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Eine eingeschworene Gemeinschaft bilden die Mitglieder der Musikkapelle Elbach. Mit 28 Jahren zählt Posaunist Andreas Kaffl (hinten r.) zur jüngeren Generation, Klaus Greinsberger (vorne r.) spielt dagegen bereits seit 52 Jahren Lyra und Tenorhorn.

Wir gratulieren

Musikkapelle Elbach feiert ihr 170-jähriges Bestehen

Fischbachau - Die Musikkapelle Elbach feiert unglaubliche 170 Jahre, die seit ihrer Gründung vergangen sind. Wir gratulieren, haben aber in der Chronik auch nach den dunklen Zeiten gefahndet.

Wäre Andreas Kaffl 300 Jahre früher auf die Welt gekommen, wäre er höchstwahrscheinlich nicht zur Blasmusik gekommen. Und falls doch, hätte er es im Leitzachtal nicht leicht gehabt. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts nämlich hatten Musikanten auf dem Land einen eher zweifelhaften Ruf. „Sie galten als arbeitsscheu und waren selten sesshaft“, heißt es in der Chronik der Musikapelle Elbach. Vor allem die Pfarrherren hatten damit ihre liebe Not. Doch die Zeiten änderten sich – und heuer feiern die Elbacher das 170-jährige Bestehen ihrer Kapelle. Kaffl gehört mit 28 Jahren zur jungen Generation unter den insgesamt 30 Musikern.

Auch wenn die Eltern des Landwirts aus Hundham – anders als vermutlich vor 300 Jahren – nichts gegen einen Musiker in ihrer Familie einzuwenden hatten: Kaffl ist selbst zu den Blechblasinstrumenten gekommen. „Ich hab schon immer gerne Volksmusik gehört“, erzählt er. Im Alter von 13 Jahren hielt er zum ersten Mal eine Posaune in der Hand. In die Lehre ging er bei einem ausgewiesenen Experten. Der Musikmeister und Leiter der Elbacher Kapelle, Georg Hacklinger, brachte ihm das Spielen bei – und ließ seinen talentierten Schüler nicht mehr los. Mit 15 schnupperte Kaffl zum ersten Mal in eine Probe hinein, ein halbes Jahr später feierte er an Fronleichnam seine Konzertpremiere.

Chronik: „Sie erkannten die begabten Buben und förderten sie entsprechend“

Unzählige junge Leute aus Elbach und Umgebung haben in den vergangenen 170 Jahren diesen Weg beschritten. Die sieben ersten suchte sich der Elbacher Schullehrer Josef Auer 1846 aus den Reihen der Gebirgsschützenkompanie zusammen. Fortan schritt das kleine Musikkorps der Kompanie voran – die Elbacher Kapelle war geboren. Auch in den folgenden Jahrzehnten kümmerten sich die Lehrer, die aufgrund ihrer Aufgaben als Chorregenten allesamt gute Notenkenntnisse hatten, um den Nachwuchs. „Sie erkannten die begabten Buben und förderten sie entsprechend“, heißt es in der Chronik.

Lehrer sammelten Spenden für neue Instrumente

Das historische Bild zeigt die mitgliederstarke Kapelle bei der Fahnenweihe. Das Jahr ist unbekannt.

Weil sich nur die wenigsten eine eigene Trompete oder Posaune leisten konnten, sammelten Lehrer Wendelin Sellmayer und Ortmannbauer Andre Hehenleimer Spenden für neue Instrumente. Auch heute noch kann die Kapelle auf einen großen Fundus zurückgreifen, sagt Kaffl. „Wir haben eigentlich jedes Instrument vorrätig.“ So entschloss sich auch er dazu, zusätzlich zur Posaune noch das Bariton-Tenorhorn zu erlernen.

Einen ersten musikalischen Höhepunkt erlebte die Elbacher Kapelle 1875 mit ihrem Musikmeister Josef Reil. Seine Themen für Klarinette, Trompete und Posaune sind noch heute im Repertoire vieler oberbayerischer Kapellen.

Es gab auch dunkle Zeiten...

Doch es gab auch dunkle Zeiten. So ließen etliche Elbacher Musikanten im Ersten Weltkrieg ihr Leben, die Instrumente waren mangels Reparatur in einem schlechten Zustand. Ein weiteres Problem entstand, als Hauptlehrer Josef Brunnhuber die Orgel der Pfarrkirche um einen Halbton höher stimmen ließ. „Die notwendige Überholung und Umstimmung sämtlicher Blasinstrumente erforderte einen Geldaufwand, der aus eigener Kraft nicht zu leisten war“, ist in der Chronik zu lesen. In einem Brief bat Brunnhuber um Spenden – und wurde erhört.

Ein Aufschwung begann, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg fortsetzte. Musikreisen wurden möglich – was aber auch den Konkurrenzdruck durch andere Kapellen erhöhte. Ludwig Priller, der 1965 den Taktstock übernahm, führte die Elbacher straffer, verlegte den Probenraum von der Gaststube in den Saal des Kirchstiegl und verpasste der Kapelle ein neues Repertoire.

Hochzeiten, Beerdigungen, Feiertage - die Kapelle ist im Dauereinsatz

Das gefiel Klaus Greinsberger so gut, dass er ein paar seiner Freunde ebenfalls zum Musizieren überredete. Seit 52 Jahren spielt der Elbacher die Lyra (Glockenspiel) und das Zweite Tenorhorn. Nur mitmarschieren kann er wegen zweier künstlicher Hüften heute nicht mehr. Kein Problem, meint Greinsberger. „Wir haben einen großen Klangkörper, da werde ich nicht immer gebraucht.“ Dafür ist der 70-Jährige oft bei Hochzeiten oder Beerdigungen im Einsatz. Vor allem unter der Woche, wenn die Jüngeren keine Zeit haben.

Nicht nur altersmäßig ist die Musikkapelle Elbach breit aufgestellt, sondern auch beim Repertoire. Ob klassische Blasmusik in der Kirche oder moderne Stimmungslieder im Bierzelt oder Hofbräuhaus: Das Ensemble ist nicht nur im Leitzachtal gefragt. Höhepunkt ist immer das Frühjahrskonzert, auf das sich die Musiker ihrer wöchentlichen Probe intensiv vorbereiten. Kaffls Lieblingsstück ist – trotz seines jungen Alters – ein echter Klassiker: die Polka „Böhmischer Traum“.

Zum Jubiläumsfest

lädt die Musikkapelle Elbach für Donnerstag, 5. Mai, zu einem Konzertnachmittag in der Isenmann-Halle in Ahrain bei Hundham ein. Ab 12 Uhr spielen die Nachbarkapellen aus Bayrischzell und Fischbachau Märsche, Polkas, Walzer und weitere Stücke aus ihrem Repertoire. Ab 19 Uhr stehen die Musiker der Innsbrucker Böhmischen auf der Bühne. Karten zum Preis von acht Euro gibt’s ab 18 Uhr an der Abendkasse. Der zweite Teil des Jubiläumsfests steigt am Montag, 9. Mai, mit einem Kesselfleischessen ab 19 Uhr. Hier sorgen die Elbacher selbst für zünf

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