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Kostprobe vor dem Kessel: Hopf-Geschäftsführer Tilo Ruttmann (l.) und Braumeister Robert Weizbauer genehmigen sich im Sudhaus an der Miesbacher Schützenstraße eine Halbe.

Große Übersicht zu 500 Jahre Reinheitsgebot

Das sind die Biermeister im Landkreis

Landkreis - Geht man nach den Zutaten, die das Reinheitsgebot für Bier erlaubt, müsste die Brauereilandschaft im Landkreis ziemlich eintönig aussehen. Tut sie aber nicht, wie unser großer Überblick zeigt.

Lange Zeit waren die Maßkrüge verteilt. Wer im Landkreis mit einheimischem Bier anstoßen wollte, musste sich zwischen drei Marken entscheiden. Eine eher spärliche Auswahl, wenn man bedenkt, dass in den ersten Jahrhunderten nach dem Erlass des Reinheitsgebots durch die Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X im Jahr 1516 unzählige kleine Braumeister ihr Glück mit dem Gerstensaft versuchten. Hat sich das Reinheitsgebot etwa doch als „Einheitsgebot“ entpuppt, wie viele Kritiker behaupten? Genau 500 Jahre später kann man sagen: nein. Nicht nur die drei großen Brauereien im Landkreis füllen heute eine Vielzahl an Sorten ab. In ihrem Schatten haben sich sogar zwei neue, junge Brauhäuser entwickelt. Zeit für einen Überblick über die Biermeister im Landkreis.

Die Großen

Sie sind die Platzhirsche im Landkreis. Sie beliefern nicht nur die Gasthöfe und Wirtschaften vor Ort, sondern exportieren ihre Biere nach ganz Deutschland. Teilweise stoßen sogar Trinkfreudige auf anderen Kontinenten mit ihrem Gerstensaft an. Gemeint sind die drei großen Brauhäuser, die sich zumindest räumlich gleichmäßig auf den Landkreis verteilen: das Herzoglich Bayerische Brauhaus in Tegernsee, die Weißbierbrauerei Hopf in Miesbach und die König Ludwig-Brauerei in Holzkirchen.

Wer auf die längste Geschichte zurückblickt, lässt sich nicht abschließend klären. Das Brauhaus Tegernsee jedenfalls geht davon aus, dass beim Erlass des Reinheitsgebots „am Ostufer des Tegernsees bereits 500 Jahre lang Bier gebraut wurde“ – wenn auch zuerst nur für den klösterlichen Eigenbedarf. Die Benediktinermönche selbst beschränkten sich jedoch auf Wein, wie Willibald Mathäser, Ordensbruder und Verfasser der „Chronik vom Tegernsee“, schreibt. „Das Gebräu war für die Gäste in der Klosterherberge und für die Untertanen bestimmt.“ Der Titel „Königlich Braunes Brauhaus Tegernsee“ taucht 1803 erstmals in den Geschichtsbüchern auf. Ab 1817 baute der bayerische König Max I. Joseph die säkularisierte Klosteranlage zur Sommerresidenz aus.

Heute beschäftigt die Brauerei 72 Mitarbeiter, die am Firmensitz in Tegernsee und im 2012 eingeweihten Produktions-, Abfüll- und Logistikgebäude im Gmunder Gewerbegebiet an der Kreuzstraße untergärige Biere herstellen. Neben klassischen Sorten wie Helles, Dunkles, Pils oder Spezial verlassen auch drei teils saisonale Sonderkreationen das Werk. Den Ausstoß will das Brauhaus übrigens nicht bekanntgeben. Im Tegernseer Bauausschuss war 2014 aber von einer täglichen Produktionsmenge von 1500 Hektolitern die Rede. Das dürfte kaum weniger geworden sein. Hat doch das Tegernseer Brauhaus inzwischen Weltruf, und wird von Berlin bis Hamburg in ganz Deutschland gezapft.

Auch das König Ludwig Brauhaus Holzkirchen äußert sich nicht zu dieser Frage. Begründung: Durch die weiteren Standorte in Fürstenfeldbruck, Schloss Kaltenberg und Thannhausen sei eine Angabe nur für Holzkirchen nicht möglich. Den Status als Zweigstelle von König Ludwig besitzt die Brauerei übrigens erst seit 2007. Vorher war das Holzkirchner Oberbräu ein eigenständiges Unternehmen – mit einer langen Geschichte. Bereits 1605 verlieh der Tegernseer Abt dem damals am Marktplatz ansässigen Betrieb das Braurecht. Unrühmlich dann das vorläufige Ende des Oberbräu. Weil die Immobilienfirma von Inhaber Fritz Wochinger insolvent wurde, kaufte König Ludwig den Oberbräu 2007 auf. Zuvor produzierten hier 40 Mitarbeiter gut 40 000 Hektoliter Bier im Jahr. Heute sind es 17 Angestellte, die in Holzkirchen fünf Sorten Helles, Weißbier und Pils brauen und bis nach Österreich ausliefern.

