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Geschichtsträchtiges Platzerl: Klaus Luttenbacher (l.), Vorsitzender des Leitzachtalvereins, und Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner genießen den Ausblick vom Balkon des frisch sanierten Schulhauses in Elbach.

Besuch in Elbachs bekanntestem Baudenkmal

So sieht es im ältesten Schulhaus Oberbayerns heute aus

Elbach - In neuem Glanz erstrahlt das Alte Schulhaus in Elbach – und trotzdem sieht es noch so aus wie früher. Wir haben uns im frisch sanierten, 350 Jahre alten Holzhaus umgeschaut.

Wenn der Lehrer seinen Schülern einheizte, herrschte dicke Luft im Klassenzimmer im Elbacher Schulhaus. Doch nicht schwere Rechenaufgaben schnürten den Kindern vor 350 Jahren die Luft ab, sondern der Rauch der offenen Feuerstelle. Weil das einstöckige Holzhaus keinen Kamin hatte, stauten sich die schwarzen, stinkenden Wolken unter dem Schindeldach. „Oft musste der Lehrer Schüler ins Freie bringen, damit sie wegen der verdorbenen Schulluft nicht umfielen“, zitiert der Fischbachauer Gemeinderat und Kulturreferent Andreas Estner in der aktuellen Ausgabe des „Leitzachtaler“ den damaligen Oberschulinspektor und Pfarrer Anton Selmair.

Historisches Lebenswerk: Irmingard Findeiss, Schriftführerin des Leitzachtalvereins, führt die Chronik des ehemaligen Lehrers Josef Brunnhuber fort.

Wenn Selmair heute seinen Kopf in das frühere Klassenzimmer stecken würde, würde ihm aus anderen Gründen die Luft wegbleiben – vor Begeisterung. In enger Absprache mit dem Denkmalschutz ist der Gemeinde Fischbachau und den von Generalunternehmer Hans Kirchberger beauftragten, einheimischen Handwerkern etwas gelungen, was sich für Laien wie die sprichwörtliche Quadratur des Kreises anhört. Das vermutlich älteste Schulhaus Oberbayerns an der Leitzachtalstraße erstrahlt in neuem Glanz – und sieht trotzdem so aus wie nach der letzten Bauphase 1852. Die massiven Holzwände frisch verputzt, der Boden gefliest und mit einer Fußbodenheizung angenehm temperiert – ganz ohne Rauch. Ein Klima, das sogar heutigen Schulstandards genügen würde.

Und doch wird hier kein Unterricht mehr stattfinden. Wo sich früher die Kinder in die engen Schulbänke zwängten, werden künftig die alten Bücher des Leitzachtal-Archivs in den großzügigen, hellen Holzregalen lagern. Weil die mindestens genauso empfindlich auf schlechte Luft reagieren, hat die Gemeinde keine Kosten gescheut und das Holzhaus aus dem Jahr 1666 mit einer modernen Pelletsheizung ausgestattet. „Ein Baubiologe hat die optimale Temperatur und Feuchtigkeit festgelegt“, erklärt Bürgermeister Josef Lechner und deutet auf den kleinen Drehregler an der frisch gestrichenen Wand.

Genau 535 000 Euro haben die von Juli 2014 bis August 2015 dauernden Sanierungsmaßnahmen verschlungen. Knapp 120 000 Euro weniger als ursprünglich berechnet, wie Lechner stolz betont. Ebenfalls erfreulich: Das Amt für ländliche Entwicklung, der Bezirk Oberbayern und natürlich der Denkmalschutz beteiligten sich mit insgesamt 194 000 Euro.

