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Ein Geben und Nehmen: Ursula Masing (r.) macht es Spaß, Anna Buchner im Haushalt zu helfen. Den beiden Frauen tut die Nachbarschaftshilfe gut, jeder ihre Weise.

Spendenaktion „Leser helfen Lesern“: Wie zwei Frauen von der Nachbarschaftshilfe profitieren

Ursula (38) hilft Anna (78) - und Anna hilft Ursula auf ganz andere Weise

Hilflos kommt sich Anna Buchner (78) vor, als sie aus dem Krankenhaus entlassen wird. Nicht lange. Ursula Masing von der Nachbarschaftshilfe greift ihr unter die Arme. Ein Besuch bei der Rentnerin in Fischbachau zeigt: Die Hilfe tut beiden Frauen gut.

Fischbachau – Auf den Treppenstufen zur Wohnung von Anna Buchner (78) sitzt Ursula Masing. Die 38-Jährige schrubbt die Fliesen, lacht dabei und ist mit den Gedanken schon beim nächsten Punkt auf der To-Do-Liste: Holz holen für den Ofen. Ursula Masing kennt die Dame, deren Haushalt sie regelt, erst seit wenigen Monaten. Geld kriegt sie keines, sie macht das in ihrer Freizeit. Für sie ist das Nachbarschaftshilfe.

Waschen, putzen, einkaufen - für Ursula ist das Nachbarschaftshilfe

Waschen, putzen, einkaufen. All das kann Anna Buchner nicht mehr stemmen. Die Rentnerin aus Fischbachau lag monatelang im Krankenhaus. Verschiedene Operationen waren notwendig, unter anderem wurden ihr mehrere Zehen amputiert. Im Juni kam sie wieder nach Hause. „Ich habe mich wahnsinnig hilflos gefühlt“, erinnert sie sich. Seither radelt einmal in der Woche Ursula Masing (38) von der Nachbarschaftshilfe zu Anna Buchner und packt an, wo es nötig ist.

Verrückt: Anna und Ursula kennen sich von früher - beide hatten einen Stand beim Oktoberfest - nebeneinander

Was die beiden erst jetzt herausgefunden haben: sie kennen sich von früher. Beide hatten einen Stand auf dem Oktoberfest, direkt nebeneinander. Anna Buchner hat dort bis vor vier Jahren Süßwaren und Herzen verkauft. Ursula Masing hatte einen Feinkoststand. „Von dem Geld habe ich mir meine Reisen finanziert“, erzählt Anna Buchner. Ihre Töchter leben nämlich weit verstreut: München, Australien, Kanada.

Als Anna Buchner noch fit war, hat sie das ausgenutzt. Sechs Mal war sie in Australien. Jetzt ist sie schon froh, wenn sie einmal am Tag allein die Treppen aus dem ersten Stock nach unten kommt und anschließend wieder rauf. Für eine aktive Lebefrau, die sie bisher war, ist die Unbeweglichkeit nur schwer zu ertragen. „Ich wundere mich selbst, dass ich noch nicht durchgedreht bin“, sagt sie während Ursula Masing an ihr vorbei huscht, um die Wäsche aus dem Keller zu holen. Über ihren Mann, der vor zwei Jahren gestorben ist, hat Anna Buchner Kontakt zu Margarethe Mariutti, die Leiterin der Nachbarschaftshilfe, bekommen. Die hat ihr dann Ursula Masing vermittelt. „Ich brauche die Uschi“, sagt Anna Buchner und seufzt.

„Ich brauche die Uschi“

Die „Uschi“ macht das gern. Als ihre Mutter vor zwei Jahren gestorben ist, hatte sie das Gefühl, eine Lücke füllen zu müssen. „Wir geben uns gegenseitig etwas“, sagt sie. Mit ihrer 14-jährigen Tochter wohnt Ursula Masing mit dem Rad zehn Minuten entfernt. „Die Anna kann mich auch mitten in der Nacht anrufen“, sagt sie. Und sie meint das Ernst. Nur: Im Winter kann sie nicht mit dem Rad kommen, ein Auto hat sie nicht. „Ich werde dann immer den Bus zahlen müssen“, sagt sie. Die Nachbarschaftshilfe kann ihr den nicht bezahlen.

Nach dem Tod ihrer Mutter hat Ursula das Gefühl, eine Lücke füllen zu müssen

Schon als sie noch in München gewohnt hat, war sie bei der Nachbarschaftshilfe. Die Meeresbiologin wollte dann aufs Land ziehen, raus aus der Großstadt. Aber: „Hier gibt es für Meeresbiologen keinen Job.“ Deshalb arbeitet sie jetzt an einigen Tagen als Hausmeisterin und Mädchen für alles in der Kapelle Birkenstein. „Damit kommen wir über die Runden“, sagt sie. Und in ihrer Freizeit kümmert sie sich um Senioren wie Anna Buchner.

Ursula fällt es schwer, in der Dorfgemeinschaft Anschluss zu finden - zum Glück gibt‘s die Nachbarschaftshilfe

Auch die hat mal in München gewohnt. Nach der Ausbildung ist sie aus ihrem Heimatort Schliersee dorthin gezogen, vor vier Jahren kam sie zurück in den Landkreis. „Ich habe es ein bisschen bereut, dass ich aus der Stadt raus bin“, sagt sie nun. Es fällt ihr schwer, in der eingeschworenen Dorfgemeinschaft Anschluss zu finden. „Ich gehe gern auf andere Menschen zu“, sagt sie. „Aber es ist schwierig, wenn man erst später hierher zieht.“ Umso besser, dass es die Nachbarschaftshilfe gibt.

Ein zu mähender Rasen - drei Nachbarn helfen

Dafür gibt es zig Beispiele. Anna Buchner erinnert sich an einen Tag im Sommer, als sie im Garten mähen musste. Ursula Masing brachte ihren eigenen Nachbar mit, der hatte einen Rasenmäher. „Das Gras war aber so hoch, dass der nicht durchkam“, erzählt die Helferin. Also zog der Nachbar los, um wiederum einen anderen Nachbar zu holen. Mit einem größeren Rasenmäher. Der kümmerte sich dann um Anna Buchners Rasen, derweil hatten sich die beiden vorher noch nie gesehen.

Ob der Rasen oder das Einkaufen – Anna Buchner will nicht ewig unselbstständig sein. Schließlich hat sie noch was vor in ihrem Leben. „Ich will meine Tochter in Kanada besuchen“, erzählt sie. Da war sie nämlich noch nicht. Momentan ist aber schon der Ausflug ins Erzähl-Café Reise genug. Ursula Masing kommt diesmal mit. „Mal schauen, ob ich Senioren kennenlerne, denen ich helfen kann“, sagt sie und lacht. Sie lacht ständig. Ein fröhliches Lachen.

Die Nachbarschaftshilfe

in Fischbachau gehört zur Kolpingfamilie Leitzachtal und wird von Marion Mariutti geleitet. Sie ist erreichbar unter 0 80 28 / 26 49 poder per E-Mail an m.mariutti@gmx.de.

Alle Informationen und alle Geschichten zu unserer Hilfsaktion, auch wo Sie spenden können, finden Sie hier.

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