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Ein Hingucker ist er nicht mehr: Der Altwirt in Parsberg steht seit Jahren leer. Eine Abrissanfrage lehnte der Miesbacher Bauausschuss trotzdem vorerst ab.

Bauausschuss diskutiert über Abrissanfrage

Altwirt in Parsberg: Dorfzentrum oder Bauruine?

Parsberg - Kirche, Dorfplatz, Wirtschaft: Was die Struktur angeht, ist der Ortskern von Parsberg intakt. Was fehlt, ist das Leben im Altwirt. Eine Abrissanfrage sorgte nun für Diskussion im Bauausschuss.

Als Dorfzentrum empfinden die Parsberger den Altwirt schon lange nicht mehr. Zwar steht der Gasthof mit Saal auch heute noch an der Leitzachstraße in der Ortsmitte, sein öffentliches Leben hat er jedoch schon vor vielen Jahren ausgehaucht. Heute ist der Saal nur noch sporadisch für Vereinsveranstaltungen geöffnet. Ein möglicher Ausweg aus dem Leerstand ist nun im Miesbacher Bauausschuss aufgetaucht: eine Anfrage für einen Abriss des Altwirts samt Neubau von zwei Einfamilienhäusern.

Bauamtsleiter Lutz Breitwieser konnte dieser Idee jedoch nichts abgewinnen. „Der Vorschlag greift grauenhaft in gewachsene Strukturen ein“, sagte er. Letztlich sei die Frage über den Erhalt des Dorfcharakters aber politisch zu diskutieren.

Doch auch für Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) war die Sache klar. „Parsberg hat immer noch Dorfcharakter“, sagte sie. „Und da gehört eben auch eine Wirtschaft hin.“ Dies habe der Stadtrat im Stadtentwicklungskonzept unter dem Punkt „Sicherung der örtlichen Grundstrukturen“ bewusst festgeklopft. Einen Abriss des Altwirts lehnte Pongratz daher ab. „Wenn wir das für gut heißen, gehen wir von unseren eigenen Zielen weg“, sagte sie. Daher schlug sie vor, in dieser Sache zuerst Stadtplaner Otto Kurz nach seiner Meinung zu fragen.

Auch Pongratz’ Stellvertreter Paul Fertl (SPD) hatte keine Zweifel an der Parsberger Dorfgemeinschaft. „Es gibt dort ein intaktes Vereinsgeschehen“, sagte er. Obwohl der Altwirt nur zu bestimmten Anlässen geöffnet hätte, sollte man den wirtschaftlichen Charakter des Gebäudes erhalten. Er sei kein Nostalgiker, betonte Fertl, und er würde sich auch für Wohnraum stark machen – aber nicht an dieser Stelle. „Wenn da Häuser hinkommen, ist die Seele verloren“, sagte er. Fertls Fraktionskollegin Hedwig Schmid ließ das Wohnraum-Argument ebenfalls nicht gelten. „Bei zwei Einfamilienhäusern gewinnen wir nicht viel“, sagte sie. Markus Baumgartner (CSU) schlug deshalb den Bau von Eigentumswohnungen im Altwirt vor. Sein Fazit: „Umbau ja, Abriss nein.“

Franz Mayer (CSU) konnte mit beidem leben. Hauptsache, der Leerstand habe ein Ende, meinte er. Den Besitzer zu einer Gaststätte „zu verdonnern“ habe keinen Sinn. „Wollen wir da eine jahrzehntelange Bauruine wie beim Maximilian in Gmund?“, fragte Mayer. Noch deutlicher wurde Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FWG). Wer glaube, den Altwirt als Gasthof erhalten zu können, erliege einer Illusion. „Das Dorfzentrum ist doch längst bei der Schule“, sagte Lechner. Er schlug vor, die Bürger selbst zu fragen, ob sie noch eine Zukunft für einen Gasthof in ihrem Ort sehen.

Die Bürgermeisterin nickte zustimmend. „Die Leute müssen ja auch hingehen“, betonte sie. Zunächst gelte es jedoch, grundsätzliche städtebauliche Überlegungen anzustellen. Mit diesem Hinweis lehnten die Bauausschussmitglieder die Abrissanfrage für den Altwirt einstimmig ab. Nicht, um dem Antragsteller ein Bein zu stellen, wie Breitwieser auf Nachfrage unserer Zeitung betont: „Es geht darum, eine ortsplanerische Richtung aufzuzeigen.“

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