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Wenige Motorradfahrer sind unterwegs, als die Polizei ihre Präventionsveranstaltung durchführt.

Präventionsaktion der Polizei

Tödliche Unfälle und Motorradfahrer in Unterhose

Bayrischzell - Das Wetter passt, doch es sind weniger Motorradfahrer als sonst unterwegs im Sudelfeld-Gebiet. Es mag an der Polizei liegen, die an diesem Tag mit einer Präventionsaktion Aufklärungsarbeit leisten möchte.

Ein paar einzelne Motorradfahrer tuckern am Samstagmittag gemächlich über den Sudelfeldsattel in Bayrischzell. Sonne, blauer Himmel – ideales Ausflugswetter. Auf dem Parkplatz vor dem Schnauferl Wirt tummeln sich derweil rund 20 Beamte von der Motorrad-Kontrollgruppe und dem Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Sie haben ein paar Stände mit Informationen rund um das Motorrad aufgestellt.

Ein 47-jähriger Fürstenfeldbrucker, der gerade seine BMW geparkt hat, schlendert zwischen den Infozelten herum. Für den Mann ist klar, warum so wenig Kradfahrer unterwegs sind: „Es liegt an der Kontrollgruppe.“ Aber die vier Beamten der Einheit möchten diesmal keine Raser aus dem Verkehr ziehen, sondern Aufklärungsgespräche führen und technische Fragen beantworten, wie deren Leiter Jan Zangenfeind erklärt.

Die beiden Männer kommen ins Gespräch. Für den Fürstenfeldbrucker ist das Problem der Raser nicht durch Technikkontrollen in den Griff zu bekommen. „Es ist doch nicht Sinn der Sache, nach einem nicht zulässigen Bremshebel oder einem fehlenden Katzenauge Jagd zu machen“, sagt er, „wenn der gleiche Fahrer nach der nächsten Kurve wieder Gas gibt.“ Zangenfeind kontert: „Nicht zulässige Bremshebel sind kein Spaß.“ Sie könnten brechen, davon hängt das Leben des Fahrers ab.

Motorradfahrer: "Theoretisch kannst du in der Unterhose fahren"

Der Fürstenfeldbrucker schüttelt den Kopf. Für ihn fehlt die Relation zur Wirklichkeit. Technische Mängel an der Maschine würden geahndet, der Rest aber nicht. „Theoretisch kannst du in der Unterhose fahren“, erklärt er. Jetzt schüttelt Zangenfeind den Kopf. „Das greift zu sehr in die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen ein, aber Fahrzeuge müssen technisch in Ordnung sein.“

Fahrsimulator mit Peter Starnecker (r.)

Die Männer diskutieren weiter und tauschen sich aus. Das ist auch der eigentliche Zweck der Veranstaltung, die jedes Jahr auf dem Sudelfeld und dem Kesselberg (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) zum Auftakt der Motorradsaison stattfindet. Nicht ohne Grund, wie Polizeipräsident Robert Kopp erklärt: „Wir hatten vergangenes Jahr im Präsidium Oberbayern Süd insgesamt 29 tödliche Motorradunfälle – so viele wie noch nie.“ Allein am Sudelfeld starben drei Motorradfahrer.

Am Verkehrswachtstand von Polizeihauptkommissar Peter Starnecker bietet sich die Möglichkeit zum Verkehrstraining. Das Motorrad echt, die Fahrt simuliert. Auf der Leinwand rauschen die Häuserschluchten der Münchner Innenstadt vorbei. Starnecker beschleunigt auf 56 Stundenkilometer. Plötzlich läuft ein Rentner zwischen zwei parkenden Autos auf die Straße. Der alte Mann hebt noch abwehrend die Hand – zu spät. Es kracht. Der Computer spuckt sofort die Statistik aus. Trotz seiner sehr guten Reaktionszeit und des knappen Bremswegs rauschte Starnecker wegen der leicht erhöhten Geschwindigkeit in den Spaziergänger. „Wären wir anständig mit 50 gefahren“, erklärt er, „hätte ich es geschafft. Die läppischen sechs Stundenkilometer mehr machen es aus.“

Interview mit Polizeipräsident Robert Kopp

Hobby und Beruf sind oft zwei verschiedene Lebensbereiche. Nicht für Polizeipräsident Robert Kopp. Der 56-Jährige ist begeisterter Motorradfahrer und kann diese Leidenschaft gut mit seiner Arbeit verbinden. Zum Führerscheinstart mit einem Moped angefangen, braust er heute auf seiner Triumph gerne über Südtirols Bergpässe. Auch bei der Informationsveranstaltung am Sudelfeld war er dabei.

Herr Kopp, wie beschreiben Sie Ihren Fahrstil: Risiko- oder besonnener Sonntagsfahrer?

Kopp: Ich bin ein ganz vernünftiger und normaler Fahrer – weder im Schneckentempo unterwegs noch ein sogenannter High-Risk-Fahrer. Ich fahre so, wie man sich im Straßenverkehr bewegen sollte, und vermeide Risiken. Ich fahre bewusst nicht in der Nacht oder bei schlechtem Wetter. Also bin ich ein Schönwetterfahrer – und das gerne.

Haben Sie als Biker Verständnis für die Motorrad-Raser am Sudelfeld?

Kopp: Die Sudelfeldstrecke ist ja mittlerweile so überfüllt, dass es dort keinen Spaß mehr macht zu fahren. Generell habe ich für Raserei null Verständnis. Diese Fahrer gefährden ja nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Trotzdem meinen sie, ihre eigenen Spielregeln aufstellen zu können. Das geht nicht.

Wie schätzen Sie den heutigen Ruf der Motorradfahrer ein?

Kopp: Besonders wird das Ansehen von wenigen Motorradfahrern geprägt: zum Einen sind das die High-Risk-Biker und zum anderen auch die klassischen Rockergruppen wie Hells Angels oder Bandidos. Beide Gruppen sind eigentlich die absolute Minderheit, die aber das Ansehen aller Kradfahrer schädigen. Insofern ist der Ruf auf jeden Fall verbesserungswürdig.

Wie kann das Bild des Motorradfahrers in besseres Licht gerückt werden?

Kopp: Aus der Gruppe der Motorradfahrer müssen wir die potenziellen Raser ansprechen und versuchen, diese Fahrer wieder auf die Seite der Vernunft zu ziehen. Motorrad fahren macht ganz viel Spaß, aber dieser nimmt ein tragisches Ende, wenn jemand verletzt wird oder gar tot auf der Straße liegt.

Von Daniel Wegscheider

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