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In den Miesbacher Oberlandwerkstätten hat Bürgermeister Hans Schönauer (M.) im Beisein von Betriebsleiter Alfred Tkasczik und Dalia Antar von der BR-Abendschau schon mal Probe gesessen.

Projekt Mitfahrbänke in Irschenberg

Das neue Trampen für Senioren

Irschenberg - In einigen Ortschaften Deutschlands stehen sie schon: die Mitfahrbänke. Nun will auch Irschenberg die neue Form des seniorengerechten Trampens einführen. Noch sind aber viele Fragen offen.

Der Bus ist vor der Nase weggefahren, der nächste kommt erst in mehreren Stunden. Auf dem Land ist das keine außergewöhnliche Situation. Speziell Senioren ohne Auto sind auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen und können sich auch nicht ständig ein Taxi leisten. Die Lücken der Verkehrsanbindung sollen nun Mitfahrbänke schließen. „Der Bedarf ist auf jeden Fall da, auch wenn es nicht so sein wird, dass da jeden Tag jemand steht“, erklärt Irschenbergs Bürgermeister Hans Schönauer.

Auf die Idee gebracht hat ihn eine Anfrage des Bayerischen Rundfunks, der auf der Suche nach solchen Mitfahrbänken ist. Und die sehen folgendermaßen aus: eine Parkbank in auffälliger Farbe mit einer Stange und einem Schild. Auf dieses können die Fahrgäste ihren Zielort schreiben, zu dem sie gerne mitgenommen werden möchten. Eben wie beim Trampen, nur dass es eine feste Haltestelle gibt und man nicht den Daumen raushalten muss. Sitzt jemand auf der Bank, kann ein vorbeifahrendes Auto anhalten, wenn der Zielort vielleicht sowieso auf dem Weg liegt. „Meistens fährt man ja eh allein im Auto“, weiß Schönauer.

Mitfahrbänke: Idee ist noch nicht ausgereift

Vom Prinzip her ist es eine simple Angelegenheit. Die Bänke sollen von den Oberlandwerkstätten hergestellt werden. „Gestalten lassen könnten wir sie von unseren Schulen“, schlägt der Bürgermeister vor. Möglicherweise bei einem Malwettbewerb sollen Farbe und Muster ausgewählt werden. Doch ausgereift ist die Idee noch nicht. Es gibt einige Fragen, die noch nicht beantwortet sind.

Nachdem es noch in keiner anderen bayerischen Gemeinde eine solche Mitfahrgelegenheit gibt, kämen die Irschenberger zwar vielleicht problemlos nach Miesbach zum Einkaufen oder nach Rosenheim zum Arzt. Dann würden die Fahrgäste dort aber wieder auf den Bus angewiesen sein. Schönauer ist sich auch sicher, dass viele ein rechtliches Problem sehen werden: „Die erste Frage wird sein, wer die Verantwortung trägt, wenn etwas passiert.“ Aspekte wie dieser sollen noch geklärt werden. Außerdem hofft der Bürgermeister, dass noch andere Gemeinden im Irschenberger Umkreis nachziehen.

In Bitburg (Rheinland-Pfalz), Kleinaundorf (Sachsen) oder Bünsdorf (Schleswig-Holstein) beispielsweise gibt es seit einiger Zeit Mitfahrbänke. Wie die Badische Zeitung berichtete, werde das Angebot nur mäßig genutzt. Manchmal halte kein einziges Auto. Und Eltern würden ihre Kinder lieber selbst fahren als sie bei jemandem einsteigen zu lassen. Außerdem wüssten zu wenige Fahrer, was die Bänke bedeuten. Trotzdem steuern gerade ältere Leute, bei denen es nicht auf zehn Minuten ankommt, immer wieder die Bänke an, berichtet die Zeitung.

Schönauer will es auf einen Versuch ankommen lassen. „Man muss eben klein anfangen“, sagt er. Für Haltestellen schweben ihm schon einige Plätze vor. Der sogenannte Doktorparkplatz zum Beispiel: „Da wäre genug Fläche zum Halten.“ Auch für Touristen könnte er sich vorstellen, dass es ab und zu eine gute Möglichkeit wäre, von A nach B zu kommen.

Für die Finanzierung der ersten Bänke, die noch diesen Sommer aufgestellt werden könnten, sind 1000 Euro vorgesehen. Dann wird sich zeigen, ob die Irschenberger das Angebot nutzen – oder das Schild an der Bank lieber mit „Pause“ beschriften und einfach nur mal die Füße hochlegen.

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