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Finger hoch: Zusatzangebote an Schulen sieht das Kultusministerium gern. Wenn es aber ums Bezahlen geht, sind die Gemeinden in der Pflicht.

"Werde mich bei Ludwig Spaenle beschweren"

Bürgermeister Lechner sauer auf Kultusministerium

Fischbachau - Zusatzangebote an Schulen sieht das Kultusministerium gern. Wenn es aber ums Bezahlen geht, sind die Gemeinden in der Pflicht. Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner ist mächtig sauer.

Es ist eine dieser Medaillen, die sich Politiker gerne umhängen. 2013 hat das Kultusministerium dem Landkreis Miesbach das Qualitätssiegel „Bildungsregion“ verliehen. Wenn es darum geht, das wohlklingende Wort mit Taten zu füllen, hält sich die oberste Behörde aber vornehm zurück. Sehr zum Ärger von Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner (CSU), der nun gleich zwei Anträge auf Unterstützung von schulischen Projekten auf dem Schreibtisch hatte. Dass sich sein Unmut nicht gegen die Schulen richtet, machte Lechner im Gemeinderat von Anfang an klar. „Das sollten uns unsere Kinder wert sein“, sagte er.

Tatsächlich hat seine Gemeinde nicht nur das landkreisweit erfolgreiche Projekt „Jugend-Perspektive-Arbeit“ (JuPeA) ins Leben gerufen, sondern auch eine heilpädagogische Hilfskraft an der Grundschule Elbach eingestellt. Eine zusätzliche Mitarbeiterin wird nun auch an der Mittelschule Fischbachau gebraucht. Schulleiterin Marion Lechner hat die Anstellung einer Hilfskraft auf Basis der geringfügigen Beschäftigung beantragt. Jeweils zwei Stunden soll sich diese montags bis donnerstags um die Schüler kümmern.

Am Bedarf gibt es laut Lechner keinen Zweifel. So würden die vom Kultusministerium zugewiesenen Lehrerstunden nur die vorgesehenen Pflicht- und Wahlpflichtfächer abdecken. Für Zusatzangebote wie Schulgarten oder Chor bleibe da kaum Zeit. Bei der Mittagsbetreuung beißt es sogar ganz aus. Wegen des Personalmangels würde aktuell der Hausmeister ein Auge auf die Schüler in der Aula und auf dem vorderen Pausenhof werfen. Weil der Nachmittagsunterricht stetig zunimmt, brauche es eine weitere Aufsichtsperson, erklärte Lechner.

Womit er sich aber gar nicht anfreunden kann, ist die Finanzierung der rund 7000 Euro pro Jahr. Die nämlich müsse allein die Gemeinde stemmen. „Das Kultusministerium nimmt sich komplett raus“, schimpfte Lechner. Er sei stinksauer und werde sich wegen dieser „Sauerei“ bei Kultusminister Ludwig Spaenle beschweren. Dennoch warb er im Gemeinderat für die Anstellung einer Hilfskraft. So könne diese auch Flüchtlingskinder betreuen, Freistunden gestalten und Ausflüge begleiten.

Die Gemeinderäte folgten Lechners Empfehlung einstimmig. „Eine Investition in die Zukunft“, sagte Hans Seemüller (FWG). Alois Gasteiger (FaB) fürchtete dagegen, dass es noch schlimmer kommen könnte. „Werden es noch weniger Lehrer, wenn wir zustimmen?“, fragte er. Lechner schüttelte den Kopf: „Wir sind doch eh schon beim Minimum angelangt.“

Deutlich weniger Bauchschmerzen hatte der Bürgermeister beim zweiten Zuschussantrag der Mittelschule. Weil im kommenden Schuljahr eine M-Klasse mehr gebildet werden muss, ist die Schule zur technischen Aufrüstung gezwungen. 2000 Euro kostet die Ausstattung eines neunten Klassenzimmers mit Dokumentenkamera, Laptop und Beamer. Dass es künftig erstmals sechs M-Klassen gibt, freut den Bürgermeister sehr.

Positive Rückmeldungen von Unternehmen bestätigen seine hohe Meinung von dieser Schulform. So stelle das Autohaus Kathan bevorzugt Mittelschüler aus Fischbachau ein, verkündete Lechner stolz: „Nicht nur wegen ihres Fachwissens, sondern weil sie auch Anstand haben.“ Ein echtes Aushängeschild.

Schulschach: Landkreis soll mitzahlen

Gut angenommen wird das landkreisweite Projekt Schulschach. Drei hauptamtliche Pädagogen bringen aktuell rund 750 Kindern das königliche Spiel bei (wir berichteten). Weil das Geld aus Elternbeiträgen und von Sponsoren nicht reicht, bitten die Initiatoren die Gemeinden auch für das kommende Schuljahr um einen Gesamtzuschuss in Höhe von 15 000 Euro. Gemessen an der Einwohnerzahl wäre Fischbachau mit 871 Euro dabei, rechnete Bürgermeister Josef Lechner (CSU) nun im Gemeinderat vor. „Alle unsere Schulen möchten weiterhin Schach anbieten“, sagte er.

Doch auch hier schmeckte ihm das Finanzierungsmodell nicht. Dafür will der Bürgermeister den Landkreis in die Pflicht nehmen. „Wer sich die Plakette Bildungsregion anheftet, sollte sich auch an einem Vorzeigeprojekt wie Schulschach beteiligen“, betonte er. Er werde dem Landkreis vorschlagen, die Hälfte des Gesamtzuschusses der Gemeinden – also 7500 Euro pro Jahr – zu übernehmen. Sollte er Erfolg haben, würden aber nicht die Kommunen entlastet, sondern die Eltern. „Das macht das Kraut für uns eh nicht fett“, sagte Lechner. Die Gemeinderäte sahen das ähnlich und gaben den Zuschuss einstimmig frei.

sg

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