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Tätowierer Quietschi legt los - unsere Volontärin Nina Probst wagt den Selbstversuch.

Unsere Volontärin Nina Probst will etwas für die Ewigkeit

Selbstversuch mit Video: Ich lasse mir ein Tattoo stechen

Hausham – Sie liegen wieder voll im Trend, die Muster für die Ewigkeit. Unsere Volontärin Nina Probst hat sich von Quietschi ihr Lebensmotto aufs Handgelenk stechen lassen.

Die Tätowiermaschine beginnt zu brummen. Als sich die Nadel meinem Arm nähert, sagt Quietschi, der Tätowierer: „Atme normal.“ Erst jetzt wird mir bewusst, dass ich die Luft angehalten hatte. Bei größeren Motiven sei der ein oder andere schon mal umgekippt, sagt der bärtige Mann mit der Nadel neben mir. Vielen Dank auch für diese Info.

Ein Tattoo muss für mich etwas Persönliches sein

Obwohl es nicht mein erstes Tattoo ist, bin ich lange noch kein alter Hase in dieser Branche. Das Vorhaben, mich ein drittes Mal tätowieren zu lassen – eines habe ich noch auf dem Schulterblatt, ein anderes am Fußknöchel –, habe ich mir gut und lange überlegt. Ein Tattoo muss für mich etwas Persönliches sein. Als gebürtige Augsburgerin verbringe ich während des Volontariats im Landkreis Miesbach einen ganz besonderen Lebensabschnitt. Mich hier tätowieren zu lassen, hat eine Bedeutung. Genau wie der Spruch um das Handgelenk, den ich mir ausgesucht habe. Er ist auf spanisch und stammt von einer Reise in Kolumbien. Ein Lebensmotto, wenn man es so nennen will.

Quietschi (50), Vollbart, Nasenring und überall Tattoos

Quietschi (50), Vollbart, Nasenring und überall Tattoos – sogar auf dem Kopf – tätowiert in Hausham im Studio „White Line“. Er wurde mir empfohlen. Ob er sich bei jedem einzelnen seiner Tattoos so viele Gedanken gemacht hat wie ich jetzt? Wahrscheinlich nicht. Als Tätowierer ist das wohl anders. Da probiert man aus, ist selbst ein lebendes Kunstwerk. Und Künstler.

Der ganze Selbstversuch im Video

Quietschis wirklichen Namen kenne ich nicht. Auch sonst keiner. Aber das spielt keine Rolle. Hauptsache, er macht einen guten Job. Als ich ihn das erste Mal treffe, steigen aber Zweifel in mir auf. Seine etwas gruselige Erscheinung verunsichert mich und zudem ist er heiser, bringt kaum einen Ton heraus. Ist das wirklich der Richtige für mein Vorhaben?

Eigentlich arbeitet Quietschi als Wikinger für Filmdrehs

Das mit der Heiserkeit klärt sich schnell auf. Quietschi erzählt mir, dass er gerade aus Dänemark zurückkommt. „Für das Museum, in dem ich bei Schwertkampf-Shows mitmache, haben wir einen Film gedreht“, sagt er und ich kann mir mein Gegenüber sofort in dieser Rolle vorstellen. Es ist nicht Quietschis erster Dreh, wie ich dann erfahre. Für den Film „Männertag“, in dem Axel Stein und Harry G. mitspielen, und der gerade im Kino läuft, hat er in einer Nebenrolle auch das Schwert geschwungen. „Die haben angerufen und gesagt, sie brauchen noch einen Wikinger“, erzählt Quietschi und lacht.

Erst wird die Vorlage auf die Haut gedruckt

Mit der Nadel durchdringt Quietschi die erste Hautschicht, die Epidermis. Die hautverträgliche Tinte wird dann auf die zweite Hautschicht aufgetragen.

Die zweifelnde Stimme in meinem Kopf wird leiser. Ein uriger Typ. Aber ein zu glatter Tätowierer wäre wohl auch nicht glaubhaft. Ich zeige Quietschi die Schriftart, die ich mir für mein Tattoo ausgesucht habe. Er passt sie größenmäßig an mein Handgelenk an und schreibt die fünf spanischen Wörter auf ein spezielles Papier. „Das wird dann auf die Haut gedruckt“, erklärt er mir. Und dann dort nachgestochen.

Quietschi hat viel an sich selbst geübt

Sieht professionell aus, so wie er das macht. Eine Ausbildung hat der 50-Jährige, der in Miesbach wohnt, aber nicht gemacht. Das gab es, als er vor 30 Jahren angefangen hat, eher nicht, heutzutage schon. „Früher habe ich eben an Freunden ausprobiert und an mir selbst“, erzählt er. Mein leichtes Unbehagen kehrt zurück.

Hamburg, Berlin, Madrid – überall war er schon mit seinen Nadeln

Der Geruch nach Desinfektionsmittel steigt mir in die Nase, als wir in den Raum gehen, den Quietschi im „White Line“ gemietet hat. Alles macht einen sauberen und ordentlichen Eindruck. Das beruhigt. Das Studio in Hausham ist nicht Quietschis eigenes. Seines in Miesbach hat er aufgegeben. „Es hat sich nicht mehr gelohnt, weil ich so viel unterwegs bin“, erklärt er. In Hamburg, Berlin, Madrid – überall war er schon mit seinen Nadeln. All das erzählt er mir, während er die Vorbereitungen für mein Tattoo trifft. Oberflächen und Geräte werden in Folie gepackt, der Künstler lässt sich Zeit. Er hat die Ruhe weg. Und meine Nervosität steigt.

Bevor Quietschi bei mir endgültig die Nadel ansetzt, zeigt er mir noch eines seiner Tattoos, das ihm viel bedeutet. Groß ist es nicht, nur ein Name und ein kleiner Anker am Oberarm. Herbert Hoffmann – dessen Name dort prangt – hat sich verewigt. Und tätowiert hat er es, als er bereits 84 Jahre alt war. „Das war zu der Zeit Deutschlands ältester Tätowierer.“ Der muss für sein Alter eine ruhige Hand gehabt haben.

Die hat Quietschi hoffentlich auch, wenn er gleich meinen Schriftzug in schwarzer Farbe unter die Haut bringt. Schwarz lassen sich viele stechen. „Das ist jetzt eher in Mode“, weiß der Tätowierer aus seiner Erfahrung. Es gab Zeiten, da waren Tattoos in Farbe beliebt. Jetzt nur noch ab und an.

„Lo que haces deja huella“. Was du machst, hinterlässt eine Spur. Für immer.

Und dann ist es soweit. Als die Nadel in meine Haut dringt, verfliegt die Nervosität. Tattoo Nummer drei tut am wenigsten weh. Bis auf eine Stelle an der Innenseite des Handgelenks. Als Quietschi dort ankommt, beiße ich die Zähne zusammen. Da muss ich durch. Nach 20 Minuten ist auch schon alles vorbei und mein neuer Körperschmuck fertig. Nun rankt sich um meinen Unterarm „Lo que haces deja huella“. Was du machst, hinterlässt eine Spur. Für immer.

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