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Ehrwürdiges Museumsstück: Manfred Hartl, Vorsitzender des Film- und Videoclubs, mit einem Bauer T 10 8 Millimeter Filmprojektor von 1957. Viele weitere solcher Schätze schlummern in den Hobbykellern und Garagen der Vereinsmitglieder. „Unsere Frauen schlagen bei so viel Glump die Hände überm Kopf zusammen“, sagt er.

Ausstellung im Bräuwirt

Sie lieben Filme

Miesbach - Seit 40 Jahren widmen sich die Mitglieder vom Miesbacher Film- und Videoclub allem, was Erlebnisse analog oder digital konserviert.

Das Licht im Nebenzimmer des Miesbacher Bräuwirts ist schummrig gedimmt, mit einem Klicken läuft ein alter Filmprojektor an und wirft den Kurzfilm „Fahrraddiebe“ an die mobile Leinwand. Der Fünfminüter handelt von einem „echten Bajuwaren“, der sein Radl vor dem Bräuwirt abstellt, wo es gestohlen wird, während er sich eine Halbe genehmigt. Der Dieb bringt das Fahrrad wieder zurück zum Wirt, weil ihn seinerseits der Durst überkommt. Dort begegnet der Langfinger dem Besitzer des Rades, der jedoch keinen Schimmer davon hat, was mit seinem Drahtesel in der Zwischenzeit geschehen ist.

Club-Film wurde in Volkshochschulen nachgedreht

Dieser Streifen ist der Stolz von Manfred Hofmeier, dem Initiator des Miesbacher Film- und Videoclubs, der nun sein 40-jähriges Bestehen mit einer Ausstellung und einem Austausch unter Experten feierte. „Der Film wurde in Volkshochschulen in der ganzen Republik nachgedreht“, freut sich der 66-Jährige. Außerdem schaffte er es bis zu den Weltfestspielen des Amateurfilms – eine wertvolle Anerkennung.

Eine 500 Gramm-Kamera war das Nonplusultra

Doch zurück zum Anfang. Es ist 1976, der Saal im Lokal Wienerwald am Stadtplatz (Nebenzimmer des heutigen griechischen Restaurants Meteora) ist gut gefüllt. Elf Männer aus Miesbach und Umgebung beschließen, einen Club zu gründen und die faszinierende Filmtechnik für die Nachwelt zu erhalten. Zu diesem Zeitpunkt sind Super-8-Kameras Stand der Technik. Die Firma Agfa hat einige Zeit zuvor etwa das Modell Microflex 300 auf den Markt gebracht – mit rund 500 Gramm Gewicht, innovativster Technik und formschönem Design das absolute „Nonplusultra“, schwärmt Hofmeier. „Einfach ein Riesenrenner“, sagt der ehemalige Landratsamtsmitarbeiter und lacht. „Hype hat man ja damals noch nicht gesagt“. Von da an ging es steil bergauf mit dem Verein, erinnert sich Manfred Hartl, aktuell Vorsitzender des Vereins und naturgemäß ebenso Technik-Freak wie all seine Mitstreiter. Ach ja, auch Mitstreiterinnen gab es schon in der langen Geschichte des Vereins. Doch die einzigen beiden Frauen, die sich für die Materie begeistern konnten, sind inzwischen verstorben.

Gegenseitiger Austausch war immer Ziel des Vereins

Damals, in den Siebzigern, standen die Männer gerade vor oder kurz nach der Familiengründung. „Wir wollten dann natürlich unsere Kinder im Bild festhalten und haben uns entsprechend mit Filmausrüstung versorgt“, erzählt der 68-jährige Hartl freudestrahlend. Und wie es eben so ist mit der Technik, bereitet sie gerne auch mal Probleme. „Gegenseitige Hilfe und der Austausch waren also immer auch ein Ziel unseres Vereins. Er war stets eine tolle Quelle, um sich zu informieren und Wissen zu sammeln.“

Von 38 Mitgliedern in der Blütezeit sind neun übrig geblieben

38 Mitglieder zählte der Club in seiner Blütezeit Mitte der 90er-Jahre. „Inzwischen sind leider gerade einmal neun davon übrig geblieben“, bedauern Hartl und Hofmeier. Woran das liegt? „Heute meint jeder, die Technik zu verstehen“, vermutet Hartl. Hinzu kämen natürlich die generelle Vereinsmüdigkeit und die aktuelle Filmtechnik in Mobiltelefonen und à la GoPro, die narrensicher sei und kaum mehr eine Nachbearbeitung erfordere.

Apropos Technik. Der haben sich die Tüftler gleichermaßen verschrieben. Schärfste 4-K-Auflösung, Drohnen und digitaler Filmschnitt am Computer faszinieren die Männer keinen Deut weniger. „Obwohl es schon großartig ist, dass alte Aufnahmen noch so eine starke Aussage rüberbringen, auch wenn sie technisch natürlich nicht ansatzweise mithalten können“, sagt Hofmeier.

"Früher waren die Leute nicht so übersättigt."

Ein wenig sehnt sich der Rentner schon zurück in die Zeit, als die Menschen noch vor einem Neckermann-Schaufenster mit einer Kamera stehengeblieben sind, und ganz perplex waren, dass sie sich selbst in einem Bildschirm betrachten konnten. „Die Leute waren damals noch nicht so übersättigt.“

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