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Lecker Almvieh von nebenan: Damit der Standortvorteil im Landkreis wirklich ausgenutzt werden kann, bräuchte es einen eigenen Schlachthof.

Aber nur so könnte der Landkreis seine Rinder selbst vermarkten

Eigenes Schlachthaus für Miesbach? Metzger winken ab

Miesbach – Transparent, fair, nah: So soll in der Öko-Modellregion in naher Zukunft Fleisch produziert werden. Das Interesse ist gegeben, es herrscht aber auch Skepsis.

Klaus Thurnhuber ist nicht nur Warngauer Bürgermeister und Dritter Landrat. Er ist auch federführend bei der Ökomodellregion dabei, und er ist Landwirt. Auf seinem Hof betreibt er Bio-Landwirtschaft. Und an der kontinuierlich steigenden Nachfrage nach seiner Milch merkt der Lokalpolitiker sehr unmittelbar, dass die Menschen zunehmend darauf achten, welche Lebensmittel sie kaufen, wo und vom wem diese produziert werden. Diesem „Trend für die Zukunft“, wie es Thurnhuber nennt, sollen auch die zwölf Projekte der Öko-Modellregion Miesbacher Oberland Rechnung tragen.

Die heimische Gastronomie, Hotellerie sowie der regionale Handel sollen mehr regionale Erzeugnisse anbieten, die den Erzeugern vor Ort auch fair bezahlt werden. „Es geht uns um mehr Regionalität, kurze Transportwege, Transparenz und wirtschaftliche Wertschöpfung vor Ort“, erklärt Thurnhuber. Dazu soll auch das Projekt mit dem Namen Miesbacher Weiderind-Produkte seinen Teil beitragen. Und es könnte den hiesigen Landwirten eine zusätzliche Option neben der Milchviehwirtschaft eröffnen.

Vater der Schlachthof-Idee: Klaus Thurnhuber.

Angedacht ist dabei auch der Neubau eines Schlachthauses beziehungsweise die Ertüchtigung und Modernisierung eines bestehenden. Es gebe in der Region nämlich eine ganze Reihe kleiner Schlachthäuser, die wegen der immer strengeren Vorschriften unrentabel geworden sind und schließen mussten. In der Folge hätten auch einige Metzger „Federn lassen und aufgeben müssen“. Thurnhuber: „Eine bestehende Schlachtstätte wieder wirtschaftlich zu machen, das wäre eine alternative Möglichkeit.“

Letztlich hänge diese Frage aber an den tatsächlichen Schlachtzahlen. Sollte sich herausstellen, dass es sehr großen Bedarf gibt, sei auch an einen Neubau zu denken. Wie die konkrete Nachfrage indes aussieht, das fragen Thurnhuber und Öko-Modellregionsmanagerin Marika Kinshofer gerade bei den Metzgern der Region ab. Dies ist bereits der nächste Schritt nach einer Infoveranstaltung Ende Juli, bei der die Planungen und Überlegungen vorgestellt wurden und die von den Beteiligten recht gut angenommen worden sei. 

Zusätzlich zu den Schlachtzahlen wollen Kinshofer und ihre Kollegen auch noch wissen, welche allgemeinen Voraussetzungen nach Meinung der Metzger gegeben sein müssten, damit sich diese ein genossenschaftlich geführtes Schlachthaus teilen. Auf ihrer Tour durch die Gemeinde- und Stadträte hatte Kinshofer Miesbach oder Hausham als möglichen Standort genannt. Doch noch ist da nichts spruchreif, schränkt Thurnhuber ein.

Etwas skeptisch, was die Erfolgsaussichten angeht, ist der Warngauer Metzger Josef Killer. Jedoch nicht, was die Vorteile eines Schlachthauses anbelangt. Die lägen auf der Hand. „Eine handwerkliche Schlachtung ist für die Tiere und die Qualität natürlich wesentlich besser“, sagt Killer, der selber schlachtet. Ob sich die Metzger aus der Region aber überzeugen lassen, daran hegt der Warngauer Zweifel. „Das interessiert unterm Strich schon jeden, solange der Preis passt. Der wird aber wohl höher ausfallen.“ Viele Metzger würden ja Fleisch zukaufen, natürlich zu recht guten Konditionen.

Die Planungen gehen dennoch allmählich voran. In einem weiteren Schritt, sagt Thurnhuber, sei eine Besichtigungsfahrt zu einem bestehenden Schlachthaus geplant. Anschließend wolle man ein konkreteres Vorkonzept erstellen. „Das soll so in zwei bis drei Monaten stehen. Wir wollen schon, dass da jetzt etwas vorwärts geht“, betont der Dritte Landrat, der leidenschaftlich hinter der Idee steht. Er ist überzeugt, dass der Verbraucher künftig mehr über die Herkunft seiner Lebensmittel wissen will. Dafür seien die Menschen auch bereit, tiefer in die Tasche zu greifen. „Wir sollten auf diesen Zug aufspringen.“

Die Umstellung gehe natürlich nicht von heute auf morgen, das sei den Beteiligten bewusst. Es sei aber an der Zeit, die Lebensmittelproduktion nachvollziehbar zu machen. „Wir müssen neue Wege gehen, und die Richtung stimmt. Wenn wir Wirtschaftskreisläufe wieder aufleben lassen, stärkt das unsere Region.“

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