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Der nächste Schritt in Richtung Spitzengruppe: (v. l.) Professor Hans Martin Schardey, Chefarzt der Chirurgie, Dr. Susanne Rogers sowie Dr. Stefan Schweyer freuen sich, künftig die Schnellschnitt-Diagnose anbieten zu können.

„Ein gewisses Alleinstellungsmerkmal für Agatharied“

Krebs-Vorsorge: Kreiskrankenhaus führt neue Technologie ein

Agatharied – Zeit spielt bei der Diagnose von Krebs immer eine entscheidende Rolle. Die Schnellschnitt-Untersuchung von Gewebeproben spart wertvolle Minuten.

In den vergangenen Jahren wurde die Tumorkonferenz eingeführt, in der Spezialisten einmal wöchentlich die Befunde der Krebspatienten besprechen und die Art der Behandlung festlegen. Zudem wurde ein neuer Strahlenbunker in Betrieb genommen.

Nun folgt ein weiterer Schritt bei der Weiterentwicklung des Tumorzentrums der Klinik. Seit Montag kann hier eine Schnellschnitt-Diagnose bei Tumoren durchgeführt werden. „Ein gewisses Alleinstellungsmerkmal für Agatharied“, freut sich Oberärztin Susanne Rogers über die Neuerung. In der Region biete lediglich das Klinikum Rosenheim diese Leistung an, in ganz Deutschland seien es 20 Prozent aller Krankenhäuser.

Zum Hintergrund: Bisher wurden die Gewebeproben, die klären sollen, ob der Tumor eines Patienten gut- oder bösartig ist, zu einem externen Pathologen zur Untersuchung geschickt. Auf das Ergebnis mussten die Operateure dann bis zu eineinhalb Stunden warten. Die neue Form der Diagnose verkürzt diese Wartezeit immens. 

Denn: „Der Schnellschnitt kann während der laufenden Operation durchgeführt werden“, informiert Rogers. „Das Ergebnis haben wir dann schon nach zehn bis fünfzehn Minuten.“ Eine signifikante und wertvolle Zeitersparnis. Bei manchen Operationen, etwa an der Schilddrüse, könne man nicht einfach 90 Minuten warten. Der Erkrankte müsse wieder zugenäht werden und sich später einer weiteren Operation unterziehen. „Für den Patienten ist das eine enorme Erleichterung, weil er schneller Gewissheit hat“, sagt die in Agatharied aufgewachsene Tumor-Chirurgin, die sich freut, seit rund drei Jahren wieder in ihrer Heimat arbeiten zu können. 

Noch bevor eine Operation beendet sei, könnten die Ärzte dank dieses Verfahrens feststellen, ob wirklich alle Tumoranteile komplett entfernt wurden. Das sei insbesondere bei Patienten mit Brust- oder Gebärmutterkrebs sowie bei Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse, der Leber, des Magens und des Dickdarms wichtig. Allgemein, sagt Rogers, verbessere sich die Prognose der Patienten entscheidend. 

Die Trefferquote der Schnellschnittuntersuchungen sei nämlich erfreulich hoch. Eine Ausnahme bilde unter anderem Leukämie (Blutkrebs), die schlicht zu komplex sei. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist wirtschaftlicher Natur, kürzere Operationszeiten bedeuten nämlich auch geringere Kosten. Rogers: „Eine OP-Minute kostet immerhin 33 Euro.“

Schätzungsweise fünf bis sechs solcher Schnellschnitt-Untersuchungen werden in der Klinik künftig an einem Tag in der Woche durchgeführt. Hierzu kommt ein Facharzt für Pathologie aus Starnberg ins Labor des Krankenhauses, fertigt nach der Gewebeentnahme Gefrierstücke an, färbt diese sogenannten Schnittpräparate ein und untersucht sie unterm Mikroskop. Der Befund wird anschießend telefonisch in den Operationssaal durchgegeben. Der operierende Arzt kann dann schnell entscheiden, wie groß der erforderliche Eingriff tatsächlich sein muss, die OP muss nicht unterbrochen werden.

Statistisch gesehen erkrankt jeder zweite Mensch im Laufe seines Lebens einmal an Krebs. Angst vor Tumorerkrankungen, sagt Dr. Rogers, solle man aber keine haben. Die Heilungschancen würden sich nämlich stetig verbessern. „Gedanken sollte man sich aber durchaus machen,“ mahnt Rogers. Nicht zuletzt deshalb, weil die Krankheit heute immer häufiger auch in jungen Jahren auftrete. Was rät die Spezialistin also? „Gesund ernähren, Sport, aber kein Leistungssport, das Rauchen nach Möglichkeit sein lassen und regelmäßig zur Vorsorge gehen. Besonders hinsichtlich Darmkrebs.“

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