Nicht in Zahlen ausdrücken lässt sich die Arbeitsleistung, die der Leitzachtal-Verein in die Pflege des Archivs steckt. Lange Jahre kümmerte sich Martin Obermaier mit viel Herzblut um diese Aufgabe. Mittlerweile sichten Vorsitzender Klaus Luttenbacher, Schriftführerin Irmingard Findeiss und ihre zehn Mitstreiter unermüdlich die historischen Bände. Diese lagern momentan in einem alten Gebäude gegenüber des Lehrerhauses. Ein eher trostloses Dasein, umgeben von modriger Luft und staubigen Spinnweben an der Decke. Doch auch wenn die Vereinsmitglieder ihre kostbaren Schinken lieber heute als morgen umziehen würden: So schnell geht es nicht. Erst kürzlich haben die Archivare alle Bücher und Dokumente in einem 4000 Euro teuren Computersystem erfasst. Dieser Ordnung entsprechend wollen sie nun die neuen Regale im Alten Schulhaus befüllen. Eine Arbeit, die sich über Monate hinziehen wird.

Historische Rarität: Bilder vom sanierten Elbacher Schulhaus

Veraltetes Lager: In einem Gebäude gegenüber des Alten Schulhauses lagern aktuell die zahlreichen Bücher und Dokumente des Leitzachtal-Archivs.

Findeiss ist das gewohnt. Sie hat vor ein paar Jahren ein echtes Mammutprojekt übernommen: die Fortschreibung der sogenannten Brunnhuber-Chronik. Jedes Gebäude im Leitzachtal hat der frühere Lehrer Josef Brunnhuber in seinem in Schweinsleder gebundenen Lebenswerk dokumentiert. Das Ergebnis: ein vollständiges Bild der Geschichte aller Orte, von Bayrischzell bis Irschenberg, vom 13. Jahrhundert bis zu Brunnhubers Tod 1936. Dessen Nachfolger Richard Kohlmann führte das Werk bis 1986 fort. Jetzt ist es an Findeiss, die Einträge erneut zu aktualisieren. Sie fährt sie von Haus zu Haus, spricht mit den Besitzern, erfasst die Daten und schießt Fotos. Die genaue Zahl der Anwesen kann Findeiss gar nicht nennen. „Allein in Fischbachau sind es 350“, sagt sie. Eine Herkulesaufgabe.

Die damit verbundene Schreibarbeit wird Findeiss künftig an würdiger Stelle verrichten. Der Leitzachtalverein hat im Alten Schulhaus ein eigenes Büro bekommen. Im davor befindlichen Gemeinschaftsraum wird die Gemeinde eine alte Schulbank ausstellen. „Die dazu passende Tafel suchen wir noch“, erklärt der Bürgermeister. Auch der Holzboden ist geschichtsträchtig. Die laut Lechner mehr als 100 Jahre alten Eichenbretter lagerten auf dem Dachboden. Abgehobelt und geschliffen sehen sie aus wie neu.

Gleiches gilt für die lindgrün und rostrot gestrichenen Türen, Fenster und den kleinen Balkon über der Eingangstür. Letzterer wäre um ein Haar den modernen Sicherheitsbestimmungen zum Opfer gefallen. Das Geländer war zu niedrig. Ein ortsansässiger Kunstschmied hatte die zündende Idee. Er fertigte einen unauffälligen Aufsatz aus Eisen. Gewissermaßen Rettung in letzter Minute. „Sonst hätten wir die Tür zunageln müssen“, erklärt Lechner.

Das Alte Schulhaus ist nämlich kein Museum, sondern im Obergeschoss immer noch bewohnt. Ein Jahr lang war die Mieterin mit ihrem Sohn während der Sanierungsarbeiten ausquartiert, nun kümmert sie sich wieder liebevoll um den Bauerngarten vor dem Haus und an den Treppen zum Elbach. „Ein echter Glücksfall“, schwärmt Lechner. Auch deshalb, weil die Wohnung der Mieterin in den vergangenen Jahren einiges abverlangte. Die Küche befand sich in einem Nebenraum im Erdgeschoss, die Stromheizung war hoffnungslos veraltet.

Diese Sorgen gehören nun der Vergangenheit an. Die Handwerker stockten das Pultdach des niedrigeren Anbaus im hinteren Bereich des Schulhauses auf und schufen so Platz für eine neue Küche im ersten Stock. Ansonsten waren die Außenwände noch in gutem Zustand – selbst die an der vielbefahrenen Ortsdurchfahrt. „Das ist ein unheimlich gutes Holz“, bestätigt Zimmermeister Kirchberger im „Leitzachtaler“.

