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Die Teilnehmer der Info-Veranstaltung zum Projekt Inola lauschen im Miesbacher Bräuwirtsaal einem Vortrag von Annika-Kathrin Musch (r.) von der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Miesbach

Energiewende-Projekt Inola setzt auf machbare Schritte

Miesbach  Zugegeben: Die Holzhammer-Methode klingt verlockend. Genau 5532 Gigawattstunden Sonnenstrom könnte der Landkreis Miesbach pro Jahr maximal erzeugen. Knapp zwölf Mal so viel wie aktuell verbraucht wird.

„Da müssten wir aber alle Freiflächen mit Fotovoltaik-Modulen zuklatschen“, sagt Elisabeth Freundl von der Energiewende Oberland (EWO). Eine Vorstellung, die nicht mal hartgesottenen Energiereformern gefallen dürfte. Ganz zu schweigen von den Touristikern, die mit einem solchen Landschaftsbild wohl kaum mehr Urlauber in den Landkreis locken könnten.

Das Beispiel mag weit hergeholt klingen, bringt aber den Kern der Diskussion auf den Punkt. Es zeigt, dass die Energiewende in der Realität angekommen ist. Und es wirft Fragen auf: Wie viel regenerative Quellen können und will man anzapfen – und zu welchem Preis? Was sagen die Akteure aus Wirtschaft, Tourismus und Politik? Und was muss passieren, damit auch die Bürger mitziehen?

Die Antworten darauf sucht ein 60-köpfiges Team aus Forschern der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Hochschule Kempten und des ifo-Instituts in Zusammenarbeit mit der EWO und den Stadtwerken Bad Tölz im Projekt Inola. Seit 2015 arbeiten sie daran, den abstrakten Namen „Innovationen für ein nachhaltiges Land- und Energiemanagement auf regionaler Ebene“ für die EWO-Landkreise Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen und Weilheim-Schongau mit Leben zu füllen. Die ersten Ergebnisse für Miesbach hat das Team nun bei einer Veranstaltung im Bräuwirtsaal vor gut 50 Teilnehmern präsentiert.

Schon die Daten aus der Ist-Analyse zeigen, dass der Landkreis seine Klimaziele noch lange nicht erreicht hat. Gut 14,4 Prozent des Stroms wurden hier 2014 regenerativ erzeugt – deutlich weniger als auf Landes- (36,2 Prozent) oder Bundesebene (27,4 Prozent). Noch schlechter steht die Region im Vergleich mit dem gesamten EWO-Gebiet ab. Hier stammen sogar 47,9 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen.

Anders als die Landkreise im Westen kann Miesbach nicht auf Wasserkraftwerke wie am Sylvensteinspeicher oder am Walchensee zurückgreifen. Aber auch in Sachen regenerativer Wärmeerzeugung hinkt der Landkreis mit 9,9 Prozent hinter dem EWO-Gebiet (13,8), Bayern (19,6) und Deutschland (12,5) hinterher.

Also doch alles mit Fotovoltaik zupflastern und so die Bilanz auf einen Schlag aufpolieren? Die Antwort der Inola-Teilnehmer fiel eindeutig aus: nein. Stattdessen diskutierten sie anhand von vier Zukunftsszenarien, wohin sich der Landkreis bis 2045 entwickeln soll – und kann.

Der Wunschkandidat war schnell gefunden: „Nachhaltigkeit schafft Werte.“ Heißt konkret: Die Region ist komplett unabhängig von fossilen Energieträgern und hat damit auch noch wirtschaftlichen Erfolg. Schön, aber nicht allzu realistisch, lautete das Fazit bei der Konferenz.

Für machbarer stuften die Teilnehmer hingegen das Szenario „Das Wachstum geht weiter“ ein. Hier bestimmt der wirtschaftliche Erfolg, wie weit die Energiewende vorankommt. Das Motto: „Ausbau von erneuerbaren Energien, soweit es sich lohnt.“ Immer noch besser als die Visionen drei „Kein Land in Sicht“ (eine Krise tötet jegliches Wachstum ab) oder vier „Krise motiviert regionale Kräfte“ (eine gemeinsame Kraftanstrengung bewirkt Innovationen auf regionaler Ebene), die beide die wenigsten Stimmen abbekamen.

So weit, so gut. Doch wie will der Landkreis sein Wunschziel erreichen? Das herauszufinden, hat sich das Inola-Team als nächste Aufgabe vorgenommen. In engem Austausch mit den Bürgern – auch eine Umfrage ist geplant – sowie mit Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Tourismus wollen die Forscher machbare Meilensteine festklopfen. Bis das regionale Konzept fertig ist, wird es laut Freundl voraussichtlich noch drei Jahre dauern. Besser – und vor allem nachhaltiger – als die Holzhammer-Methode sei es jedoch allemal.

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