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Der Blick von oben: Die blauen Flächen sollen aus dem Landschaftsschutzgebiet entnommen werden. Der Bereich an der Schlierach (1) bleibt unbebaut, auf den Grundstücken am Alpengasthof (2) und an der Huberbergstraße (4) sollen 20 Wohnhäuser entstehen. Der Abschnitt unter der Hangkante (3) ist für das neue Haus Bambi vorgesehen.

Herausnahme aus Landschaftsschutzgebiet beantragt

Nach Gerüchten: Bauvorhaben in Abwinkl vorgestellt

Hausham - Die Gerüchteküche kochte hoch in Hausham. Was hat die Gemeinde im Ortsteil Abwinkl tatsächlich vor? Jetzt stellte der Bürgermeister das Projekt erstmals öffentlich vor.

Eine Mauer des Schweigens umgab das Haushamer Rathaus in den vergangenen Monaten. Was Informationen zum geplanten Bauvorhaben im Ortsteil Abwinkl angeht, rannten die Anwohner gegen verschlossene Türen. Gerüchte von ominösen Investoren und mehrstöckigen Wohnblöcken machten die Runde. Seit Mittwochabend ist alles anders – zumindest, was die Informationspolitik angeht. Bürgermeister Jens Zangenfeind (FWG) stellte bei der Gemeinderatssitzung erstmals öffentlich den Projektstand vor. Entsprechend groß war das Interesse. Rund 40 Bürger drängten sich im Zuschauerbereich. „Leider haben wir nicht genug Sitzplätze“, sagte Zangenfeind. „Aber wir machen schnell.“

Das gilt auch für den Zeitplan. Schon im Oktober soll der Kreistag über die Herausnahme der gut 31 000 Quadratmeter großen Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet entscheiden. Den Antrag hat der Gemeinderat mit einer Gegenstimme auf den Weg gebracht. Sollte alles wie geplant laufen, könnte die Gemeinde im November das Grundstück kaufen. Zusammen mit der Lebenshilfe, die dort auf knapp 8000 Quadratmetern ihr neues Haus Bambi bauen möchte. Sollte das Vorhaben platzen, wäre ein Rückkauf des bereits veräußerten Gebäudes in Neuhaus nur bis Jahresende möglich. Deshalb auch der Zeitdruck. „Das hier ist die letzte Chance“, sagte Zangenfeind.

Gleiches gilt für die 70 Familien, die in Hausham einen Bauplatz suchen. Seit Jahren führt das Bauamt eine Warteliste. Anbieten konnte man den Bürgern bislang nichts, berichtete Zangenfeind. „Eine Verdichtung im Innenbereich ist in Hausham nicht mehr möglich.“ Mit Ausnahme der Flächen in Abwinkl, die die Gemeinde seit gut 20 Jahren im Auge hat. Die Verhandlungen scheiterten mehrfach. Heuer gelang der Durchbruch. Die Eigentümer sind laut Zangenfeind bereit, die drei Grundstücke abzugeben und ihre Landwirtschaft andernorts fortzuführen.

Nicht für alle Bereiche ist eine Bebauung geplant. Sowohl die 1900 Quadratmeter große Fläche an der Schlierach als auch der unmittelbare Hangbereich Richtung Huberspitz bleiben frei. Dafür sollen auf 5500 Quadratmetern am Huberspitzweg und 10 500 Quadratmetern an der Huberbergstraße insgesamt 20  zweigeschossige Einfamilien- und Doppelhäuser mit einer Wandhöhe von 6,50 Meter entstehen. Mit Grundstücksgrößen von 500 Quadratmetern je Einfamilienhaus und 350 bis 400 Quadratmetern je Doppelhaushälfte kann laut Zangenfeind von einer „zusammengepferchten Bebauung“ keine Rede sein. Reihenhäuser oder Wohnblöcke seien nicht gewünscht. „Wir wollen bezahlbaren Wohnraum für Einheimische schaffen“, sagte der Rathaus-Chef. Einen Bauträger gebe es noch nicht.

Auch die Lebenshilfe würde überwiegend eingeschossig und vor allem barrierefrei bauen. Zwischen 30 und 36 Menschen mit Behinderung sollen auf dem 7500 Quadratmeter großen Grundstück unterhalb der Hangkante ein neues Zuhause finden. Die Nähe zur Anton-Weilmaier-Schule wäre für sie eine große Erleichterung. Für die 40 bis 50 Mitarbeiter im Dreischichtbetrieb ist eine Tiefgarage geplant.

Die Zufahrt zu sämtlichen Grundstücken soll über den Huberspitzweg erfolgen. Dieser wird verbreitert – inklusive der Brücke über die Schlierach. Die von vielen Anwohnern befürchtete Anbindung über die Huberbergstraße wird laut Zangenfeind „baulich verschlossen“. Damit sinke auch der Anreiz, die Schlierachstraße zu befahren. Hauptverkehrsader wird die Naturfreundestraße, die allerdings sanierungsbedürftig ist und drei Engstellen aufweist. Ein Ingenieurbüro prüft eine mögliche Aufweitung. Laut dem Bürgermeister wird es aber weder ein Parkverbot, noch eine „Autobahn“ in der Einkaufsstraße geben.

Freie Bahn in die Schlierach könnte dagegen das Regenwasser haben. Das Wasserwirtschaftsamt hat einer Einleitung zugestimmt. „Die sind ja sonst eher restriktiv“, erklärte Zangenfeind. Mittels einer Drainage an der Hangkante werde das Wasser abgefangen und in einem Rückhaltebecken gesammelt. Die von manchen Anwohnern zur Wasserversorgung genutzten Quellen bleiben davon unangetastet.

Die Bürger verfolgten den Sachvortrag gespannt. Erst bei den Wortmeldungen der Gemeinderäte konnten sich einige nicht mehr zurückhalten. So erntete Zweiter Bürgermeister Josef Schaftari (CSU) ein ungläubiges Lachen, als er die Verkehrsproblematik in diesem Bereich als „überbewertet“ bezeichnete. Zudem sei die Fläche keine grüne Wiese im Außenbereich, eine Bebauung daher also möglich, sagte er. Etwas zurückhaltender äußerte sich Thomas Danzer (SPD). „Wir werden auf eine für alle verträgliche Planung achten“, sagte er. Die einzige Gegenstimme kam von Marlies Fellermeier-Liebl (FWG). „Ich bin dagegen, alles zuzubetonieren“, sagte sie. Die Zuhörer applaudierten lautstark.

Sie werden demnächst auch offiziell zu Wort kommen. Zangenfeind kündigte Bürgersprechstunden mit den Fachplanern an. „Wir wollen Ihre Bedenken nicht nur abhaken, sondern ernstnehmen“, versprach er. Das sei eben erst jetzt, nach Abschluss der Kaufverhandlungen möglich. So viel stehe aber fest: Weder die Gemeinde, noch ein „dubioser Bauträger“ würde sich an dem Projekt bereichern. „Es gibt keine böse Macht.“

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