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Rolf Steinmann mit einer Szene aus seinem ausgezeichneten Werk "In Between" über Moschusochsen in ihrer eigenen Welt.

Und ein Interview mit dem Filmemacher: "Ich mag die Menschheit nicht besonders"

Atemberaubende Arktis-Doku von Fischbachauer: Hier in voller Länge

Fischbachau/Tegernsee – "In Between", die Doku von Rolf Steinmann (36), wird gerade vielfach ausgezeichnet. Hier gibt's den Film und der Naturfilmer erklärt, warum ihm Moschusochsen lieber sind als Menschen.

Er ist als Naturfilmer unterwegs in aller Welt, für BBC, arte, Discovery Channel. Beim Bergfilmfestival in Tegernsee erhielt der Fischbachauer Rolf Steinmann (36) für „In Between“ die "Lobende Erwähnung der Jury". Sie bezeichnete  Steinmanns Doku in Eigenregie über Moschusochsen als „poetisches Gemälde“. Ein stiller, extrem eindrucksvoller Aufruf zum Klimaschutz. Steinmanns Kurzfilm in Eigenregie erhielt bereits den Publikumspreis beim Greenscreen Festival in Eckernförde, Europas größtem Naturfilmfestival, Anfang der Woche kam ein Panda Award beim Wildscreen-Festival in Bristol, dem bedeutendsten Filmfest für Tierdokumentationen, dazu. Bei der Preisverleihung in Tegernsee konnte der renommierte Naturfilmer nicht dabei sein. Wir erreichten ihn auf der Fähre zwischen zwei Drehorten. 

Herr Steinmann, wo haben Sie die Nachricht über die Auszeichnung bekommen? 

Rolf Steinmann: In Skandinavien, wo ich diesen Herbst begonnen habe, an einem neuen, eigenen Projekt zu arbeiten. 

Hat sie einen besonderen Stellenwert, weil dieses Festival für Sie quasi um die Ecke ist? 

Rolf Steinmann: Selbstverständlich! Mein Beruf führt mich zwar in die entlegensten Ecken der Welt, aber vielleicht hänge ich gerade deswegen so an meiner oberbayerischen Heimat. Dementsprechend habe ich mich sehr über die News gefreut, dass mein Film im Nachbartal im Rahmen des Festivalprogramms gezeigt wird. Dort jetzt auch noch eine Urkunde verliehen zu bekommen, ist schon etwas ganz Besonderes. 

"In Between" - in voller Länge:

In Between from Rolf Steinmann on Vimeo.

Wie wird man ein Liebhaber von Moschusochsen? 

Rolf Steinmann: Seit meiner Jugend verspüre ich eine starke Sehnsucht nach den einsamen Weiten des Nordens, wo noch nicht jeden Zentimeter zubetoniert ist. Die arktische Tierwelt hat mich folglich früh in ihren Bann gezogen. Im Gegensatz zu anderen eiszeitlichen Tierarten wie Mammuts und Säbelzahntiger bevölkern Moschusochsen noch immer die Welt und in ihrer Gegenwart fühle ich mich immer in ein anderes Zeitalter versetzt. Nach dem Abitur bin ich sogar nach Grönland gereist, um Teil einer Moschusochsenherde zu werden. Leider werden die Tiere dort von den Inuit bejagt und sind folglich sehr scheu. Das Erlebnis mit diesen stoischen Wesen war trotzdem atemberaubend. 

Wie muss man sich den Dreh vorstellen? Sitzen Sie möglichst reglos im Schnee und warten, bis die Moschusochsen kommen? 

Rolf Steinmann: Mir ist es immer sehr wichtig, so intensiv wie möglich in die Welt meiner Protagonisten einzutauchen. Dafür braucht man viel Zeit. Die Hälfte der eineinhalb Monate Drehzeit konnte ich einer Gruppe von männlichen Moschusochsen folgen. Mit Zelt und Pulka bin ich mobil und konnte mich in deren näherer Umgebung aufhalten. Die Tiere wurden mir sehr vertraut und haben sich nach einiger Zeit nicht mehr gestört gefühlt. Ich halte aber aus Respekt immer Abstand. Deshalb sieht man in meinem Film auch keine Close-Ups. Ich habe mir die Drehzeit von sechs Wochen eingeräumt, da ich nach meiner Erfahrung etwa eine Woche für eine Sendeminute einplanen muss. 

Wo haben Sie gedreht? 

Rolf Steinmann: Mir geht es bei meinen eigenen Projekten darum, Menschen zum Fühlen und Denken anzuregen und nicht das nächste Urlaubsziel zu spendieren. Darum verrate ich meine Drehorte nicht. Tierfilme sind meiner Meinung nach viel zu sehr in den Reisewerbefilm abgedriftet, und nichts nervt mich mehr, als dass jetzt auch in den abgelegensten Regionen Leute ihren Müll liegen lassen und den Tieren auf die Pelle rücken. 

Wie weit lässt sich ein Tierfilm planen? 

Rolf Steinmann: Die Logistik lässt sich planen. Das Filmen nicht. Das ist jedoch auch das Faszinierende am Tierfilm. Für mich ist Mutter Natur die Künstlerin und der Mensch hinter der Kamera nur ein Handwerker, der im besten Falle zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, um die Kunst der Natur in Bildern festzuhalten. Wenn die Natur nicht will, kannst du so gut planen wie du willst und bekommst gar nichts. 

Szene aus dem ausgezeichneten Werk: „In Between“ zeigt Moschusochsen und ihre Welt aus Wind und Schnee.

Was fasziniert Sie so besonders an Winterdrehs? 

Rolf Steinmann: Das kann ich gar nicht so leicht beschreiben. Nichts ist so ästhetisch wie eine Winterlandschaft. Die Stille, das Monochrome. Die unendliche Vielfalt von Eis und Schnee. Mich fasziniert nichts mehr als Tierarten, die harte Winter überleben können ohne warme Hütte und Supermarkt um die Ecke. Darüber hinaus sind in abgelegenen Winterregionen Menschen oft selten. Ich mag die Menschheit einfach nicht besonders. 

Welches Projekt steht in diesem Jahr an? 

Rolf Steinmann: Ich reise in ein paar Tagen für einen Kinofilmdreh zwei Monate in die Antarktis.

Interview: Heidi Siefert

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