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Der neue Kurs besteht aus 16 Schülern. Acht von ihnen sind Flüchtlinge und stammen unter anderem aus Somalia, Syrien oder Afghanistan. Die Pflegefachhilfe-Ausbildung (Krankenpflege) eröffnet ihnen gute Chancen, sich in Deutschland ein Leben aufzubauen. Davon ist insbesondere Schulleiterin Carmen Zieher (r.) überzeugt. Auch Landrat Wolfgang Rzehak (hinten r.) machte sich bei einer Feierstunde ein Bild von dem besonderen Kurs mit Modellcharakter.

Projekt am Klinikum Agatharied

Aus Flüchtlingen werden Azubis

Hausham - Ein Projekt mit Modellcharakter hat jüngst im Klinikum Agatharied begonnen. Erstmals werden dort acht Flüchtlinge eine einjährige Pflegefachhilfe-Ausbildung absolvieren.

Sie stammen aus Syrien, Afghanistan, Somalia, Mali und Eritrea. In ihren Heimatländern sahen sie keine Perspektive mehr, weshalb sie sich auf den Weg in ein neues Leben machten. Seit einigen Jahren nun leben sie in Deutschland, haben die Schulbank gedrückt, sich durch die deutsche Sprache gekämpft und einen Mittelschulabschluss erworben. Und im kommenden Jahr werden acht junge Flüchtlinge im Alter zwischen 16 und 25 Jahren weiterhin ordentlich büffeln müssen. Doch am Ende ihrer Bemühungen könnten ihnen sämtliche Türen offen stehen. Die zwei Frauen und sechs Männer absolvieren zusammen mit weiteren acht Auszubildenden den Kurs zum Pflegefachhelfer (Krankenpflege) am Agatharieder Klinikum.

600 Stunden Theorie, 1000 Stunden Praxis

Dass es sich dabei um eine durchaus anspruchsvolle Qualifikation handelt, weiß Carmen Zieher, die die Berufsfachschule für Krankenpflege am Krankenhaus Agatharied leitet. Gerne, und das bedauert die Gesundheits- und Pflegepädagogin, werde diese Ausbildung von Teilen der Bevölkerung abgewertet. „Viele denken, Pflege kann jeder.“ Dass dem aber ganz und gar nicht so ist, verrät ein Blick in den Lehrplan. Der sieht mindestens 600 Stunden Theorie in Fächern wie Deutsch und Kommunikation, Sozial-, Rechts- und Berufskunde sowie Pflege und Betreuung vor. Hinzu kommt der praktische Teil, der 1000 Stunden umfasst, davon 120 Stunden speziell in der Altenpflege. „Das ist schon wesentlich mehr, als nur Essen zu reichen“, sagt die 45-jährige Schulleiterin.

Nach einem Jahr Theorie- und Praxisphasen haben die Absolventen, so sie den Anforderungen gewachsen sind, die Möglichkeit, einen sogenannten assistierenden Beruf auszuüben. Was das im Detail bedeutet? „Ein Pflegefachhelfer gibt etwa Hilfestellung bei der Körperpflege, bei der Mobilisation oder beim Toilettengang von kranken Menschen. Alles in Absprache mit der Fachkraft.“

An der Motivation jedenfalls mangelt es den angehenden Pflegefachhelfern keinesfalls. Zieher: „Mein Eindruck ist, dass sie allesamt sehr zielstrebig und sehr motiviert sind. Sie können kaum erwarten, dass es endlich losgeht, und fragen ständig nach den Büchern“, sagt die Münchnerin, die sich freut, bald aus der Landeshauptstadt in den Landkreis zu ziehen. Sie ist überzeugt, dass dieses Angebot in die richtige Richtung geht. „Das tut unserer Gesellschaft gut.“

Die meisten der acht Flüchtlinge, die den Kurs absolvieren, sind Muslime. Vorbehalte gibt es deshalb aber keine. Die Azubis, sagt Zieher, wüssten ziemlich genau, worauf sie sich einlassen. Viele hätten bereits Praktika im Haus abgeleistet. „Außerdem wurde im Vorfeld abgeklärt, ob beispielsweise gegengeschlechtliche Pflege aus religiösen Gründen ein Problem sein könnte“, sagt die Pflegepädagogin.

Mit der Ausbildung in der Tasche stehen den Flüchtlingen viele Wege offen

Der bürokratische Aufwand, eine solche Ausbildung auch für Flüchtlinge zu öffnen, sei indes recht hoch. Arbeitserlaubnis, Papiere, Nachweise über Sprachkenntnisse. Das alles sei nicht zu unterschätzen. Dennoch, Zieher findet, dass sich die Mühe lohnt. „Diesen jungen Leuten, die teils wirklich schlimme Biografien haben, stehen danach alle Wege offen. Sie können etwa eine dreijährige Ausbildung nachschieben. Das ist schon ein gutes Sprungbrett.“ Dem oft beschworenen Fachkräftemangel könne man auf diese Weise aber nicht beikommen. Zieher: „Der Aufwand steht einfach nicht im Verhältnis.“ Das Ziel sei aber auch ein völlig anderes. Es gehe darum, Flüchtlingen eine Chance zu geben. Als größter Arbeitgeber in der Region sei man verpflichtet, dazu einen Beitrag zu leisten.

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