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Erhöhte Aufmerksamkeit: Sandra Peters Wolfsspitzhündin Kyra hat möglicherweise einen mutwillig ausgelegten Giftköder gefressen. Jetzt ist ihr Frauchen beim Gassi-Gehen besonders aufmerksam.

Hundebesitzer schlagen Alarm

Giftangst beim Gassi-Gehen: Waren es Köder?

Miesbach/Hausham - Beim Gassigehen in Miesbach und Hausham geht derzeit die Angst mit. Drei Hunde mit plötzlichen Blutungen sind in die Praxis von Elisabeth Lickteig gekommen.  Der Verdacht: Giftköder.

Kyra hatte Glück. Großes Glück. Und ein aufmerksames Frauchen. Es war sechs Uhr früh, als Sandra Peter vom Zeitungsaustragen nach Hause kam. Was sie dann in ihrem Wohnzimmer vorfand, lässt sie auch mit ein paar Tagen Abstand noch erschaudern. Ein großer roter Fleck auf dem Fußboden. Blut. Peter reagierte prompt und suchte nach ihren beiden Hunden. Bei Wolfsspitzdame Kyra wurde sie fündig. Die dreijährige und bis dahin kerngesunde Hündin hatte Blut erbrochen. „Ihre Ohren waren ganz kalt, ihr Zahnfleisch blass“, erinnert sich Peter. Sie arbeitet als Helferin bei der Miesbacher Tierärztin Elisabeth Lickteig, wusste daher sofort, was zu tun ist. Ohne zu zögern fuhr sie mit Kyra in die Praxis. Lickteig machte einen Blutgerinnungstest und spritzte Vitamin K. Die Behandlung schlug sofort an, Kyra erholte sich schnell.

Beides untrügliche Anzeichen für einen schrecklichen Verdacht: Rattengift. Cumarin heißt der Wirkstoff, der die Blutgerinnung verhindert und die Tiere bei der kleinsten Verletzung verbluten lässt. Nicht nur Nager, sondern auch Hunde. Und Kyra ist nicht die einzige, die einen der möglicherweise mutwillig ausgelegten Köder gefressen hat. Zwei weitere Hundebesitzer aus Miesbach und Hausham haben Lickteig in den vergangenen Tagen aufgesucht. Einer zeigte dieselben Symptome wie Kyra, und auch diesen rettete die Tierärztin in letzter Minute.

Für den Westhighland-Terrier einer Miesbacherin kam jedoch jede Hilfe zu spät. „Die Besitzerin hat ihn tot zu mir in die Praxis gebracht“, sagt Lickteig. „Er ist vermutlich im Auto gestorben.“ Die Ursache auch bei dieser vorher vollkommen gesunden Hündin: plötzliche Blutungen. Leider innerlich, so dass dies zuerst nicht aufgefallen war. „Das Tückische am Rattengift ist, dass die Symptome manchmal erst Wochen später einsetzen“, erklärt Lickteig. So könnten die Besitzer oft nicht mehr nachvollziehen, wo ihr Hund den vergifteten Köder gefressen hat.

Auch Peter kann darüber nur mutmaßen. Sie geht aber davon aus, dass es rund um den Haushamer Friedhof passiert sein muss. Eine andere Hundebesitzerin habe ihr berichtet, dass sie dort Weißwurststücke auf dem Boden gesehen habe. Auch von Ködersichtungen an der Mangfall von Poschmühl in Richtung Miesbach, an der Esso-Tankstelle in Miesbach sowie an der Schlierach in Hausham hat Peter gehört. Alles beliebte Wege beim Gassigehen. Und damit potenzielle Anschlagsziele für Hundehasser. Auch Lickteig hat etwas beobachtet. Abends am Schlierachweg in Miesbach hatte ihre Chihuaha-Hündin plötzlich ein Stückchen Wienerwurst im Maul. „Sie hat es zum Glück noch nicht geschluckt, weil es zu groß war“, erklärt die Tierärztin.

Trotz aller Anzeichen warnt sie vor vorschnellen Schlüssen. Zwar sei es „sehr wahrscheinlich“, dass die von ihr behandelten Hunde vergiftet worden seien, mit abschließender Sicherheit könne man das aber erst nach einer toxikologischen Untersuchung sagen. Weil die aber schnell mehrere hundert Euro kosten könne, würden die meisten Tierbesitzer davor zurückschrecken. Das beobachtet auch der Haushamer Tierarzt Jens Pohl. „Der Verdacht auf Hundeköder wird wesentlich öfter geäußert, als dass sie tatsächlich nachgewiesen werden“, sagt er. In seiner Praxis habe sich aber bis dato niemand gemeldet. Ebensowenig bei der Polizeiinspektion Miesbach. Auf Nachfrage unserer Zeitung rät ein Beamter aber, bei einem Köderfund umgehend die Polizei zu verständigen. „Wir schauen uns das dann nach Möglichkeit selbst an.“ Die Miesbacherin, deren Hündin gestorben ist, hat indes bereits Anzeige erstattet.

Auch wenn noch nichts beweisen ist: Die vorliegenden Verdachtsfälle reichen aus, um die Hundebesitzer in Miesbach um Hausham zu verunsichern. Die Angst vor einem Hundehasser geht um. Tierärztin Lickteig nimmt sich nicht aus. „Mich kann es genauso treffen wie jeden anderen auch“, sagt sie. Ihren Chihuahua lässt sie daher vorerst nur noch in den Garten. Absolute Sicherheit biete aber nur ein Maulkorb oder ein Anti-Giftköder-Training. Ansonsten gelte: Wachsam sein und bei den ersten Symptomen sofort zum Tierarzt.

Da muss auch Kyra noch regelmäßig hin. Ihr Immunsystem ist geschwächt, sie muss weiter Tabletten schlucken. Ihr Frauchen wählt vorerst andere Orte zum Gassigehen – und rätselt, wer einem Tier so etwas antun kann. Sie könne ja verstehen, wenn sich die Leute über Hundehaufen am Wegesrand stören. „Daran sind aber nicht die Hunde Schuld, sondern die Besitzer“, sagt sie. Die möglichen Giftköder bereiten ihr übrigens nicht nur wegen ihrer Hunde Sorgen, sondern auch wegen spielender Kinder. „Die stecken sowas ja auch in den Mund.“

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