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Zeigt her Eure Noten: Wolfgang Beil und sein Enkel Maximilian Razeghi vergleichen in einem Klassenzimmer der Grundschule Miesbach ihre Viertklass-Zeugnisse.

Maximilian Razeghi (10) und Wolfgang Beil (73) verraten ihre Noten

Opa gegen Enkel: Der große Zeugnisvergleich

Miesbach - Früher war alles besser? Auch die Schulnoten? Eltern und Großeltern sollen dies ja gerne mal behaupten. Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht.

Den Dreier in Kunst, den hätte es doch wirklich nicht gebraucht. Ach ja, in Deutsch ist auch noch ein bisschen Luft nach oben. Viele Schüler werden sich am heutigen Zeugnistag wieder mit diesen Sätzen auseinandersetzen müssen, wenn die Eltern und Großeltern ihre Zeugnisse unter die Lupe nehmen. „Ihr wart doch früher auch nicht besser“, lautet da eine beliebte Schüler-Antwort. Die Probe aufs Exempel scheitert meist daran, dass die Erwachsenen angeblich ihre Zeugnisse nicht zur Hand haben. Bei Maximilian Razeghi (10) aus Miesbach ist das anders. Sein Opa Wolfgang Beil (73) ist tapfer – und stellt sich auf Einladung unserer Zeitung dem Notenvergleich. Beide haben die vierte Klasse in der Grundschule Miesbach besucht und – so viel sei verraten – beide müssen ihr Zeugnis nicht verstecken.

Das Betragen

„Da siehst Du mal“, sagt Beil, deutet auf das Papier vor ihm und klopft seinem Enkel schmunzelnd auf die Schulter. „Ich war ein sehr braver und fleißiger Bub.“ Maxi schaut neugierig in die Beurteilung von Opas Zeugnis aus der vierten Klasse. Tatsächlich steht da: „Ein sehr braver und bescheidener Bub, der mit lobenswertem Eifer seine Pflichten erfüllt.“ Maxi bleibt gelassen – und deutet lächelnd auf die Beurteilung in seinem Übertrittszeugnis. „Der freundliche Schüler beweist allen Mitschülern und Lehrern sehr höfliches und tolerantes Verhalten“, heißt es da. Eine glatte Eins. Anders als bei seinem Opa haben die Lehrer den Zehnjährigen gleich in zwei Kategorien beurteilt: in Sozial- sowie in Lern- und Arbeitsverhalten. Beil nickt anerkennend. Es hat sich doch einiges verändert, seit er 1949 in die erste Klasse der Knabenschule gekommen ist. „Da waren Buben und Mädchen noch getrennt“, erzählt er. Sein Enkel kann sich das gar nicht vorstellen. „Wir machen sogar Sport gemeinsam“, sagt er.

Die Noten

Apropos Sport: Da erzielt Maxi den ersten Punktsieg gegen seinen Opa. Er hat eine Eins, bei Beil hat’s nur zu einer Zwei gereicht. „Sport ist mein Lieblingsfach“, sagt Maxi stolz. Egal ob Laufen, Bockspringen oder Basketball: Der Zehnjährige ist überall gut. Auch mit seiner Zwei in „Rechnen und Raumlehre“ macht Beil keinen Stich gegen seinen Enkel. Dafür war der 73-Jährige in der vierten Klasse gut bei Stimme. Seine Eins in „Singen“ kann Maxi zumindest notentechnisch nicht übertönen. Er hat eine Zwei in Musik. Gleichauf sind die beiden mit ihren Zweiern in Heimat- und Sachkunde und Deutsch sowie den Einsern in Religion. Ach ja, einen Ausreißer gibt’s doch: Beils Dreier in Schrift. „Ich kann mich nicht erinnern, wie es dazu gekommen ist“, sagt er schmunzelnd.

Die Belohnung

Zeugnistag ist Zahltag. Dieses Motto hat bei den Familien Razeghi und Beil Tradition. Nur die Tarife sind unterschiedlich. Während Maxi für jeden Einser zwei Euro und für jeden Zweier einen Euro Taschengeld-Bonus einstreicht, konnte bei seinem Opa der Schuss auch mal nach hinten losgehen. Er bekam für jede Eins eine Mark, für jede Zwei 50 Pfennig. Beim Dreier gab’s nichts und – Achtung: „Beim Vierer ging’s ins Minus“, erzählt Beil und lacht. Zumindest bei seinem Viertklass-Zeugnis musste der 73-Jährige aber nicht draufzahlen.

Der Ansporn

Belohnung hin oder her: Sowohl Maxi als auch sein Opa haben sich nicht nur wegen des Taschengelds in der Schule angestrengt. Auch die Leistungen ihrer Geschwister beflügelten ihren Lerneifer. Während sich Beil mit zwei älteren Brüdern messen musste, ist Maxis Ansporn seine ältere Schwester. Und die war in der vierten Klasse richtig gut. Mit einem Schnitt von 1,0 im Übertrittszeugnis legte sie die Messlatte richtig hoch. „Das wollte ich auch schaffen“, sagt Maxi. Am Ende ist eine 1,33 herausgekommen. Sein großes Ziel hat der Zehnjährige damit trotzdem locker erreicht. Er darf im kommenden Schuljahr aufs Gymnasium. Ehrensache, meint Maxi: „Bei uns in der Familie war eigentlich jeder auf dem Gymnasium.“ So ist das eben in einer Familie voller Musterschüler.

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