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Das Krankenhaus Agatharied wird ab Januar über eine Hauptabteilung Unfallchirurgie und Orthopädie verfügen. Sie wird von zwei gleichrangigen Chefärzten geleitet.

Unfallchirurgie und Orthopädie

Agatharied: Zwei Chefärzte leiten neue Super-Abteilung

Agatharied - Bislang waren die Bereiche komplett getrennt. Jetzt gehen Unfallchirurgie und Orthopädie am Krankenhaus Agatharied in einer neuen Hauptabteilung auf - und es gibt einen neuen Chefarzt.

Es ließe sich vermuten, die Entscheidung ginge an seine Ehre und könnte ihn um Einfluss bangen lassen. Das Gegenteil ist der Fall: Als „zukunftsweisenden Schritt“ bezeichnet Professor Ulrich Brunner, seit 1999 Chefarzt der Unfall-, Schulter- und Handchirurgie am Krankenhaus Agatharied, die Entscheidung, seine Abteilung mit der Orthopädie zu einer neuen Hauptabteilung mit zwei gleichrangigen Chefärzten zusammenzuführen. „Das wird uns alle ein großes Stück nach vorne bringen und ganz neue Perspektiven eröffnen“, sagt der 61-Jährige.

Möglich wird die Umstrukturierung, die zum 1. Januar kommenden Jahres greift, mit dem Wegfall der Belegabteilung für Orthopädie. Ende Juli ist der Vertrag mit der Praxis Bischoff/Schweier aus Feldkirchen-Westerham ausgelaufen. „Es gab ganz kurz die theoretische Überlegung, auf die Orthopädie ganz zu verzichten, aber das war nie wirklich eine Option“, berichtet Krankenhaus-Geschäftsführer Michael Kelbel. Stattdessen haben sich er und Brunner Gedanken gemacht, wie eine neue Hauptabteilung Unfallchirurgie und Orthopädie aussehen könnte. „Bislang haben beide Abteilungen nebeneinanderher gelebt“, sagt Kelbel. „Das wollen wir besser machen und damit nicht nur die medizinische Versorgung, sondern auch die ärztliche Ausbildung voranbringen.“

Eine Trennung macht nach den Worten Brunners ohnehin wenig Sinn. Im Gegensatz zu anderen Ländern hätten Chirurgie und Orthopädie in Deutschland in der Vergangenheit allerdings eine völlig eigenständige Entwicklung genommen. Das hat sich 2004 geändert. Seither gibt es die gemeinsame Ausbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, erst später folgt die Spezialisierung. Diese beiden Bereiche unter einem Dach zu bündeln, sei „der einzige Weg im Sinne einer optimalen Medizin“, sagt Brunner. „Zwei Abteilungen, die wirtschaftlich konkurrieren, sind für eine Klinik in keiner Weise interessant und schaden sich selbst.“

Mit Start der neuen Hauptabteilung erweitert sich auch das Behandlungsspektrum. So ist beispielsweise ein steigender Bedarf an sogenannten Wechsel-OPs zu beobachten, also der Austausch abgenutzter künstlicher Gelenke. „Das kann unser neuer Chefarzt besonders gut“, freut sich Kelbel. Der 43-jährige Andre Friedrich Steinert wechselt von der Orthopädischen Klinik Würzburg nach Agatharied und will sich in Kürze persönlich im Landkreis vorstellen. Derweil läuft in Agatharied bereits die Zertifizierung zum Endoprothesenzentrum.

Wichtig sind der Klinik mit der Umstrukturierung zwei Dinge: Das medizinische Angebot soll für alle Patienten offen sein. Und sie strebt eine Verflechtung mit den Praxen und Einrichtungen in der Region an, um die komplette Versorgungskette darstellen zu können. Auch Patientenstudien seien geplant. Kelbel: „Ein echter Quantensprung.“

sh

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