Wohl nur deshalb hat das Alte Schulhaus in Elbach 350 Jahre überlebt. Geht es nach dem Bürgermeister, soll das frisch polierte „Schmuckkasterl“ künftig nicht nur die Elbacher, sondern auch so manchen interessierten Gast erfreuen. Feste Öffnungszeiten wird es allerdings nicht geben. Wer sich aber beim Leitzachtalverein anmeldet, kann einen Blick in Oberbayerns ältestes Schulhaus werfen. Und wer durch eines der historischen Bücher blättern will, darf dies in der alten Schulbank tun. Fast wie vor 350 Jahren – nur mit wesentlich besserer Luft.

Die Historie des Schulhauses

Gleich zwei seiner Nachfolgebauten sollte das Alte Schulhaus in Elbach in seiner 350-jährigen Geschichte überleben. Bereits 100 Jahre nach seinem Bau wurde das Anwesen in Form einer Almhütte erweitert. Der Hundhamer Zimmermeister Wolfgang Maurer stockte es 1789 in Blockbauweise auf. 1804 war es jedoch schon wieder zu klein. In Zeiten der Säkularisation hatten der Provisor, der Lehrer und sogar der Pfarrer von Elbach die Idee, die Heilig-Blut-Kirche in ein Schulhaus umzubauen. 

Dass es nicht so weit kam, ist den engagierten Bürgern zu verdanken. Sie spendeten Holz, Fuhrdienste und Geld, um das Alte Schulhaus erneut auszubauen – und die Kirche zu erhalten. Wegen des guten Rufs des Lehrers Josef Auer platzte das Klassenzimmer bald wieder aus allen Nähten. Sogar aus Miesbach schickten Eltern ihre Kinder ins Leitzachtal. 

1829 wurde dem Alten Schulhaus dann ein neues Gebäude direkt vor die Nase gesetzt. Dieses hielt nur 71 Jahre durch, und auch dessen Nachfolger wurde bereits wieder abgerissen. Das Alte Schulhaus diente hingegen fortan als Lehrerwohnung. Heute steht es so da wie nach der vierten Bauphase 1852 – und ist vermutlich das älteste Schulhaus in ganz Oberbayern.

Die Historie des Leitzachtalvereins

Einen nicht geringen Teil der Geschichte des Tals schrieb der Leitzachtalverein höchstpersönlich. Seine Entstehung verdankt er den Bestrebungen, das Leitzachtal mit einer Eisenbahnlinie von Aying über Westerham bis Bayrischzell zu erschließen. Als der Bau immer wahrscheinlicher wurde, beschloss das Leitzachtal-Komitee 1908, einen Verein zu gründen. Als Vereinszweck wurde die „Förderung der materiellen und ideellen Interessen des Leitzachtals, insbesondere zur Betreibung der Bahnsache“ auserkoren. 

Doch die Genehmigung der Bahnstrecke Schliersee-Bayrischzell und der Bau der Wendelsteinbahn von Brannenburg versetzten dem noch jungen Verein einen schweren Schlag. Die Leitzachtaler konzentrierten sich fortan auf die Wasserkraft. In einem notariellen Vertrag trotzten sie den Leitzachwerken 1910 einen Teil der durch die Wasserkraft gewonnenen Leistung ab. Weil sich bis 1928 trotzdem keine Industrie angesiedelt hatte, erwirkte der Leitzachtalverein eine Entschädigung von insgesamt 150 000 Mark. 

Einen Teil davon investierte er 1931 in den Kauf der Treichlmühle in Mühlau samt dazugehörigem Sägewerk. 1961 wurde dann das mit Spenden finanzierte Brunnhuber-Archiv in Elbach eingeweiht.

Tag des offenen Denkmals

Erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wird das sanierte Alte Schulhaus in Elbach beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 11. September, von 10 bis 15 Uhr. Ein kleiner Festakt mit anschließendem Weißwurstfrühstück steigt um 11 Uhr.

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