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Ein wenig Tageslicht: Vor dem natürlichen Eingang der Höhle erklärt Forscher Peter Hofmann (M.) seine Vorgehensweise. Umweltministerin Scharf und der Biospeläologische Beauftragte Stefan Zaenker lauschen gespannt.

Bisher war gar nicht klar, ob es die überhaupt in Deutschland gibt

Wendelsteinhöhle: Forscher finden unglaubliche Arten in der Dunkelheit

Bayrischzell - 13.000 Tiere und fast 200 verschiedene Arten haben Forscher unter anderem in der Wendelsteinhöhle gefunden. Jetzt gibt es dazu eine Ausstellung im Wendelsteinhaus. 

Sie schimmert meist weiß oder farblos und lebt in absoluter Dunkelheit. Augen hat sie erst gar nicht, sie findet sich mithilfe ihrer verlängerten Gliedmaßen zurecht: die Raubmilbe, ein besonderes Höhlentier. Dass es solche Tiere gibt, darüber waren sich Experten lange nicht einig. Unter anderem in der Wendelsteinhöhle haben Forscher jetzt solche Lebewesen ausgemacht. Eine Ausstellung auf dem Berg gewährt Einblicke in die neuen Erkenntnisse. 

Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf erlebte schon bei der Anreise einen Schockmoment 

Bei der Vorstellung der Schau durfte auch Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf feststellen, dass Höhlenforschung ein Abenteuer sein kann – und zwar schon auf dem Weg zur Höhle: Kurz vor der Bergstation machte die Zahnradbahn plötzlich einen Satz rückwärts – Eis auf der Oberleitung hatte die Stromverbindung unterbrochen. Ein kurzer Schockmoment. 

In der Wendelsteinhöhle heißt es bücken und Kopf einziehen

Abenteuerlich ging es auch in der Höhle selbst zu, Wachsamkeit ist gefragt: oben wie unten. Von der Decke ragen Felsvorsprünge in den teils engen Schacht hinein – da heißt es bücken und den Kopf einziehen. Gleichzeitig gilt es, jeden Schritt mit Bedacht zu setzen auf den glatten, glitschigen Betonstufen. Stefan Zaenker, Experte für Höhlenforschung beim Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher, führt in die Höhle, hält unvermittelt inne und deutet auf einen kleinen Falter an der Felswand. „Das ist ein Höhlenschmetterling, ein Geometridae.“ 

Wendelsteinhöhle, Lage:

Das Umweltministerium unterstützt das Projekt mit 40.000 Euro

Der ist nur eines von 13.000 Tieren, auf das Zaenker und seine Kollegen im Rahmen des Projekts „Leben im Dunkel“ gestoßen sind. Bereits von 2008 bis 2012 hatten sie an dem Projekt „inntaler unterwelten“ gearbeitet, im Zuge dessen Forscher vier Höhlenwege untersucht haben. Die gewonnenen Erkenntnisse und auch die Vorgehensweise wurden auf sieben geeignete Höhlen im Alpenraum übertragen, darunter auch die Wendelsteinhöhle. Das Umweltministerium unterstützt das Projekt mit 40.000 Euro. Daher Scharfs Ausflug in den Landkreis. 

„Die Wendelsteinhöhle hat ein Bayrischzeller im Jahre 1864 zufällig entdeckt“

Die Wendelsteinhöhle ist zwischen drei und sieben Millionen Jahre alt, ihre Gänge reichen etwa 500 Meter in den Berg hinein – 170 Meter sind befestigt. „Die Wendelsteinhöhle hat ein Bayrischzeller im Jahre 1864 zufällig entdeckt“, erklärt Höhlenforscher Peter Hofmann. „Sie muss entstanden sein bevor sich die Alpen gehoben haben.“ Begehbar ist sie durch einen künstlichen Eingang, der natürliche ist steinschlaggefährdet. 

Die Ergebnisse sind von nun an in einer Ausstellung im Wendelsteinhaus zu sehen

In dieser und den übrigen Höhlen haben Forscher die Tiere in kleinen Bodenfallen, sogenannten Barber-Fallen, gefangen – rund 200 verschiedene Arten. Sogar drei Erstnachweise für Deutschland haben die Forscher erbracht: eine Spinne, eine Schneemücke und eine Scheufliege. Die Ergebnisse sind von nun an in einer Ausstellung im Wendelsteinhaus zu sehen. Vier Schautafeln fassen die gesammelten Erkenntnisse der Experten zusammen – als Ergänzung zur Höhlen-Erlebniswelt am Wendelstein. Zu sehen ist auch der Alpenstrudelwurm. „Den kann ich mir merken“, scherzte Scharf, bevor sie die Heimreise antrat: Schockfrei mit der Seilbahn nach Osterhofen.

Bastian Huber

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