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Die Geschäfte im Fokus: Die Läden in der Miesbacher Innenstadt – hier ein Schaufenster an der Fraunhoferstraße – können sich für einen kostenlosen „Store-Check“ bewerben. Experte Christian Bitter gibt Tipps.

"Weniger ist mehr im Schaufenster"

Experte im Interview: So sollten Miesbachs Läden aussehen

Miesbach - Ob ein Kunde einen Laden betritt, entscheidet sich meist schon am Schaufenster. Wie die in der Miesbacher Innenstadt aussehen sollten, erklärt Experte Christian Bitter im Interview.

Die einen wirken leer und trostlos, die anderen sind zum Bersten mit Ware gefüllt. Wie in jeder Einkaufsstadt sind auch in Miesbach die Schaufenster höchst unterschiedlich gestaltet. Das Ladeninnere erst recht. Was die Kunden oft nur unbewusst als „schön“ oder „nicht schön“ registrieren, ist für die Experten der CIMA Beratung und Management GmbH mit Sitz in München ein entscheidender Faktor für den Verkaufserfolg. Finanziert von der Günther-Rid-Stiftung für den Einzelhandel bietet das Unternehmen jedes Jahr ein Kontingent an kostenlosen Beratungen an. Drei der sogenannten Store-Checks verlost die Standortmarketinggesellschaft (SMG) Landkreis Miesbach nun unter den Geschäften in der Miesbacher Innenstadt. Wir haben bei Stadtplaner und Projektleiter Christian Bitter (51) nachgefragt, was die Ladeninhaber bei den Store-Checks erwartet und wie sie davon profitieren können.

Herr Bitter, wie ist Ihr erster Eindruck von der Miesbacher Innenstadt?

Bitter: Positiv. Ich würde Miesbach als gut funktionierende Einkaufsstadt bezeichnen. Ich habe viele schöne Läden gesehen, gerade im Bereich Bekleidung und Tracht. Zumindest im Kernbereich habe ich keine größeren Leerstände festgestellt. Das sieht in anderen ländlichen Regionen schon ganz anders aus. Miesbach ist als Einkaufsort in der Region etabliert, die Kundenfrequenz ist gegeben. Das Kind ist also noch nicht in den Brunnen gefallen.

Wofür braucht’s dann überhaupt eine Beratung?

Bitter: Man kann immer etwas verbessern. Die Struktur der Innenstadt alleine sagt ja noch nichts darüber aus, wie die einzelnen Läden laufen. Die Betreiber müssen auf die guten Voraussetzungen aufbauen und diese auch nutzen. Wie ihnen das gelingt, wollen wir bei unseren Store-Checks herausfinden. Und ihnen erklären, was sie noch verbessern können.

Wie schonungslos fällt Ihre Kritik denn aus?

Bitter: Kritik ist eigentlich nicht das richtige Wort. Wir sind ja keine Wirtschaftsprüfer oder Unternehmensberater und schauen auch nicht in die Bücher. Vielmehr versuchen wir, den Laden aus Kundensicht zu beurteilen – natürlich mit der Brille des Fachmanns. Wir starten draußen mit der Fassade und bewegen uns dann über die Schaufenster nach innen. Nach dem gut einstündigen Besuch erarbeiten wir eine ausführliche Checkliste mit konkreten und vor allem individuell umsetzbaren Empfehlungen.

Wird der Ladeninhaber denn vorher über Ihren Besuch informiert?

Bitter: Selbstverständlich! Wir kommen nicht unangemeldet und erst recht nicht verdeckt, sondern machen unseren Rundgang gemeinsam mit dem Betreiber. Oft hat der ja gute Gründe, warum er ein bestimmtes Konzept verfolgt. Trotzdem gibt es gewisse Grundregeln, die eigentlich für jedes Geschäft gelten.

Zum Beispiel?

Bitter: Weniger ist mehr. Ein Motto, das sowohl für die Schaufenster zutrifft, als auch für den Laden selbst. Ein Geschäft sollte nicht wie ein überfülltes Lager wirken, sondern seine Besonderheiten im Sortiment bewusst und für den Kunden sichtbar hervorheben. Das gelingt zum Beispiel durch eine spezielle Beleuchtung mit LED-Spots. Schön ist es auch, wenn ein Schaufenster nach hinten offen ist, damit die Leute in den Laden hineinschauen können.

Das ist aber in Miesbach nicht immer der Fall.

Bitter: Nicht nur in Miesbach, sondern auch in den meisten anderen Städten. Gerade Versicherungsagenturen oder Bankfilialen siedeln sich gerne in Erdgeschossflächen an. Da sie Dienstleistungen verkaufen, können sie natürlich keine Waren ausstellen. Ähnlich verhält es sich mit Arzt- oder Physiotherapiepraxen, die ihre Behandlungsräume mit einem Vorhang abschirmen. Solange das im Stadtbild nicht überhand nimmt, ist es aber kein Problem.

Ihre Beratung richtet sich also vorwiegend an die klassischen Einzelhändler?

Bitter: Genau. Oft ist es gar nicht so leicht, die richtigen Kandidaten zu erreichen. Meist melden sich Ladenbetreiber, die ohnehin schon gut aufgestellt und deshalb Neuem gegenüber von Haus aus aufgeschlossen sind. Das größte Potenzial schlummert aber in Geschäften, die ihr Konzept seit Jahren nicht verändert haben. Genau die wollen wir mit dem Store-Check in Miesbach erreichen. Und die können auch am meisten davon profitieren.

sg

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