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In voller Montur: In seiner Heimat Syrien hatte Roni noch nicht einmal auf einem Fahrrad gesessen. Jetzt trainiert er beim RSV Irschenberg. 

Roni Ali: Integration im Sattel

Nach Flucht: Bub aus Syrien trainiert beim RSV Irschenberg

Irschenberg - Roni Ali (11) wanderte wochenlang durch Europa. Als er in Deutschland ankam, konnte er noch gar nicht Radfahren. Inzwischen trainiert der syrische Flüchtling beim RSV Irschenberg.

Von Al-Hasaka in Syrien zu Fuß in die Türkei und per Lkw nach Deggendorf – diese beschwerliche Reise hat der elfjährige Roni Ali gemeinsam mit seinen Eltern und seinem siebenjährigen Bruder Can hinter sich gebracht. Inzwischen lebt die kurdische Familie in einer Flüchtlingsunterkunft in Sauerlach. Und: Roni trainiert mittlerweile beim Radsportverein (RSV) Irschenberg. Obwohl er in seiner Heimat noch nicht einmal auf einem Fahrrad gesessen hatte. 

Der Kontakt zum RSV Irschenberg kam über die Sauerlacherin Christine Strauß zustande

Der Kontakt zum RSV Irschenberg kam über die Sauerlacherin Christine Strauß zustande. Deren zwölfjähriger Sohn Lukas ist ebenfalls beim RSV aktiv. „Das war ein eher unglücklicher Zufall“, erinnert sich die 49-Jährige. Sie sei mit ihrem Hund unterwegs gewesen und dabei Ronis Bruder Can über den Weg gelaufen. „Can wollte den Hund streicheln“, sagt Strauß. „Er hat dann nach ihm geschnappt.“ So habe sie die Familie Ali kennengelernt. Inzwischen pflegt man ein gutes Verhältnis. Zweimal pro Woche nehmen die Strauß’ Roni mit zum Training. Integration im Sattel sozusagen. 

„In Syrien wird nicht viel mit dem Fahrrad gefahren. Da gibt es mehr Motorräder und Motorroller“

Das Fahrradfahren hat Roni erst in Deutschland gelernt. „In Syrien wird nicht viel mit dem Fahrrad gefahren“, erklärt der Elfjährige. „Da gibt es mehr Motorräder und Motorroller.“ Zunächst begann Roni seine Radler-Karriere auf einem Mountainbike der Familie Strauß. Inzwischen beherrscht er seinen Drahtesel so gut, dass er jüngst zum ersten Mal aufs Rennrad steigen durfte. Das Gefährt hatte ihm der RSV-Vorsitzende Christian Grasmann zur Verfügung gestellt. 

„Wir sind immer nachts gegangen, damit man uns nicht sehen kann. Tagsüber haben wir uns versteckt und ausgeruht“

Insgesamt einen Monat waren Roni und seine Familie auf der Flucht. Den Weg bis zur türkischen Grenze mussten sie gar zu Fuß nehmen. „Wir sind immer nachts gegangen, damit man uns nicht sehen kann“, erzählt Roni. „Tagsüber haben wir uns versteckt und ausgeruht.“ Sein Vater praktikzierte in der Heimatstadt Al-Hasaka als Kinderarzt, seine Mutter arbeitete als Krankenschwester. Unter anderem auf den Bildungsstand seines Vaters ist es wohl zurückzuführen, dass Roni nach nur knapp einem Jahr in Deutschland so gut wie alles versteht und sich problemlos verständigen kann. Und das in insgesamt sechs Sprachen. „Ich spreche Deutsch, ein bisschen Englisch, Arabisch, Kurdisch, Französisch und Türkisch.“ Deutsch, so Roni, beherrsche er in seiner Familie am besten. 

„Einmal gab es Krieg in unserer Straße. Es wurde aber niemand verletzt“

Kriegerische Handlungen hat Roni nur ein einziges Mal erlebt. „Einmal gab es Krieg in unserer Straße“, erinnert er sich. „Es wurde aber niemand verletzt.“ Allerdings, ergänzt der Elfjährige, habe es erst jüngst wieder Schießereien in seiner Heimat gegeben. Den Kontakt zu seinen Freunden hält er nämlich weiterhin aufrecht. „Wir schreiben über Whatsapp.“ 

Egal wo Roni ist, die Hälfte seiner Freunde ist woanders

Freunde hat Roni inzwischen auch in Deutschland. In der Schule – er besucht die vierte Klasse der Grundschule in Sauerlach, ist beim RSV Irschenberg im Sattel aktiv und spielt beim TSV Sauerlach Fußball. Deswegen ist der junge Syrer hin- und hergerissen. Egal wo er ist, die Hälfte seiner Freunde ist woanders. Und auch Teile der Familie hat Roni seit der Flucht nicht mehr gesehen. „Meine Omas und Opas leben immer noch in Syrien und der Türkei“, sagt er. 

„Vielleicht wechsle ich nächstes Jahr noch aufs Gymnasium. Oder ich mache doch die FOS"

Im Sommer wird Roni die Realschule in Holzkirchen besuchen. „Ich wollte aufs Gymnasium gehen, das habe ich aber nicht ganz geschafft“, sagt der Elfjährige. Aber Roni ist ehrgeizig. „Vielleicht wechsle ich nächstes Jahr noch aufs Gymnasium. Oder ich mache doch die FOS."

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