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Eine Lebensader für die Innenstadt ist die Miesbacher Johannisbrücke in den Augen vieler Geschäftsleute. An einem Neubau samt mehrmonatiger Sperrung führt für Ingenieur Franz Ostler jedoch kein Weg vorbei.

Erneut Diskussion im Stadtrat

Brückensperrung: Ingenieur verteidigt sich

Miesbach - Es ist und bleibt ein Aufreger – zumindest im Stadtrat. Auf Antrag von Markus Baumgartner (CSU) hat das Gremium erneut über den Neubau der Johannisbrücke diskutiert.

Wenn sich in der Kreisstadt ein Ingenieur wie eine tibetanische Gebetsmühle vorkommt, kann es sich nur um ein Thema handeln: den Neubau der Miesbacher Johannisbrücke. So holte Planer Franz Ostler im Stadtrat tief Luft – und erklärte einmal mehr, warum es keine Alternative zur Großbaustelle über der Schlierach gibt.

Auf Antrag von Markus Baumgartner (CSU) war Ostler erneut in den Sitzungssaal gekommen. Wie berichtet, hatte sich der Inhaber von Betten Thoba am Bahnhofsplatz zuletzt massiv über die mit dem Brückenbau einhergehende Sperrung für den Autoverkehr beschwert. Er bezweifle nicht, dass die Brücke erneuert werden müsse, betonte Baumgartner. Was ihn ärgere, sei die Tatsache, dass es nicht nur beim Neubau 2017, sondern schon beim Aufstellen der Fußgängerbrücke samt Spartenverlegung von Juli bis Oktober dieses Jahres zu einer Straßensperrung kommt. Diese sei weder vom zuständigen Ingenieurbüro bei der Auftragsvergabe erwähnt, noch vom Stadtrat abgesegnet worden.

Das erzeuge Panik bei den Geschäftsleuten – aus gutem Grund: „Wir sind gebrannte Kinder“, sagte Baumgartner. Seit dem Abriss des Kaufhauses Sundheimer im Herbst 2012 habe er nahezu ununterbrochen eine Baustelle vor der Ladentür. „Das zarte Pflänzchen Innenstadt ist in Gefahr.“

Zumindest mit seiner Kritik an der Verlegung der Versorgungsleitungen an die Ersatzbrücke war Baumgartner nicht allein. Auch sein Fraktionskollege Alfred Mittermaier hakte nach, ob man die Sparten nicht auch an ein Tragegerüst hängen könne. Das habe er bei vielen anderen Baustellen so beobachtet.

Der Ingenieur winkte ab. Er habe genau das versucht, doch die Versorgungsunternehmen machten nicht mit. Mit Wasserwerk, Energie Südbayern (ESB) und Eon habe man zumindest noch normal reden können. Anders die Telekommunikationsanbieter. So habe die Telekom zuerst ihre Bereitschaft signalisiert, im Januar aber plötzlich einen Rückzieher gemacht. „Und von Kabel Deutschland ist nicht mal jemand rausgekommen.“ Ostlers Fazit: „Die Sparten haben Sie einfach nicht im Griff.“

Walter Fraunhofer (SPD), hauptberuflich bei ESB, machte ebenfalls wenig Hoffnung auf eine andere Lösung. Die Johannisbrücke sei ein Versorgungsknotenpunkt. „Das Aufhängen von Gas und Strom ist zu gefährlich“, erklärte er. Ferner machte er sich für eine Vollsperrung stark. Wenn die Baufirma nicht auf den Verkehr aufpassen müsse, seien die Arbeiten schneller abgeschlossen.

Auch Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) hielt – im Gegensatz zu einigen ihrer Fraktionskollegen – einen Wechsel aus Sperrung und einspuriger Befahrbarkeit nicht für sinnvoll. „Das sorgt nur für Verwirrung.“ Ähnlicher Meinung ist laut Ostler die Verkehrsbehörde am Landratsamt. Nicht zuletzt wegen der möglichen Staus bei einer Ampelschaltung. Dirk Thelemann (CSU) wollte das nicht einsehen. Klar sei es für die Baufirma angenehmer, ohne Verkehr zu arbeiten. Das dürfe aber für die Stadt kein Kriterium sein. „Wir entscheiden hier, nicht das Landratsamt“, sagte er.

Baumgartner regte zudem an, beim Neubau der Brücke auf Fertigbetonteile zu setzen. Auch dieser Idee erteilte der Experte eine Absage. Die Brücke sei verzogen, weil sie bergauf führe, außerdem sei die Spannweite zu groß. „Das wäre unwirtschaftlich, und man bräuchte einen Riesenkran“, sagte er. Mit dem Bahnübergang im Rücken sei das nicht zu schaffen.

Sichtlich mitgenommen stellte Ostler am Ende der Fragestunde fest: „Zaubern kann ich halt leider noch nicht.“ Rückendeckung erhielt er nicht nur von der Bürgermeisterin, sondern auch von SPD und Freien Wählern. „Mein Vertrauen haben Sie“, sagte Fraunhofer und erntete zustimmendes Klopfen auf den Ratstisch. Und Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FWG) war mit seinem Wunsch am Ende sicher nicht allein: „Ich bitte inständigst um eine Beendigung der Diskussion.“

Das Baustellenkonzept

samt Sperrzeiten und Umleitungsstrecke, das Markus Baumgartner mit seinem Antrag ebenfalls eingefordert hatte, wird die Stadt laut Bürgermeisterin Ingrid Pongratz nach erfolgter Submission in enger Abstimmung mit der Baufirma und den Geschäftsleuten ausarbeiten und dann zeitnah der Öffentlichkeit bekanntgeben.

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