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Der Haushamer Imker Manfred Kick (77) stellt die Bienen mit Rauch ruhig. 

Serie: Das Imkerjahr (1)

Der Kampf um die Thronfolge

Hausham/Feldkirchen - Honig ist mögen viele. Aber wie kommt die klebrige Masse eigentlich ins Glas? Wir begleiten Imker Manfred Kick durch das Jahr. Nach dem Winter sucht er nach Weiselzellen.

Mit ruhigem Finger zeigt Manfred Kick auf einen wimmelnden Haufen Bienen. „Da ist die Königin“, sagt der Haushamer. Seine Frau Waltraud lacht. „Ich brauche immer eine Weile, bis ich sie erkenne“, erzählt sie. Doch ihr Mann hat einen geschulten Blick. Seit 60 Jahren hat er Bienen, er kennt sich aus. Nun beginnt für ihn ein neues Imkerjahr. Eine der ersten Arbeiten, die er dabei zu erledigen hat: Weiselzellen suchen.

Es schwirrt und summt in dem Bienenhaus, das bereits seit 1935 neben einem abgelegenen Bauernhaus bei Feldkirchen (Kreis Rosenheim) steht. Kick ist Imker der Solidargemeinschaft Oberland und hat mit 17 Jahren seine ersten Bienen bekommen. Sein Vater hatte welche, und sein Sohn ist auch in diese Fußstapfen getreten. Einen Schutzanzug trägt der 77-Jährige nicht, wenn er seine Völker untersucht. Er beruhigt die Bienen aber trotzdem, um nicht gestochen zu werden.

Erster Schritt: Bienen einräuchern

Das macht der Haushamer mit Rauch. Dazu zündet er in einem kleinen Behälter Thymian oder Rosmarin an. „Hauptsache, es raucht ordentlich“, erklärt er. Als er noch fitter war, habe er das mit einer Zigarre gemacht, erzählt seine Frau. Sind die Bienen eingeräuchert, ist deutlich weniger Bewegung in den Kästen zu sehen. Rauch signalisiert den Insekten Gefahr, und sie wollen fliehen. „Die Bienen stürzen sich dann auf die Vorräte und saugen sich voll“, erklärt der Imker.

Das ist sozusagen ein Eigentor. Denn sind die Bienen erst einmal richtig voll mit Nektar, werden sie träge und können nicht mehr stechen. Dann kann der Imker in Ruhe seine Arbeit machen. Oft hilft auch schon, wenn man einfach keine Angst hat. „Es ist wichtig, selbst ruhig zu sein“, erzählt Kick. Bienen riechen es – ähnlich wie Hunde –, wenn der Mensch ängstlich ist. Dann greifen sie eher an.

Wenn die Bienen beruhigt sind sucht der Imker Weiselzellen

Kick kann nun die einzelnen Rahmen mit den Bienenwaben herausnehmen – mit bloßen Händen. Die Bienen wuseln darauf herum, fliegen jedoch nicht weg. Es brummt. Der Imker dreht und wendet den Holzrahmen und sieht ganz genau hin. Die Weiselzelle ist größer als andere Zellen. Das Ei, das die Königin dort hineinlegt, ist sozusagen die Bienenprinzessin.

Von den Arbeiterbienen wird diese Larve nur mit speziellem Saft, dem sogenannten Gelée Royale, gefüttert. Dies ist ein Gemisch aus den Sekreten der Futtersaftdrüse und der Oberkieferdrüse der Arbeiterinnen. Damit wird aus der Larve eine neue Königin. „Für mich ist eine Weiselzelle ein Alarmsignal“, erklärt Kick. Denn Bienenköniginnen mögen keine Konkurrenz. Schlüpft eine junge Nachfolgerin, nimmt die alte Königin samt den anderen Bienen Reißaus. Immer wieder passiert das. Meistens ruft der Bauer im Haus nebenan dann bei den Kicks an, damit die ihren Schwarm wieder einfangen. Erst letztens saß einer an einem Baum neben dem Bienenhaus.

Damit die Königin nicht wegfliegt, werden Völker abgetrennt

Damit genau das nicht passiert, muss Kick rechtzeitig aktiv werden. „Wenn ich Weiselzellen finde, suche ich nach der alten Königin“, erzählt der Imker, während er die Bienen zur Sicherheit noch einmal einräuchert. In einer Kiste mit einem verhältnismäßig großen Bienenvolk ist das der Fall. Er schnappt den Rahmen mit den Waben, auf denen die Königin sitzt. Anführerin und Gefolgsleute steckt er in eine leere Bienenkiste und füllt diese mit leeren Waben auf.

Nun kann das alte Volk weiterbestehen, die verbleibenden Bienen werden bald von der neuen Königin regiert. Doch oft gibt es mehr als nur eine Weiselzelle. „Die stärkste neue Königin tötet nach dem Schlüpfen gleich alle anderen Königinnen“, sagt der Imker. Wenn dann eine Thronfolgerin feststeht, fliegt die zum Hochzeitstanz nach draußen und lässt sich von den Drohnen, den männlichen Bienen, begatten.

Kick züchtet aus den Weiselzellen neue Königinnen

Damit die anderen potenziellen Königinnen nicht getötet werden, gibt es die Möglichkeit der Zucht. Kick hat dafür künstliche Weiselzellen. Wenn er in einem Volk also eine Weiselzelle mit Larve findet, nimmt er diese heraus und packt sie in eine der künstlichen Zellen. „Die Larve kommt dann in ein brutfreies Volk“, erklärt der Haushamer. Dort kann die neue Königin heranwachsen.

Kick züchtet nur zum Eigenbedarf. Im Moment hat er rund 20 Kisten mit größeren Völkern und etwa zehn kleinere, die gerade heranwachsen. Jetzt im Mai sind es 30 000 bis 40 000 Bienen in einem Volk“, erzählt er. Bis zu 50 000 Mitglieder kann ein Bienenvolk in etwa haben. Kicks Bestand steigt aber nicht ständig an – Winterverluste bis zu zehn Prozent seien normal. „Ich liege aber weit drunter.“

Die Prüfung auf Weiselzellen macht Kick übrigens nicht bei all seinen Völkern. „Ich kontrolliere nur die stärksten“, sagt er. Das allein nimmt schon viel Zeit in Anspruch. Außerdem muss er sich genau überlegen, wann er sich auf die Suche begibt. Denn das ist auch vom Wetter abhängig. „Wenn ein Gewitter kommt, sind die Bienen grantig“, erzählt er. Dann werden sie angriffslustig.

Bis der Honig ins Glas kommt, dauert das eine ganze Weile. Vor allem muss sich der Imker gut auskennen, sonst steht er am Ende ohne Bienen da. Die wichtigsten Fachbegriffe haben wir in unserem Imker-ABC zusammengefasst. Teil eins startet mit den Buchstaben A bis F.

Bilder vom Suchen der Weiselzellen

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