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Padre Enrique Rosner hat Zeitungsberichte über das Erdbeben in Ecuador für seinen Heimaturlaub in Miesbach mitgebracht. Jetzt will er Spenden sammeln.

Padre Enrique in Ecuador

Nach Erdbeben: Ein neues Dach für zehn Familien

Miesbach/Quito - Erdstöße ist Padre Enrique Rosner in Ecuador gewohnt. Doch das schwere Erdbeben im April hat ihn richtiggehend erschüttert. Der Missionspfarrer aus Miesbach will beim Wiederaufbau helfen.

Als im Pfarrsaal in Tababela die Lampenschirme wie Kirchenglocken schwingen, ist der Schrecken groß. Die Gäste einer Hochzeitsfeier rennen nach draußen. „Templor“, rufen einige. Erdzittern. Eine Minute lang wackeln in Padre Enrique Rosners Gemeinde nahe der ecuadorianischen Hauptstadt Quito am 16. April gegen 19 Uhr Boden und Wände. Die Stöße kommen nicht nur vertikal, sondern auch horizontal. „Wie eine Mühle“, erinnert sich Rosner, der momentan auf Heimaturlaub in Miesbach ist. „Da wussten wir, dass es woanders ein schweres Erdbeben ist.“

Sekunden später ist es wieder ruhig. Was an der Küste, gut 170 Kilometer von Quito entfernt, tatsächlich passiert ist, weiß zu diesem Zeitpunkt niemand. Das Telefonnetz ist zusammengebrochen, die Informationen verbreiten sich nur bruchstückhaft über Radio und Fernsehen. Auch Rosners Familie in Miesbach ist besorgt. Drei Tage später gibt der Missionspfarrer, der seit 45 Jahren in Südamerika lebt, Entwarnung. Er und seine Gemeindemitglieder sind wohlauf, Schäden gibt es keine.

Erdbeben in Ecuador: Rosners frühere Haushälterin war betroffen

Doch die Informationen über das Leid in den betroffenen Provinzen breiten sich schnell über das Land aus. 680 Tote, 29 000 Obdachlose, ganze Städte in Schutt und Asche. Fast jeder hat Angehörige oder Freunde, die durch das schwere Erdbeben in Mitleidenschaft gezogen wurden. Auch Rosners frühere Haushälterin ist betroffen. „Ihr Onkel wurde von Trümmern geköpft“, sagt er und schluckt. Der 77-Jährige schickt der Familie Bettzeug und Vorräte. Mehr ist in der Anfangsphase kaum möglich. Ganze Straßen sind verschwunden, Strom- und Wasserleitungen gekappt. Vor allem auf dem Land kommt die Hilfe kaum an.

Tausende Helfer nach dem Erdbeben

Mit am schlimmsten erwischt hat es die Stadt Pedernales, gut fünf Autostunden von Quito entfernt. „Die ist zum größten Teil abbruchreif“, berichtet Rosner. Der Aufbau wird schwierig. Ecuador ist finanziell ausgeblutet. Präsident Rafael Correa hat während der Finanzkrise auch den Hilfsfonds für Naturkatastrophen wie diese aufgebraucht. Aus eigener Kraft wird sich Ecuador kaum erholen, fürchtet Rosner. An der Küste, wo die meisten Menschen mit dem Tourismus ihr Geld verdient haben, steht kein Hotel mehr.

Während die Regierung auf dem Weltmarkt verzweifelt nach zinslosen Krediten sucht, packen die Ecuadorianer mit ihren bloßen Händen an. „Sie sind zwar bettelarm, aber sehr fleißig“, sagt Rosner. Ihr Generator sei ihr Glaube. Padre Enrique spricht vom „recurso humano“, vom menschlichen Kapital. Einem Volk, das die Solidarität im Blut hat.

Nach dem Erdbeben kommt der Kirche ein zentrale Rolle zu

Tausende freiwillige Helfer haben sich aus anderen Provinzen auf den Weg gemacht. Jede noch so arme Gemeinde sammelt Spenden für die vom Schicksal so hart getroffenen Landsleute. Eine zentrale Rolle kommt der Kirche zu. „Wir haben Verbindungen bis ins letzte Dorf“, sagt Rosner. Das sei wichtig, denn nur so komme die Hilfe an der richtigen Stelle an. Der Regierung traut der Padre nicht.

Dafür möchte er ein Projekt der Jesuiten unterstützen. Hogar de Cristo heißt die Organisation, die derzeit 10 000 kleine Fertighäuser aus Holz und Bambus fertigen lässt. Sie sollen den Obdachlosen, die aktuell in 49 Zeltstädten untergebracht sind, ein neues Dach über dem Kopf bieten. Zwischen 1700 und 2200 Dollar kostet eine Bleibe für eine fünfköpfige Familie. „Das ist unser Sozialwohnungsbau“, erklärt Rosner. Während seinem Heimaturlaub in Miesbach will der Padre Geld für zehn Häuschen sammeln. „Die Leute erwarten, dass ich aus Deutschland etwas mitbringe“, sagt er.

Dass er in seinem Alter noch mal zum Bittsteller werden würde, hätte er nicht gedacht. Doch auch ihn wirft das Erdbeben nicht aus der Bahn. „Wir sind Naturkatastrophen gewöhnt“, erklärt Rosner. Immer wieder zittert am Pazifik der Boden. Wer die Ruhe des Padre verstehen will, muss sich sein Leben in Ecuador vor Augen führen. Von seinem Garten aus kann Rosner den Cotopaxi sehen, den größten Vulkan der Erde. Ein Pulverfass, das in regelmäßigen Abständen Asche und Lava auf die umliegenden Dörfer herabregnen lässt. Wann er ausbricht, weiß niemand. Nur, dass es früher oder später soweit sein wird. Den Evakuierungsplan hat Rosner in der Schublade, der Vorratskeller ist gefüllt. 100 Menschen könnten im Ernstfall im Pfarrsaal Zuflucht finden.

Sollte der Cotopaxi tatsächlich ausbrechen, müssen Rosners Gemeindemitglieder wohl ihre Heimat verlassen. Auf die Solidarität ihrer Landsleute können sie jedoch bauen. Ein unbezahlbar gutes Gefühl.

Spenden für die Häuser in Ecuador sammelt Padre Enrique Rosner unter seinem Konto bei der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee: DE 94 71 15 25 70 00 00 40 23 96. Kennwort: Erdbeben-Hilfe. Die Organisation Missio München stellt eine Spendenquittung an die Unterstützer aus.

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