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Das weckt die Lebensgeister: Gerade mal acht Grad misst das Wasser im Kneippbecken in Bayrischzell. Bürgermeister Georg Kittenrainer und einige Gemideräte wagen dennoch eine Runde – soll ja gesund sein.

„Es ist das kälteste Wasser, das wir in Bayrischzell haben – und trinkbar.“

Neue Attraktion: Modernes Kneipp-Becken eingeweiht

Bayrischzell – Das Wasser ist eiskalt. Aber die Gäste lieben es. Bayrischzell hat seine Kneippanlage modernisiert. Und die Pläne gehen noch weiter.

Eigentlich wollte Georg Kittenrainer die Einweihung der neuen Kneippanlage am Bergfeld ins Wasser fallen lassen: Der Himmel, der sich in Pfützen um das Becken spiegelte, war wolkenverhangen. Es hatte den ganzen Tag geschüttet. Doch kurz vor dem Festakt brach die Sonne durch und tünchte die Natur in Pastellfarben. Und somit stand der Bürgermeister pünktlich zum Termin neben Willy Kravanja,, dem Projektleiter der neu gestalteten Anlage, am Wasser und schätzte die Temperatur ab. „Acht Grad“, informiert Kravanja. „Es ist das kälteste Wasser, das wir in Bayrischzell haben – und trinkbar.“ Das Becken werde direkt aus der klaren Bergfeldquelle gespeist.

Erst zog Kittenrainer seinen Fuß zurück, doch für das Foto überwand er sich doch und stakste im Storchengang mit ein paar Gemeinderäten durchs Becken. Immer im Kreis herum, so wie es die berühmte Wasserkur nach dem bayerischen Priester Sebastian Anton Kneipp (1821 bis 1897) vorsieht. Die Wasserkuranlage in Bayrischzell mit ihrer 1970er-Jahre-Architektur war aber kein Hingucker mehr. So entschied die Gemeinde im vergangenen Jahr, die Anlage für 30 000 Euro sanieren zu lassen und ihr einen zeitgemäßen Anstrich zu verpassen – familienfreundlich mit Erlebnischarakter.

Entdeckungen zeigen sich dem aufmerksamen Betrachter überall. Das Wasser, das aus einem Felsenbrocken ins Becken mit dem Handlauf sprudelt, glitzert bläulich. „Die Färbung ist auf die Gesteinsplatten zurückzuführen“, erklärt Kravanja. Die Steinplatten aus Gneisen, mit denen Becken und Umgang gepflastert sind, verschlacken nicht, so sei der Boden nicht rutschig.

Mit der aufgefrischten Kneippanlage hat auch der Wendelstein-Männlein-Weg eine neue Station dazugewonnen. Passend dafür ließ Kravanja Felsbrocken vom Wendelstein ins Tal holen, die jetzt als Sitz- und Brotzeitgelegenheit zum Verweilen einladen. Auf einem davon sind sogar fossile Muscheln zu entdecken. Geologische Geschichte, die in kindgerechter Sprache erkläre, dass hier alles einmal Meeresboden war, meint Kravanja. 

Um Wanderern neben dem Wassertreten zusätzlich Erfrischung zu bieten, plant Kravanja für Herbst dieses Jahres, das Gelände ums Becken zu bepflanzen. Große Büsche, unter denen Sitzbänke und Himmelsliegen platziert werden, sollen Schattenstellen spenden. Ein grüner Blickschutz zur Straße hin sei ebenso angedacht, sagt Kravanja. Er möchte außerdem – getreu Pfarrer Kneipps „nix is g´sünder als barfuß geh“ – einen rund zehn Meter langen Barfußpfad mit unterschiedlichen Naturmaterialien an der Kneippanlage verwirklichen. Kittenrainer ist jetzt schon stolz auf die Anlage: „Uns ist eine tolle Attraktion für Gäste und Einheimische gelungen – trotz enger finanzieller Gemeindemittel.“

Und das sagen die Gäste

Während der Rede von Bürgermeister Georg Kittenrainer planscht das Ehepaar Klaus und Monika Oberbörsch aus Siegburg (Nordrhein-Westfalen) durchs kühle Nass. „Wir wussten nichts von der Einweihung heute“, erklärt Klaus. „Wir gehen hier jeden Abend zum Kneippen.“ Seine Frau Monika manchmal auch am Morgen. Bereits zum sechsten Mal reisen die Rheinländer in die Wendelsteingemeinde – eigentlich wegen der Berge. 

Doch dann entdeckten sie die Kneippanlage. „Es ist sehr schön geworden“, lobt Klaus, und Monika meint: „Das Becken ist super zu begehen.“ Zudem sei hier ein idyllischer Ort mit der Wiese und dem angrenzenden Bach. Die beiden sind für drei Wochen in Bayrischzell und haben auch andere Gäste erlebt, die an der Kneippanlage Spaß hatten. „Eine Schulklasse aus Neuhaus hat das Becken sogar als Schwimmbad benutzt“, berichtet Klaus Oberbörsch. Er findet es toll , dass es in Bayrischzell die Möglichkeit dafür gebe. „Bei uns gibt es das nicht“.

Daniel Wegscheider

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