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Haben eine harte Zeit hinter sich: Alois Bucher (r.), Vorsitzender der Wassergemeinschaft Niklasreuth, und Sebastian Millauer, Vorsitzender der Wassergemeinschaft Großer Stein, in der Wasserreserve in Niklasreuth. Weil in mehreren Proben Keime gefunden wurden, müssen die Leitungen mit Chlor desinfiziert werden.

Chlorung kostet viel Geld

Bakterien im Wasser: Niklasreuther Verein schwer getroffen

Niklasreuth - Was schon großen Stadtwerken Bauchschmerzen bereitet, ist für einen Verein wie die Wassergemeinschaft Niklasreuth ein Tiefschlag. Ende August tauchten Bakterien in der Quelle auf.

Die Abkochverordnung ist aufgehoben, die Chlorung zeigt Wirkung. Dennoch klingt Sebastian Millauer noch geschockt. Dass er als Vorsitzender der Wassergemeinschaft Großer Stein einmal so etwas miterleben müsste, hätte er nicht gedacht. „Wir haben doch sonst so ein sauberes Wasser“, sagt er. Umso mehr erschütterte den Bad Feilnbacher das Ergebnis einer im August vom zuständigen Gesundheitsamt Rosenheim durchgeführten Routine-Kontrolle. Sechs von elf Wasserproben aus der Reserve des Vereins in Furt bei Niklasreuth waren mit coliformen Bakterien belastet. „Das ist uns in 24 Jahren nicht einmal passiert“, sagt Millauer.

Seit 1992 versorgt die Niklasreuther Quelle insgesamt 180 Haushalte mit frischem Wasser. 90 in Bad Feilnbach, 90 in Niklasreuth und Sonnenreuth (Gemeinde Fischbachau). Wartung und Abrechnung übernehmen die beiden Vereine Wassergemeinschaft Großer Stein Bad Feilnbach und Wassergemeinschaft Niklasreuth. Die Niklasreuther zapften die Quelle allerdings erst 1998 an, wie Vorsitzender Alois Bucher erklärt. „Da haben wir unsere zwei Pumpen in die Reserve eingebaut.“ Diese transportieren das Wasser gut 110 Höhenmeter über den Grunder Berg bis zum Hochbehälter bei Niklasreuth. Die Feilnbacher schicken ihren Teil auf der anderen Seite 130 Höhenmeter Richtung Inntal hinunter.

Alle Arbeiten, von der Planung der Anlage über den Bau bis hin zur Verwaltung, stemmten die beiden Vereine in Eigenleistung. Die Wasserbezieher beteiligten sich als Vereinsmitglieder an den Installationskosten. Deshalb fallen die Kubikmeterpreise im Vergleich zu manchen Stadt- oder Gemeindewerken verhältnismäßig niedrig aus. 35 Cent etwa kassiert der Niklasreuther Verein, der Feilnbacher wegen der nicht notwendigen Pumpleistung sogar noch weniger. „Wenn man aber die Anfangsinvestitionen einrechnet, sind es eher 60 bis 70 Cent“, erklärt Millauer.

Was die behördlichen Auflagen anbelangt, stehen die beiden Wassergemeinschaften den großen Versorgungswerken in nichts nach. Obwohl sich die Quelle in Niklasreuth und damit im Landkreis Miesbach befindet, ist für die Überwachung das Gesundheitsamt Rosenheim zuständig. „Der Hauptsitz des Wasserversorgers liegt in Bad Feilnbach“, erklärt Michael Fischer, Pressesprecher am Landratsamt Rosenheim. Und der sei im Falle einer Keimbelastung auch für die Information der Haushalte und die Bekämpfungsmaßnahmen verantwortlich.

Das haben die Wassergemeinschaften jetzt schmerzhaft zu spüren bekommen. Als das Gesundheitsamt am 22. August die Abkochverordnung erließ, liefen im Vorstand die Drähte heiß. Eiligst druckten die Schriftführer ein Informationsblatt, dass die jeweils sieben Vorstandsmitglieder händisch an die 180 Haushalte verteilten. Damit nicht genug: Um die Leitungen zu desinfizieren, ordnete das Amt zudem eine Chlorung an. Das Problem: Die technischen Voraussetzungen für die Einleitung und Dosierung des Mittels waren nicht vorhanden. Laut Landratsamt Rosenheim besteht auch keine Verpflichtung, eine solche Technik von Haus aus vorzuhalten.

Ein schwacher Trost für die Wassergemeinschaften. Sie mussten einen Spezialisten anfordern, der die erforderlichen Geräte nachrüstete. Ein teures Unterfangen. Mit den zusätzlichen Probenentnahmen rechnet Millauer mit Kosten von mehreren tausend Euro. Ob und wie sie die auf ihre Mitglieder verteilen wollen, darüber haben sich er und Bucher noch keine Gedanken gemacht. Ihr Interesse galt vorerst der Sauberkeit des Trinkwassers. „Das ist das allerwichtigste für uns“, betont Millauer. Am Dienstag konnten sie aufatmen. Weil das Chlor alle Messpunkte erreicht hatte, hat das Gesundheitsamt die Abkochverordnung aufgehoben.

Noch unklar ist die Ursache der Verunreinigung. Millauer vermutet, dass sich die Keime von einem Schieberegler gelöst haben könnten. „Den haben wir leider kurz vor der Probenentnahme betätigt“, erklärt er. Am wichtigsten ist ihm aber, dass die Vereinsmitglieder bald wieder ungechlortes, sauberes Trinkwasser genießen können. Bucher ist sich sicher, dass die Wassergemeinschaften diesen Tiefschlag wegstecken werden. „Wir helfen zusammen“, sagt er. Wie in all den Jahren zuvor.

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