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Protest am Straßenrand: Mit diesem Plakat an der Schlierachstraße wehrt sich der neu gegründete Landschaftsschutzverein Hausham gegen die geplante Bebauung im Ortsteil Abwinkl. Die Herausnahme aus der Landschaftsschutzverordnung steht dennoch kurz bevor.

Haushamer Ortsteil Abwinkl

Ausschuss unterstützt Baupläne

Hausham - Gute Nachricht für Hausham und die Lebenshilfe: Der Umweltausschuss des Kreistags hat gestern die Herausnahme aus dem Landschaftsschutzgebiet einstimmig unterstützt. 

Wer etwas erreichen will, wird am besten selbst vorstellig. So nutzte Haushams Bürgermeister Jens Zangenfeind (FW) die gestrige Sitzung des Umweltausschusses des Kreistags, um persönlich für die Baupläne in seiner Gemeinde zu werben, während die Ausschussmitglieder über die Herausnahme der Fläche aus der Landschaftsschutzverordnung Egartenlandschaft zu befinden hatten. 

Auf den Teilflächen nördlich des Huberspitzwegs und an der Huberbergstraße sollen etwa 20 Wohnhäuser entstehen

Wie berichtet, soll die bislang landwirtschaftlich genutzte Fläche im Haushamer Ortsteil Abwinkl bebaut werden. Auf den Teilflächen nördlich des Huberspitzwegs – also gegenüber des Alpengasthofs Glück Auf – und an der Huberbergstraße sollen etwa 20 Wohnhäuser für rund 35 Familien entstehen. Überwiegend – das berichtete Zangenfeind dem Ausschuss – seien Doppelhäuser geplant. Die Nettobaufläche liege bei 15 000 Quadratmetern zuzüglich Erschließungsstraßen. Die Grundstücksgröße pro Familie liege bei etwa 350 bis 450 Quadratmetern. Die Wandhöhe soll 6,50 Meter betragen. „Es ist eine maßvolle Bebauung.“ Zumal wegen der Hanglage nur eine teilweise Bebauung vorgesehen ist. 

„Wir nehmen die Einwände ernst"

Für die Lebenshilfe und deren Neubau des Haus Bambi ist der Abschnitt unter der Hangkante östlich des Moosrainer Wegs vorgesehen. 8000 Quadratmeter sollen vornehmlich ebenerdig bebaut werden – behindertengerecht, wie es sich für eine heilpädagogische Tagesstätte gehört. Zangenfeind bestätigte zudem mit Blick auf den im September gegründeten Landschaftsschutzverein Hausham, dass man unter den Anwohnern „Ängste wahrgenommen“ habe. Vor allem die Verkehrszunahme und die Entwässerung seien neuralgische Punkte. „Wir nehmen die Einwände ernst“, versicherte der Bürgermeister. Die Belastungen würden nicht weniger, „aber das ist in den Griff zu bekommen“. 

Eichacker: Auf beiden Grundstücken ist organische Ortsentwicklung mit Blick auf den Naturschutz vertretbar

Für die Ausschussmitglieder waren diese Punkten aber nur Nebensache. Zentral ging es ja um den Landschaftsschutz, und hier hatte der zuständige Abteilungsleiter am Landratsamt, Thomas Eichacker, vor allem zwei Themen auf der Liste: einen mindestens fünf Meter großen Abstand der Lebenshilfe-Gebäude zum Fuß des Hanges sowie mindestens zehn Meter Abstand der Wohnbebauung zum Ufer der Schlierach. Generell stimmte der Jurist Zangenfeinds Einschätzung zu: Auf beiden Grundstücken sei organische Ortsentwicklung mit Blick auf den Naturschutz vertretbar. 

Dabei lobte Eichacker die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe, die umgehend ihre Planung über den Haufen geworfen habe, um den Fünf-Meter-Streifen wie gewünscht freizuräumen. Auch der „wertvolle Hangbereich“ bleibe frei von Bebauung. 

Beim „schönen Ufergrundstück“ machte sich Eichacker dafür stark, das Areal für die Bevölkerung zu erhalten: „Ein Park oder Spielplatz sind hier wünschenswert.“ Ein Vorschlag, dem die Gemeinde offen gegenübersteht, wie Zangenfeind bestätigte. 

Denn gerade dieser Uferstreifen ist der juristische Schwachpunkt bei der Herausnahme: Unterliegt er nicht mehr dem Landschaftsschutz, ist sein Erhalt rechtlich nicht mehr zu schützen – die Bindung der Gemeinde sei nur noch moralischer Natur. Wenn spätere Gemeinderäte dort bauen wollten, dürften sie das grundsätzlich. 

Die Gemeinde will freiwillig 20 Meter Breite freilassen

Der Bürgermeister verwies aber darauf, dass die Gemeinde freiwillig 20 Meter Breite frei lassen wolle. Außerdem mache die Hochwassergefahr eine Bebauung dort zu teuer. Dennoch regte Eichacker an, die Absichten und Hintergründe der Entscheidung im Beschluss zu hinterlegen – um später Klarheit zu haben. 

Um das neue Grundstück kaufen zu können, hat die Lebenshilfe das alte in Schliersee bereits verkauft

Die Ausschussmitglieder unterstützten die Herausnahme einstimmig. Vor allem die Arbeit der Lebenshilfe, von der behinderte Menschen aus dem gesamten Landkreis profitieren, gelte es zu unterstützen. Für Lebenshilfe-Geschäftsführerin Inga Kockerols eine gute Nachricht, denn die Zeit drängt. Um das neue Grundstück kaufen zu können, habe man das alte in Schliersee bereits verkauft. Über etwaige Zeitpläne wollte sie im Gremium allerdings keine Angaben machen.

ddy

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