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Neue Besitzer im altehrwürdigen Gewölbe: Thomas Burnhauser und seine Frau Irina Schicketanz in der bereits einladenden Eingangshalle des Alten Wirts. Der Plastikvorhang im Hintergrund ist die Grenze zur Baustelle.

Hundhamer Gasthof wird aufwändig saniert

Alter Wirt: Neue Besitzer geben richtig Gas

Hundham - Es brennt wieder Licht im Alten Wirt in Hundham. Statt Gästen gehen dort aktuell die Handwerker ein und aus. Für unsere Zeitung hat Neu-Besitzer Thomas Burnhauser vorab die Türen aufgesperrt.

Bevor Thomas Burnhauser den Plastikvorhang zur Baustelle öffnet, zieht er noch schnell die hölzerne Haustüre zu. „Sonst kommen gleich die ersten Gäste“, sagt der neue Besitzer des Alten Wirts in Hundham schmunzelnd. Das Kerzenlicht im Gewölbe der Eingangshalle des Alten Wirts sieht einladend aus. Die Obstschalen auf den Holztischen auch. Doch der Schein trügt. Wer am Stammtisch in der Wirtsstube Platz nimmt, sollte sein Halbe-Glas mit einem Bierdeckel verschließen. Immer wieder rieseln Putzkörner von der Decke. Hinter dem Plastikvorhang, der die Gasträume von den Fremdenzimmern trennt, hat sich der Staub zu einem Nebel verdichtet. Bohrer rattern, Hammerschläge lassen das alte Mauerwerk erzittern.

„Wir haben hier einen ziemlichen Sanierungsstau vorgefunden“, schreit Burnhauser gegen den Lärm an. Drei Tage pro Woche ist der Professor der Hochschule Darmstadt mit seiner Frau Irina Schicketanz momentan in Hundham. Die beiden Münchner meinen es ernst mit dem Alten Wirt. Das Traditionsgasthaus aus dem Jahr 1513 ist für sie keine Geldanlage, sondern eine Investition in die Zukunft – und in die eigene Familiengeschichte. Burnhausers Großmutter war mit der früheren Besitzerin Monika Linder befreundet. Diese hatte dem Alten Wirt 1960 eine große Rundumkur verpasst, wie Burnhauser in einem alten Zeitungsartikel gelesen hat.

Staubige Angelegenheit: Handwerker reißen in den Gästezimmern im Obergeschoss schwer herum.

Was damals dem neuesten Stand entsprach, ist heute hoffnungslos veraltet. So verfügen die sechs Gästezimmer im Obergeschoss lediglich über Plastikduschen und ein Gemeinschaftsbad. Burnhauser lässt nun zwei Zimmer in je zwei Bäder umbauen. Zusammen mit den vier höherwertigen Räumen können Übernachtungsgäste aus acht zeitgemäßen Zimmern wählen. Frühstücken werden sie im bisher privat genutzten Biedermeier-Stüberl.

Mit Reitern und Anglern will Burnhauser zudem zwei besondere, aber zum Leitzachtal gut passende Zielgruppen ansprechen. Bis zu acht Pferde dürfen sich im dann renovierten Stall ausruhen. Auf der Leonhardi-Wiese bekommen sie ihren Auslauf. Damit Angler ihre Köder in der Leitzach auswerfen können, will Burnhauser seinen Übernachtungsgästen das hauseigene Fischereirecht tageweise anbieten. „Das ist auch in der Nebensaison interessant“, sagt er.

Doch auch Tagesausflügler dürfen sich auf Neuerungen im altehrwürdigen Wirtshaus freuen. Die Toiletten werden modern und barrierefrei – wie auch der Ausgang in den Biergarten. Den Waschbeton auf der Terrasse will Burnhauser durch Kies ersetzen. „In einem richtigen Biergarten muss es bei jedem Schritt knirschen“, sagt er. Auf dem Parkplatz will Burnhauser eine Ladestation für Elektroautos aufstellen. Weitgehend unverändert bleiben die Wirtsstube und das Salettl. Das Fuhrmannsstüberl, in dem Burnhauser momentan seine Sammlung an Angel-Fliegenrollen untergebracht hat, wird zum Büro für die zukünftigen Pächter.

Der Name bleibt: Auch mit neuem Besitzer wird das Hundhamer Traditionsgasthaus „Alter Wirt“ heißen.

Geeignete Kandidaten hat der neue Besitzer noch nicht im Auge. Übers Knie brechen will Burnhauser nichts, wie er betont. „Ich wünsche mir ein stimmiges Konzept.“ Zu viele Vorgaben machen wolle er nicht, der Alte Wirt solle aber auf jeden Fall eine Dorfwirtschaft bleiben. Vereine und Traditionsveranstaltungen wie die Leonhardifahrt und das Maibaumaufstellen würden hier weiterhin eine Heimat haben. Für die Speisekarte wünscht sich Burnhauser eine bayerische Küche „mit sinnvollen Erweiterungen“. Schmackhaft, aber nicht überkandidelt. Besteck, Töpfe und Pfannen warten schon auf ihren Einsatz.

Bis es darin aber wieder köchelt und brutzelt, dürften noch ein paar Monate vergehen. Eine Prognose, wann die Sanierung abgeschlossen ist, traut sich Burnhauser im Moment nicht zu. Wie zur Bestätigung staubt es nach einem heftigen Hammerschlag wieder von der Decke. Der Besitzer nimmt’s gelassen. Er vertraut seinen Handwerkern. „Die kennen sich hier ja aus“, sagt Burnhauser schmunzelnd. Er deutet auf ein Brett, das beim Rausreißen des Holzbodens in den Gästezimmern zum Vorschein gekommen ist. Am 18. Juli 1928 haben sich dort mit Bleistift mehrere Handwerker verewigt. 88 Jahre später sorgen ihre Enkel und Urenkel dafür, dass der Alte Wirt bald wieder in neuem Glanz erstrahlt.

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