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Sieben Syrer in der Integrationsklasse: Am Ende müssen sie eine Sprachprüfung ablegen, die ihnen mit einem Zertifikat bescheinigt wird.

Anerkannte Flüchtlinge im Landkreis (Serie Teil 2)

Sie wollen Steuern zahlen wie ein Deutscher

Landkreis - Viele Asylbewerber im Landkreis absolvieren einen Integrationskurs. Warum? Weil sie arbeiten wollen, endlich wieder für sich selbst sorgen - und nicht mehr von anderen abhängig sein.

Im Integrationskurs im Türkisch-Islamischen Kulturzentrum in Miesbach sitzen viele verschiedene Nationen. Auch Spanier oder andere EU-Bürger sind unter den Schülern. Sieben der Teilnehmer kommen aus Syrien – der Krieg hat sie nach Deutschland getrieben. Mittlerweile sind ihre Anträge auf Asyl anerkannt. Probleme gibt es zwar weiterhin. Zumindest aber sind sie schon weiter als viele andere.

Etwa eineinhalb Jahre sind die sieben Männer in Deutschland, manche etwas mehr, manche etwas weniger. Eines haben sie gemeinsam: Es fällt ihnen schwer, als Flüchtling zu leben. In Syrien haben sie vom Staat keine finanzielle Unterstützung bekommen. „Wir sind nicht hierher gekommen, um zu Hause zu bleiben. Wir wollen dem Staat etwas zurückgeben“, sagt der 19-jährige Abdulrahmen Saker.

Sie sind stolz gewesen auf ihre Freiheit, die ihnen nun vom Krieg genommen wurde. Monatelang saßen sie in den Massenunterkünften und mussten abwarten. Nun haben sie wenigstens für einige Zeit Gewissheit und dürfen arbeiten. Manche haben bei der Jobsuche richtig Glück, so wie die Frau von Ghiyath Kallas (50): Sie arbeitet nun Vollzeit im Landratsamt als Dolmetscherin. „Zaghloul war in Syrien Lehrerin für Englisch und Arabisch“, erzählt ihr Mann.

Für die eigentliche Integration bleibt kaum Zeit

Nicht alle sind so sprachbegabt. In den Integrationskursen, die in Miesbach von Maria Schießl und Herbert Kiegeland geleitet werden, wird am Ende eine Prüfung verlangt: Niveau B1. Mit den Artikeln, darin sind sich die sieben Syrer einig, haben sie sich bislang am wenigsten anfreunden können. Im Arabischen gibt es wie im Englischen nur einen Begleiter.

Flüchtlinge auf Arbeitssuche - Was sie können, was sie wollen

Kinder haben es einfacher, eine Sprache zu lernen. Die 13-jährige Tochter von Mataz Srion konnte nun auf das Tegernseer Gymnasium wechseln. „Sie kann viel besser Deutsch als ich“, erzählt der 45-jährige Vater. Seine Tochter habe hier viele Freunde, die mit ihr Deutsch sprächen. Das fehlt den erwachsenen Männern. Sie tun sich schwer, Anschluss zu finden, auch wenn sie zum Teil im Verein Volleyball spielen. Der Kurs und die Arbeit nehmen viel Zeit in Anspruch. Für die eigentliche Integration bleibt da nicht viel übrig.

Einige wollen bleiben, andere zieht es in die Großstadt

Ein großer Zeit- und Kostenfresser ist auch das Busfahren. Doch die Sache mit dem Führerschein ist kompliziert. Besitzen die Flüchtlinge einen, müssen sie ihn hier umschreiben lassen. Dazu ist eine praktische und theoretische Prüfung notwendig. „Ich habe einen internationalen Schein aus Dubai, der wird auch nicht anerkannt“, erzählt Srion. Die Männer können nicht verstehen, wieso es noch keine Prüfung auf Arabisch gibt. „Wir hatten bisher nicht so viele Araber hier, das braucht eben Zeit“, sagt Kursleiterin Schießl.

Bei der Frage, ob sie im Landkreis bleiben wollen oder lieber in die Großstadt weiterziehen, sind die Meinungen der Syrer gespalten. Der 19-jährige Saker will studieren, ihn zieht es nach München. Viallas dagegen will mit seiner Familie hier bleiben. „Miesbach gefällt mir sehr gut, es ist ruhiger hier“, erklärt er. „Für die Kinder ist die Natur gut.“ In ferner Zukunft zieht es wohl aber die meisten zurück in die Heimat. „Der große Traum ist, am Ende nach Syrien zurückzukehren“, sagt Saker. Momentan hat er aber einen anderen Wunsch. „Ich will nicht mehr vom Jobcenter abhängig sein.“ Saker will Steuern zahlen – wie alle anderen Deutschen auch.

Gesprächspartner gesucht: Die anerkannten Asylbewerber sind auf der Suche nach Menschen, die ab und zu etwas mit ihnen unternehmen oder einfach nur reden. Wenn jemand daran Interesse hat, kann er sich per E-Mail an die Autorin wenden.

Integrationskurse: Deutsch lernen in 600 Stunden

Die Integrationskurse werden vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für anerkannte Asylbewerber vorgeschrieben. Im Landkreis laufen diese Kurse über die Volkshochschule (vhs). Iraner, Iraker, Syrer und Eritreer dürfen auch vor dem Anerkennungsstatus schon mitmachen. „Denn die haben eine gute Bleibechance“, erklärt Anna Stark von der vhs im Landkreis, die die Kurse koordiniert. 600 Stunden umfasst ein Integrationskurs. Darin sollen Themen des täglichen Lebens besprochen, die rechtliche Situation und Sprache vermittelt werden. Aufgeteilt ist die Zeit in verschiedene Module, die jeweils mit einem Test abgeschlossen werden. „Viele sind es nicht gewohnt, fünf Stunden in der Schule zu sitzen“, erzählt Stark. Ein Problem für einige Teilnehmer: die lateinische Schrift. Syrer seien darin meist alphabetisiert. Einen Alphabetisierungskurs gibt es bald für all diejenigen, die„ die Buchstaben malen und nicht flüssig schreiben. Derzeit gibt es vier Kurse im Landkreis, einer ist speziell für Jugendliche.

Im ersten Teil der Serie erklären Integrationsbeauftragter Max Niedermeier und Lisa Braun-Schindler von der Arbeiterwohlfahrt, dass die anerkannten Asylbewerber Probleme haben, geeignete Wohnungen zu finden. Fehlt eine Bleibe, werden diese Menschen früher oder später aus dem Landkreis wegziehen. Und Übrigens: Für Omar Dahraoj war das nicht der erste Kontakt mit der Presse. Unserem Mitarbeiter Klaus-Maria Mehr hat sich von ihm schon die Haare schneiden lassen und dabei viel über die Flucht des Syrers erfahren.

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