Aufs Weißbier spezialisiert ist dagegen die Miesbacher Brauerei Hopf – und das schon seit ihrer Gründung im Jahr 1892. Die Familie Hopf, die den Betrieb 1921 übernahm, führte die Tradition fort und baute die Brauerei weiter aus. Heute stellen 22 Mitarbeiter insgesamt zehn obergärige Weißbier-Sorten an der Miesbacher Schützenstraße her – darunter helles, dunkles und leichtes Weißbier sowie insgesamt vier saisonale Sorten wie den Weißen Bock. Bemerkenswert auch die internationale Ausrichtung. Neben Österreich, Italien, Frankreich und England verkauft Hopf seine Biere auch nach Russland, Kanada, Malaysia und in die USA. Als einzige der drei großen Brauereien im Landkreis gibt Hopf übrigens auch ihren Ausstoß bekannt. 45 000 Hektoliter Weißbier werden jedes Jahr an der Schützenstraße abgefüllt.

Die Kleinen

Ihre Sorten heißen „Wuide Hehna“, „Wuida Hund“ oder „Mariensteiner Export Hell“. Ihre ersten Brauversuche haben sie in einer Gartenhütte oder in der Garage ihrer Eltern unternommen. Gleich zwei junge Brauereien sind in den vergangenen Jahren im Landkreis entstanden: das Waakirchner Hoppebräu und das Mariensteiner Brauhaus. Sie reihen sich ein in den weltweiten Trend zum sogenannten „Craft Beer“. Ihre Mission: kreative Sorten, rein handwerklich gebraut – und vor allem: unabhängig von Großkonzernen.

Markus Hoppe hat 2010 damit angefangen. Zuerst stellte sich der 26-jährige gelernte Bierbrauer nur für Freunde oder Familie an den Braukessel. Im großelterlichen Haus experimentierte er mit den wildesten Bier-Kreationen. Heute sind aus Ingwer-, Chili- und Pfefferminzbier sechs verschiedene Sorten geworden. Eins haben seine neuen Sorten wie Pale Ale, Amber Ale und Lager gemeinsam: die wilden Namen wie „Wuidsau“, „Vogelwuid“ oder „Fuchs Teufelswuid“. Wenn er mit einem Rezept zufrieden ist, mietet sich Hoppe in eine Brauerei ein und füllt dort seine Biere in größerer Menge ab. Seit 2013 gibt es das „Hoppebräu“ deutschlandweit zu kaufen. Sogar Läden in Innsbruck und Mailand bestellen mittlerweile in Waakirchen.

Keine drei Kilometer weit weg tüfteln Sebastian (31) und Martin Schwind (27) mit Hopfen und Malz. Die Brüder haben ihre ersten Brauversuche 2008 im Keller ihrer Eltern unternommen. Fünf Jahre später haben sie ihr Gartenhaus zu einer kleinen Brauerei ausgebaut. Noch im selben Sommer erreichten sie einen Ausstoß von 200 Hektoliter pro Jahr. Mittlerweile brauen sie in München – um die ständig steigende Nachfrage nach ihrem „urbayerischen“ hellen und dunklen Weißbier sowie ihrem hellen Export bedienen zu können. Aktuell haben die Brüder ihr Portfolio auf zwei Sorten zurückgefahren. Sie planen einen Neubau.

Schon seit 1989 braut der Weyarner Gerhard Dietl sein eigenes Bier. Drei Sorten stellt er im Sudhaus im ersten Stock seines Gewerbegebäudes in Bruck her: ein Export Hell, ein Weißbier und ein dunkles Weißbier. Gut 300 Hektoliter Dietl Bräu lässt er jedes Jahr bei einer Brauerei in Niederbayern abfüllen. Die Flaschen wandern dann zurück nach Weyarn, wo sie der gelernte Brautechniker in seinem Getränkemarkt verkauft. Kostendeckend, wie er betont. Ein größeres Vertriebsnetz will er sich nicht aufbauen. „Ich bin zufrieden“, sagt Dietl.

Das Museum

Während die großen Brauereien in aufwändigen Marketingbroschüren in ihrer langen Geschichte schwelgen, wird in Fischhausen jeden Freitag nach altbewährter Tradition gebraut. 2008 hat das Markus Wasmeier Freilichtmuseum seine aus Feldkirchen transferierte Brauerei in Betrieb genommen. Brau- und Wirtshaus wurden ursprünglich 1734 erbaut – und genau wie damals entstehen hier Märzen, Bock- und Whiskybier im sogenannten Schöpfverfahren. 300 Hektoliter füllt Museumsbrauer Olaf Krüger pro Jahr in die Holzfässer. Getrunken wird das „Hoamat Bayern Museumsbier“ auch in Österreich, Italien und sogar in Grönland und der Ukraine.

Ob groß oder klein, klassisch oder „vogelwuid“: Alle Braumeister im Landkreis stellen ihre Biere selbstverständlich nach dem Reinheitsgebot her. Für sogenannte „besondere Biere“ dürfen sie dabei auch auf Gewürze und Früchte zurückgreifen. Doch selbst wenn sie sich auf die Zutaten von vor 500 Jahren beschränken: Dank verschiedenster Arten von Malz und Hopfen sind ihrer Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Der Test

So viel Biervariation schmeckt freilich auch sehr unterschiedlich. Vom süffigen Hellen, übers hopfige Ale bis zum bananig-nelkigen Weißbier. Aber wie schmeckt welches Bier genau? Und wo ist jetzt der geschmackliche Unterschied zwischen hellem und dunklem Hopf Weißbier sowie Holzkirchner und Tegernseer? Wir haben gemeinsam mit einem amtlichen Biersommelier sämtliche Landkreisbiere getestet. 

Hier gibt's Bilder zu alle anderen Brauereien im Landkreis 

Das sind die Biermeister im Landkreis

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