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Training für den Ernstfall: Zwei Polizisten absolvieren in der Raumschießanlage des Landeskriminalamts in München ein Einsatz-Szenario. Das soll ab dem Sommer 2017 auch in Irschenberg möglich sein.

Sommer 2017 soll es fertig sein

Hier schießt das Publikum zurück: Jagdkino in Irschenberg

Irschenberg – In diesem Kino wird nicht nur auf der Leinwand scharf geschossen. Eine Raumschießanlage wird 2017 im Gewerbegebiet Salzhub eröffnen. Laien dürfen mit Lasern anlegen.

Nur die bequemen Sessel fehlen. Ansonsten sieht es in einem Schießkino aus wie in einem modernen Lichtspielhaus. Auf der großen Leinwand läuft ein Actionfilm, die Hauptdarsteller feuern Richtung Zuschauerraum. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied. Das Publikum schießt zurück – mit echten Waffen und scharfer Munition. So scharf, dass der Filmvorführer sicherheitshalber hinter einer kugelsicheren Scheibe sitzt.

Für Polizisten, Sicherheitskräfte und Jäger

Raumschießanlage heißt so ein „Kino“ in der Amtssprache. Die Unterhaltung der Besucher ist dabei Nebensache. Hier wird vielmehr hart trainiert. Polizisten, Sicherheitskräfte und Jäger feilen an ihrer Schusstechnik und verbessern ihre Zielsicherheit. Bisher mussten sie dafür nach Schweitenkirchen im Kreis Pfaffenhofen an der Ilm fahren. Dort stand bisher die einzige Anlage dieser Art in Bayern. Ab Sommer 2017 reicht ein kurzer Abstecher nach Irschenberg. Bis dahin will die Jagdkino Irschenberg GmbH im Gewerbegebiet Salzhub ihr Trainingszentrum eröffnen. Der Bauantrag liegt aktuell beim Landratsamt. Der Gemeinderat hat bereits im Juni 2015 grünes Licht für die Ansiedlung gegeben.

Der Beamer projiziert Ziele

Das 26 Meter breite, 48 Meter lange und maximal acht Meter hohe Gebäude wird auf einem 1800 Meter großen Grundstück in Sichtweite zur Autobahn errichtet. Zwei Bereiche wird es laut Projektentwickler Maximilian Thaler geben: besagtes Schießkino und einen Simulatorraum. Beide Räume werden mit modernster Technik ausgestattet. Ein Beamer projiziert Zielscheiben, Terrorismus-Szenarien oder Jagdtiere im Wald auf die Leinwand.

In einem Raum wird mit scharfer Munition geschossen

Der Unterschied zwischen beiden Räumen liegt in der Art der verwendeten Waffen. Im Schießkino feuern Polizisten und Jäger mit scharfer Munition. Erstere aus einer Entfernung von zehn Metern, letztere aus 30 Metern. Eben wie im echten Leben. Im Simulatorraum dürfen sich auch Laien ohne Waffenschein ausprobieren. Damit nichts passiert, legen sie mit Laser-Waffen an. „Die haben auch keinen Rückstoß“, erklärt Thaler.

Perfekte Analyse der Schusstechnik

Im Kino schaut das schon anders aus. Dort schlagen echte Projektile auf der Leinwand ein. Damit die nicht nach ein paar Treffern zerbröselt, besteht sie aus zwei übereinanderliegenden Papierschichten. Ein dahinter platzierter Laser misst die Einschusslöcher genau aus und ermöglicht den Schützen eine nahezu perfekte Analyse ihrer Technik. Die Kugeln selbst werden von einem riesigen Sandhaufen hinter der Leinwand abgefangen. Alternativ prüft die Jagdkino Irschenberg GmbH laut Thaler den Einsatz eines speziellen Metallcontainers.

Suche nach Personal hat bereits begonnen

Überhaupt gilt es beim Bau und Betrieb einer Raumschießanlage strenge Sicherheitsvorschriften zu beachten. Die reichen vom Schallschutz an den Wänden bis hin zur Lüftungsanlage, die die Abgase der Waffen absaugt. Im laufenden Betrieb hat ein speziell ausgebildeter Trainer ein Auge auf die Schützen und gibt ihnen bei Bedarf wertvolle Tipps. Die Suche nach Personal hat laut Thaler bereits begonnen. Über ein Online-Buchungssystem sollen sich auch Privatleute für ein Schießtraining anmelden können.

Hier können Jäger auch in der Schonzeit jagen

Dass sich die Anlage zu einem beliebten Ziel für Schützen im Landkreis und darüber hinaus entwickelt, daran hat Thaler keinen Zweifel. Nirgends im näheren Umkreis würden Polizisten oder Jäger ein so realistisches und dennoch sicheres Übungsszenario mit bewegten Zielen vorfinden. Was für erstere Berufsvoraussetzung ist, ist für zweitere eine gute Gelegenheit, sich bereits in der Schonzeit auf die neue Jagdsaison einzuschießen. Durch die Lage an der Autobahn könnten auch Schützen aus dem Rosenheimer Raum und sogar aus Österreich in diesen Genuss kommen, meint Thaler. Und das wäre schließlich auch für die Gemeinde ein echter Volltreffer.

sg

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