Kuriose Szenen im Gerichtssaal

Diebstahl-Prozess endet mit Missverständnis

Miesbach – Ein Ungar (46) aus Miesbach hat auf einem Ausstellungsgelände für Autos in Miesbach eigentlich Platzverbot. Trotzdem war er da, laut Angklage, um zu klauen. Zwei Straftaten also - oder doch nur ein dummes Missverständnis?

Kurios begann eine Verhandlung gegen einen 46-jährigen Ungarn aus Miesbach am Amtsgericht der Kreisstadt. Denn: Der Angeklagte sprach kein Deutsch, ein staatlich anerkannter Dolmetscher wohnte dem Prozess allerdings auch nicht bei. „Dann müssen wir die Sache vertagen“, meinte Amtsrichter Walter Leitner. Doch aus dem Publikum meldete sich ein Freund des Beschuldigten, der sowohl der ungarischen, als auch der deutschen Sprache mächtig war. Er durfte dann für die folgenden zwei Stunden in ein anderes Berufsfeld eintauchen und die Rolle des Übersetzers übernehmen. Seine Sache machte er nach kleineren Startschwierigkeiten – immer wieder befand er sich im Austausch mit seinem angeklagten Kumpel – aber gut.

Dem 46-Jährigen dolmetschte er, dass der im Februar dieses Jahres einen Hausfriedensbruch mit versuchtem Diebstahl begangen haben soll. Er sie in ein mit einem Zaun umfriedetes Gelände eines An- und Verkaufsgeschäfts für Autos in Miesbach eingedrungen und wurde wohl entdeckt, als er gerade die Radmuttern eines Fahrzeugs löste. Schlimm genug, doch dazu kam noch: Der Ungar hatte bereits Platzverbot auf dem Areal.

„Das Tor zum Grundstück stand offen“

„Das Tor zum Grundstück stand offen“, sagte der Angeklagte. „Ich habe auch nichts geklaut, sondern wollte nur die Autos anschauen.“ Dann, so erzählte der 46-Jährige, sei ein Mann gekommen, der ihn sofort des Geländes verweisen wollte. „Ich habe aber gar nicht verstanden, warum er das machen wollte, denn ein Hausverbot habe ich dort überhaupt nicht“, meinte der Ungar mit unschuldiger Miene.

Amtsrichter Leitner packte daraufhin Gegenstände aus, welche die Polizei im Kofferraum des Beschuldigten gefunden und sichergestellt hatte: einen Hammer, einen Schraubenschlüssel und ein Werkzeug zur Holzverarbeitung. Den Fund der Sachen konnte der Angeklagte jedoch erklären: „Ich bin Trockenbauer und brauche diese Werkzeuge für die Arbeit.“ Dagegen war zunächst auch nichts einzuwenden, der Mieter des Areals sollte als Zeuge mehr Aufschluss über den Fall geben.

„Er hat da nichts verloren, weil er da nicht arbeitet“

„Er hat da nichts verloren, weil er da nicht arbeitet“, erklärte der Zeuge. „Einen Platzverweis habe ich gegen ihn vor längerer Zeit auch schon ausgeprochen.“ Allerdings war sich der Zeuge selbst nicht sicher, ob der Ungar das so wirklich verstanden hat. „Ich wusste, dass er nicht gut Deutsch spricht, aber er sagte danach ,Ja’ und lachte. Er hat aber nicht gesagt, dass er mich nicht verstanden hat.“

Beim Vorfall im Februar hat der Zeuge allerdings nicht beobachtet, dass der Ungar Radmuttern eines Autos löste. „Er ist nur zwischen den Autos herumgeschlichen und hat schnell einen Schraubenschlüssel in sein Auto geworfen, als er mich entdeckt hat“, sagte der Platz-Mieter aus. „Sonntags hat er auf dem Gelände aber gleich zwei Mal nichts verloren, da wir da ohnehin geschlossen haben.“ Das Tor gewaltsam geöffnet hat der 46-Jährige jedoch nicht. „Ja, es war wirklich nur angelehnt“, gab der Zeuge zu.

Eine etwas unübersichtliche Situation also für Amtsrichter Leitner und die Staatsanwältin. Da der Ungar aber bisher keinen Eintrag im Bundeszentralregister vorzuweisen hat, glaubte Schneider ihm, dass er nichts klauen wollte und schlug eine vorläufige Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage vor. Leitner stimmte dem zu – der Angeklagte ebenfalls. Somit kam der Miesbacher straffrei davon. Die 500 Euro Geldauflage kommen dem Kreisjugendring Miesbach zugute.

Philip Hamm

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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