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Federico Bianchi tankt sein E-Auto an der Irschenberger Stromsäule. Er kommt damit bis zu 550 Kilometer weit.

Prämie für E-Autos

Fehlende Stromsäulen und keine Einigkeit in der EU

Irschenberg - Die Bundesregierung verspricht Käufern von neuen E-Autos eine Prämie von 4000 Euro. Klaus Waldschütz hat in Irschenberg eine Ladestation. Vom Vorgehen der Politik hält er nichts.

An der OMV-Tankstelle in Irschenberg treffen sich viele Elektro-Autofahrer. Auch Baron Federico Bianchi steht dort und wartet. Er wartet, bis sein Auto aufgeladen ist. Der schwarze Tesla Model S des Italieners hängt an der Ladesäule, und in rund einer halben Stunde kann Bianchi damit wieder Gas geben.

Die Zeit, während das Auto an der Ladestation hängt, nutzen die Fahrer zum Austausch oder holen sich in der Raststätte einen Kaffee. Eilig darf es keiner haben. „Sie laden meist 20 bis 30 Minuten“, erklärt Tankstelleninhaber Klaus Waldschütz. Ladestationen gibt es noch nicht wie Sand am Meer. „In Deutschland wird das mittlerweile aber sehr intensiv – im Vergleich zu Österreich und Italien“, findet Bianchi, der aus Venedig kommt, aber fließend Deutsch spricht.

An der Tankstelle in Irschenberg hält er oft. Seine Frau wohnt in München, und da liegt die Station auf dem Weg. Die nächste ist in Salzburg, dann kommen Linz und Wien. Der Bordcomputer des Tesla zeigt Bianchi, wo Ladestationen stehen und wann er wieder Strom benötigt. Andere E-Autos haben diesen Luxus nicht. Und auch die Reichweite und die Anzahl der Lademöglichkeiten sind im Vergleich zum amerikanischen E-Auto-Vorreiter begrenzt.

An der Tankstelle von Waldschütz gibt es auch eine andere Säule: Smatrics, ein österreichischer Anbieter. „Der kann jetzt alle bedienen“, erzählt Waldschütz. Für die Nutzung müsse man allerdings eine Karte erwerben – wie bei vielen anderen Anbietern im Ausland auch. Diese Erfahrung macht nun auch der Tesla-Fahrer aus Venedig. Mit einigen anderen startet er demnächst eine ganz besondere Reise: mit dem E-Auto in 80 Tagen um die Welt. „Für die Umrundung haben wir uns von überall Karten bestellt“, erzählt Bianchi.

Enttäuscht vom Vorstoß der Politiker

Die Strecke muss genau geplant werden. Ladesäulen, die nicht von Tesla sind, werden vom Bordcomputer nicht angezeigt. An denen kann das Auto auch laden, muss es sogar, wenn gerade keine Tesla-Station in der Nähe ist. „Das Laden dauert dann aber länger“, ezählt der Italiener. Außerdem müssen die Teilnehmer der Gruppe, bei der auch Fahrer aus Deutschland dabei sind, rund 20 Adapter mitnehmen, damit sie ihre Autos überhaupt anstecken können.

Der Italiener, der selbst Baujahr 1949 ist, hat seinen Tesla seit November vergangenen Jahres. Seither ist er damit 20 000 Kilometer gefahren. „Für Strom habe ich noch keinen Cent bezahlt“, erzählt Bianchi. Das übernimmt nämlich Tesla. Je nachdem, wie schnell er fährt, kommt er bis zu 550 Kilometer weit mit einer Ladung.

Waldschütz hat auch ein E-Auto, aber keinen Tesla. Sein Citroën C-Zero kommt rund 50 Kilometer weit. Im Winter sind es aufgrund der Heizung sogar weniger. Waldschütz nutzt ihn für Kurzstrecken. „Als Zweitauto ist das optimal“, sagt er. 24 000 Euro hat ihn das Kurzstrecken-Mobil gekostet, Bianchi hat für seinen Tesla stolze 127 000 Euro hingeblättert. Für den gilt deshalb auch die geplante E-Auto-Prämie von 4000 Euro nicht. Die gibt es nur für Fahrzeuge bis 60 000 Euro.

Vom Vorstoß der Politik ist Waldschütz enttäuscht. „Die wollen das wieder mit Hauruck durchsetzen, dann klappt es nicht und wird wieder in eine Schublade gelegt“, sagt er. Vor allem hapere es an der Stromversorgung. Bianchi sieht die Prämie grunsätzlich als positiv. „Aber ganz Europa muss mitmachen“, sagt er. Es brauche einheitliche Ladesäulen, flächendeckend. Waldschütz schlägt vor, es den Norwegern gleichzutun. Dort könne man überalle kostenlos laden. „Wenn ich einkaufen gehe, kann ich auf dem Parkplatz mein Auto anstecken“, erklärt er. Für Deutschland befürchtet er, dass es zu Warteschlangen an den Säulen kommt.

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