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Der Chef Marinus Reisberger, Vorsitzender des MCC Hausham, beim Training auf der Motocross-Strecke am Brenten in Hausham.

Regierung hat's in der Hand: Vom verbotenen Land zum Korridor ins Paradies?

Schicksal des Motocross am Brenten hängt an einem Zaun

Hausham – Viel Gras ist über die Mülldeponie am Brenten gewachsen. Als sicheres Terrain gilt sie nicht. Das bedroht die Motocrosser des MCC Hausham. Doch es gibt Hoffnung.

Der Weg ins Paradies führt durch verbotenes Land. Ein unscheinbares Metalltor trennt das VIVO-Gelände am Brenten in Hausham vom Rest der Welt – und damit auch vom Gelände des MCC Hausham. Seit der Vereinsgründung durch Werner und Traudl Weigl vor 33 Jahren trainieren die Motocross-Fahrer auf ihrer Bahn im Wald – immer mittwochs, freitags und samstags. „Das da hinten ist mein zweites Wohnzimmer“, sagt der Vorsitzende Marinus Reisberger. Auch sein fünfjähriger Sohn knattert am Brenten über Wurzeln und Steine. Weit weg vom Straßenverkehr. „Ein Traum“, sagt Reisberger. Und doch hat der Vorsitzende ein mulmiges Gefühl, wenn er das Tor aufsperrt, damit seine Fahrer das VIVO-Gelände durchqueren können. Reisberger weiß: „Wir werden nur geduldet.“

Die Regierung sitzt ihm im Nacken

Rüdiger Storp, Betriebsleiter des Wertstoffhofs mit Kompostieranlage des Kommunalunternehmens, kennt dieses Gefühl nur zu gut. Seit Jahren schleppt er die Altlasten der ehemaligen Mülldeponie mit sich herum. Die Motocrosser stören ihn nicht – im Gegenteil: „Ich fahre selbst Motorrad.“ Doch die Regierung von Oberbayern sitzt ihm im Nacken. In den Augen der Behörde ist die Anlage am Brenten ein „technisches Bauwerk“. Und dafür gibt es nur eine Regel: „Betreten für Unbefugte verboten.“

VIVO will Schluss machen am Brenten

Von 1970 bis 2005 wurde am Brenten Abfall abgeladen. Die Flächen A und B sind bereits endabgedeckt. Den dritten Bereich hat die VIVO aktuell im Visier. Dafür muss das Unternehmen die Leitungen für die Gase des verrottenden Mülls zurückbauen und die Deponie anschließend mit mehreren Bodenschichten aus „mineralischen und mechanischen Komponenten“ abdecken, wie Storp erklärt. Damit wäre ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Renaturierung des Brenten geschafft. Den Motocrossern hilft das aber noch nicht.

Wenn Zaun nicht genehmigt wird: bis zu 100.000 Euro Strafe

Für sie hat die VIVO eine andere Lösung im Auge. Ein zusätzlicher, etwa ein Kilometer langer Zaun soll die Straße von der Anlage abgrenzen und dem Verein damit eine sichere Zufahrt zu ihrem Trainingsgelände ermöglichen. Der Antrag für das Bauwerk wird laut Storp gerade von der Regierung von Oberbayern geprüft. Wie lange das noch dauert, kann der Betriebsleiter nicht abschätzen. Ebenso wenig, ob die VIVO am Ende grünes Licht bekommt. Eines steht jedoch fest: „Wenn der Zaun nicht genehmigt wird, haben wir ein Problem.“ Sollte das Kommunalunternehmen dann trotzdem dritten Personen Zugang zur Deponie gewähren, wird es teuer. Bußgelder von bis zu 100 000 Euro seien möglich.

Solange die Situation mit den Motocrossern nicht in „gerade Bahnen“ gelenkt ist, kann die VIVO laut Storp keine anderen Vorhaben zulassen, die auf Flächen der Altdeponie angewiesen sind. Auch den Schützen des Bogensportclubs Oberland, die am Brenten einen Parcours planen, bleibt damit nur das gespannte Warten auf den Ausgang des Genehmigungsverfahrens.

Bürgermeister: „Der Brenten hat Potenzial“

Egal ob Motocross oder Bogenschießen: Haushams Bürgermeister Jens Zangenfeind begrüßt die Wiederbelebung des brach liegenden Geländes. „Der Brenten hat Potenzial“, sagt er. So kann sich der Rathaus-Chef dort zum Beispiel einen Solarpark vorstellen. „Die Hanglage ist perfekt“, sagt er. Zudem sei der betreffende Bereich von außen kaum einsehbar. Optisch gestört fühlen dürfte sich von den glänzenden Sonnenkollektoren damit kaum jemand.

Für die Zukunft nur ein Wunsch: „Dass wir endlich eine Perspektive haben.“

Ungestört sind auch die 320 Mitglieder des MCC Hausham in ihrem Revier. Entsprechend dankbar ist Reisberger der VIVO und der Gemeinde. Für die Zukunft wünscht er sich vor allem eines: „Dass wir endlich eine Perspektive haben.“ Einen Alternativstandort zum Brenten sieht der Vorsitzende nicht. Wegen der strengen Umweltauflagen hätte der MCC nirgends eine Chance. Eine furchtbare Vorstellung für Reisberger: „Da würde eine Welt zusammenbrechen.“ Umso mehr hofft er auf eine Genehmigung des Zauns.

Auch, weil eine sichere Zufahrt zur Strecke für den MCC einen Weg aus der Isolation bedeuten würde. „Früher haben wir alle zwei Jahre ein Rennen mit Fahrern aus ganz Bayern ausgerichtet“, erinnert sich Reisberger. Heute ist ihm das zu gefährlich. Erst wenn der Zaun da ist, kann er sich wieder eine größere Veranstaltung am Brenten vorstellen. Dann wäre der Korridor ins Paradies geschaffen.

sg

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