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Zu wenig Licht im Oberstübchen: Das Dachgeschoß des gemeindehauses Wies kann nicht als Wohnung für Asylberechtigte genutzt werden.

Das Problem: Zu wenig Licht im Oberstübchen - viel weniger Wohnraum nutzbar

Gemeindehaus Wies: Asylwohnungen werden teurer

Miesbach – Im Gemeindehaus Wies, das die Stadt Miesbach stark bezuschusst für Asylberechtigte zum Wohnhaus renovieren lassen will, sind nur vier statt fünf Wohnungen möglich. Das wird teuer.

Von außen sieht alles ganz passabel aus: Zwei Wohnungen im Erdgeschoss, zwei im ersten Stock und eine unterm Dach. So lassen sich fünf Flüchtlingsfamilien, deren Asylantrag anerkannt wurde, im ehemaligen Gemeindehaus Wies an der Tölzer Straße in Miesbach dauerhaft unterbringen. Doch der Parsberger Architekt Joachim Staudinger, der mit der Planung beauftragt ist, überbrachte dem Stadtrat nun eine unliebsame Erkenntnis: Fünf Wohneinheiten lassen sich nur mit extrem großem Aufwand realisieren – und auch dann noch nicht wirklich gut. Eigentlich sind nur vier machbar.

Wegen Denkmalschutz: Dachgaupen kaum machbar

Die Ursachen liegen im Zusammenspiel von Bauvorschriften, Denkmalschutz und Bausubstanz. Das Kernproblem ist das Dachgeschoss. Es fehlt an Fenstern, um genügend Tageslicht zu gewährleisten. Der Einbau einer Gaube ist in der Region verpönt, vor allem bei einem denkmalgeschützten Gebäude wie dem Gemeindehaus.

Wie Staudinger weiter ausführte, sieht die Bayerische Bauordnung pro Wohnung fünf Quadratmeter Abstellraum vor. Da das Haus aber nicht unterkellert ist, gibt es nur zwei Alternativen, die Vorschrift zu genügen: Man platziert die Abstellabteile im Dachgeschoss oder vor dem Haus – dann aber in ordentlicher Qualität.

Treppenhaus sehr ungünstig positioniert

Angesichts dieser Zwänge hat Staudinger in seiner Planung nur vier Wohnungen vorgesehen: zwei im Erdgeschoss mit 46 und 55 Quadratmetern sowie zwei im ersten Obergeschoss mit 38 und 72 Quadratmetern. Die Zuschnitte seien dem Gebäudezuschnitt geschuldet. So sei das Treppenhaus im Süden sehr ungünstig positioniert, aber der Denkmalschutz verbiete eine Verlegung, erklärte der Architekt. Im Dachgeschoss sieht er die Abstellabteile sowie Heizung, Technikraum und eine Gemeinschaftsfläche vor.

Fehlende Wohnung kostet jetzt richtig Geld

Die fehlende fünfte Wohnung kostet die Stadt nun einiges an Geld. Im März war der Stadtrat bei seinem Grundsatzbeschluss noch von 790.000 Euro Baukosten ausgegangen. Nach der Besichtigung der Bausubstanz geht man aber von 815.000 Euro aus, von denen die Regierung von Oberbayern aber nur 600.000 Euro als förderfähig anerkennt – macht bei 90 Prozent einen Zuschuss von 540.000 Euro. Damit müsste die Stadt 275.000 Euro selbst übernehmen.

Wie berichtet, kann die Stadt für die Renovierung des Gemeindehauses Wies mit bis zu 90 Prozent Zuschuss vom Staat rechnen, wenn sie eine Sozialbindung akzeptiert: Die ersten sieben Jahre ist die Nutzung ausschließlich für anerkannte Asylbewerber vorgesehen, danach ist die Immobilie auch für Sozialschwache vermittelbar. Nach Ablauf der insgesamt 25-jährigen Sozialbindung können die Wohnungen auf dem freien Markt angeboten werden.

Stadtrat muss teuren Plänen erneut zustimmen

Aufgabe der Stadtratsmitglieder war es nun, die neuen Zahlen per Beschluss für die Regierung von Oberbayern zu bestätigen – eine Entscheidung, die wenig Spielraum hatte, wie Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) klarstellte: Ohne Beschluss sei der Zuschussantrag hinfällig. Und ob ein neuer dann noch berücksichtigt werden könne, sei offen. „Dann müssten wir uns wieder neu anstellen.“

Erhard Pohl (CSU) regte an, zumindest teile des Dachgeschosses darunter liegenden kleineren Wohnung zuzuschlagen. Doch Staudinger winkte ab: Die Treppe nach oben koste in der kleinen Wohnung empfindlich viel Platz, „und oben habe ich Räume, die nicht funktionieren. Wir können nicht Räume als Wohnraum vermieten, die kein Wohnraum sind.“

Generell wertete Staudinger das Angebot der Regierung als sehr fair: „Normalerweise liegt die Förderung bei 2440 Euro pro Quadratmeter. Wir bekommen hier 2700 Euro wegen der Deckenhöhe von 3,10 Metern und dem Denkmalschutz.“ Davon ließ sich der Stadtrat überzeugen. lediglich Markus Baumgartner (CSU), der das Gemeindehaus für eine zentrumsnahe Kinderbetreuung bevorzugen würde, stimmte dagegen.

ddy

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