Es ist ein Anblick, an dem sich Peter Kirchberger nicht sattsehen kann. „Mir geht hier jeden Tag das Herz auf“, schwärmt der 55-jährige Bayrischzeller.

Er liebt die Natur und die Ruhe. Diese Leidenschaften veranlassten Kirchberger nun, dort eine Stätte der Entspannung für die Öffentlichkeit einzurichten – ein rustikales Wellnessbad im Stil eines alten Bauernstadels. Für den ehemaligen Marketing-Berater aus München ein echtes Erfolgskonzept und nicht sein erstes Projekt. Nachdem Hüttenwirt Kirchberger im Jahr 2007 sein marodes Sillberghaus auf 1100 Meter über Bayrischzell zum Almbad umbauen ließ, traf er damit genau den Geschmack seiner Gäste. „Es kommt gut an“, berichtet er. 2012 folgte ein zweites alpines Bad im Gasthaus Huberspitz in Hausham. Mit dem Dorfbad Tannermühl geht nun sein drittes Projekt an den Start.

„Alle drei Objekte verbinden viel Heimatgefühl und eine Nähe zur Natur, das nur alte, authentische Berghütten und Bauernhäuser vermitteln können“, erklärt Kirchberger. Mit der Tannermühle hat er dafür ein weiteres passendes Gebäude gefunden.

Dorfbad: Sanitäre Einrichtungen sind ein Hingucker

Beim Betreten des Dorfbades durchschreitet man scheinbar ein Portal in die Vergangenheit. Kirchbergers Idee: „Es soll alles so wirken, als wäre das Bad so alt wie das Haus.“ In dem rund 80 Quadratmeter großen Innenbereich im Erdgeschoss duftet es nach Wald und Leder. Der erste Raum ist eine Umkleidekabine mit altholzbeschlagenen Spinden. „Das Holz stammt von alten Stadeln, die zuvor im Hitzeofen aufbereitet wurden“, erklärt Kirchberger. Neben der Küche und Innendusche befindet sich ein Massageraum, ausgestattet mit einer 150 Jahre alten Hobelbank, aus der Kirchberger eine professionelle Massageliege bauen ließ. Im hinteren Gebäudeteil schließt das Kaminzimmer an, mit Ledersesseln und großem Kuhfell vorm offenen Feuer.

Traum-Kulisse

Ein echter Hingucker sind auch die sanitären Einrichtungen. Die Toiletten sind komplett mit Holz verkleidet, an den Deckeln Griffe zum Öffnen – wie auf der Alm, nur modern. Das Herzstück ist jedoch der angrenzende, 80 Quadratmeter große Außenbereich. Dort befinden sich eine Sauna mit Blick auf den Wendelsteinbach und zwei Sprudel-Wannen direkt vor dem Wasserfall. „Wenn dort Gäste im warmen Wasser sitzen, werden diese durch dessen kalte Gischt angesprüht“, erzählt Kirchberger. Zudem diene die Wasserfall-Gumpe als natürliches Tauchbecken. Daneben befindet sich die Außendusche, direkt in eine Felsgrotte eingebaut. „Vor dieser Kulisse saunieren, das ist ein Traum“, schwärmt er.

Für Kirchberger bedeutet der heutige Wellness-Begriff etwas Ursprüngliches, etwas Zeitloses. Er möchte ein Gegenkonzept zu den technischen Sauna-Tempeln anbieten. „Nicht anonym und überfüllt, sondern ruhig und familiär“, sagt er. Darum biete sein Dorfbad nur bis zu 15 Gästen Platz. Auch eine Uhr sucht der Saunagänger hier vergebens. „Es gibt keine“, erklärt Kirchberger. „Bei uns spielt Zeit keine Rolle.“ Sein Erholungsbad bietet eben Entschleunigung. In der Tannermühle ist die Zeit stehen geblieben – ein Ort wie vor hundert Jahren, ohne die Hektik von heute.

Nähere Informationen: Buchungen im Dorfbad Tannermühl sind ganzjährig an den Wochenenden möglich: auf der Seite www.almbad.de, per Mail an peter@sillberghaus.de sowie in der Ski- und Bergschule am Bayrischzeller Bahnhof. Der Eintrittpreis für drei Stunden beträgt je nach Tageszeit 19 bis 29 Euro.

Die Geschichte der Tannermühle

Die Geschichte der Tannermühle reicht über tausend Jahre zurück: Laut der Bayrischzeller Chronik ließen sich im Jahr 1076 die ersten Einsiedler Otto und Adalbert in Bayrischzell nieder. Der Volkssage nach lebte einer der beiden Eremiten in der Höhle neben dem Wasserfall nahe der heutigen Tannermühle. Das Gehöft gehörte einst zum Tannerbauern, der dort eine Leinmühle betrieb – daher stammt ihr heutiger Name. Früheste Zeugnisse berichten weiter von einer gewaltigen Mure, die Mitte des 17. Jahrhunderts, aus dem Legergraben kommend, die Tannermühle vollständig unter sich begrub und erst an der Nordmauer des Streinhofs beim heutigen Bahnhof zum Erliegen kam. Damals stand die Leinmühle des Tannerbauern etwas weiter bachabwärts und wurde in den darauffolgenden Jahren an ihrem heutigen Standort neu aufgebaut.

Im Jahr 1863 kaufte der Müller Josef Rambold (1817-1888) aus Brannenburg das Gut und bewirtschaftete damit eine Getreidemühle. Später, als der Mühlbetrieb eingestellt wurde, nutzte der Zimmerermeister Martin Sieberer (1869-1953) die Wasserkraft des angrenzenden Bachs. Er betrieb mittels einer Turbine seine Zimmerei, bevor in den 1960er-Jahren die Maschinen elektrifiziert wurden. Danach führte die Familie Zangerl, die heute in den Wohnhäusern neben der Tannermühle lebt, den Zimmereibetrieb bis in die 1980er-Jahre fort.

Anschließend wurde die Tannermühle ebenfalls gewerblich genutzt. So beherbergte sie zunächst eine Kunsthandwerkerin, die ein Atelier einrichtete (1990-2005) und zuletzt den Braumaschinenhersteller Volker Rothbauer. Er konstruierte und entwickelte dort kleine Braumaschinen für den Hausgebrauch (2005-2012). Nach dieser Zeit bezog Peter Kirchberger das Gebäude und begann im Jahr 2013 mit dem Umbau zum heutigen Dorfbad Tannermühl.

Neben den Handwerkskünstlern zog die Tannermühle aber auch TV-Stars an, wie Besitzer Peter Zangerl berichtet. In den 1950er-Jahren entstanden dort Heimatfilme, 1980 agierte dort Dieter Thomas Heck für die Serie „Erben will gelernt sein“. Im gleichen Jahrzehnt nutzte das ZDF ebenfalls die Außenkulisse. Für ihr Sonntagskonzert standen die Bayrischzeller Dirndl auf dem Balkon der Tannermühle. Ebenso drehte der unvergessene Peter Lustig für seine Kindersendung „Pusteblume“ am Wasserfall hinter der Tannermühle. Ins Wasser ging dort auch der Schauspieler Friedrich von Thun für den Spielfilm „Das Beste kommt erst“ (2008).



Von Daniel Wegscheider

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