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Einig in ihrer Einschätzung der aktuellen Lage: (v.l.) Martin Mihalovits von der Kreissparkasse und Hubert Stehr von der Raiffeisenbank im Oberland.

"Erschreckend, wie viel Geld einfach nur auf dem Konto liegt"

Die Landkreis-Bank-Chefs im großen Interview

Landkreis – Die Banken-Chefs Martin Mihalovits (Kreissparkasse) und Hubert Stehr (Raiffeisenbank) über die Notwendigkeit von Geldanlagen, finanzielle Bildung und Imagefragen.

Streng genommen sind sie Konkurrenten, doch ihr Umgang ist freundschaftlich. Das Geschäftsgebiet biete genügend Platz für beide, finden Martin Mihalovits (47), Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse, und sein Amtskollege Hubert Stehr (57) von der Raiffeisenbank im Oberland. 

Seit knapp einem Jahr teilen sich beide Banken in Miesbach nicht nur eine SB-Stelle mit Geldautomaten und Kontoauszugsdruckern, auch in anderer Hinsicht machen sie jetzt gemeinsame Sache: Kreissparkasse und Raiffeisenbanken im Landkreis haben zusammen einen Informationsabend zum Thema Geldanlage initiiert. Im Gespräch mit unserer Zeitung, die auch Medienpartner der Veranstaltung ist, verraten sie die Hintergründe.

Herr Mihalovits, Herr Stehr, Ihre Gemeinschaftsaktion ist im weiteren Umkreis ziemlich einmalig. Was veranlasst zwei Wettbewerber dazu, Seite an Seite aufzutreten und über das Thema Geldanlage zu informieren?

Stehr: Ganz klar die lang anhaltende Niedrigzinsphase, die erhebliche Auswirkungen auf die Sparer hat. Wir wollen auf der Veranstaltung zeigen, dass man auch und erst recht unter diesen Umständen Geld sinnvoll anlegen kann und muss. Auch kleinere Beträge. Wir wollen an diesem Abend keine Produkte verkaufen oder für unsere Anlagen werben. Da sind wir uns einig.

Mihalovits: Es ist erschreckend, wie viel Geld momentan auf Konten liegt und kaum Rendite abwirft. Im Grunde rufen wir den Leuten mit dieser Veranstaltung zu: Kümmert Euch um Euer Geld! Um möglichst viele Menschen zu erreichen, haben wir gesagt, das machen wir gemeinsam.

Warum kümmern sich die Leute zu wenig um ihr Geld?

Mihalovits: Viele stehen auf dem Standpunkt: Abwarten, das wird schon wieder. Das ist aber eine große Täuschung. Hinzu kommt eine große Verunsicherung. Beim Börsengang der Telekom hat es damals einen regelrechten Hype gegeben. Der anschließende Absturz hat bei vielen psychische Narben hinterlassen und eine Gegenbewegung weg von den Aktien ausgelöst. Beide Extreme waren falsch.

Stehr: Es gilt, eine vernünftige Streuung zu finden und Einzelrisiken zu vermeiden. Alle, die in der Finanzkrise mit entsprechenden Produkten eingestiegen sind, sind bislang gut gefahren. Man muss ja kein Vermögen investieren, sondern kann schon mit kleinen Summen in Anlagen gehen.

Stoßen Ihre Berater da auf offene Ohren?

Mihalovits: Die Resonanz sollte besser sein. Dabei haben die Kunden alle Möglichkeiten. Jedem, der ein Konto hat, steht für eine verhältnismäßig geringe Kontoführungsgebühr ein umfangreiches kostenloses Beratungsangebot zur Verfügung. Der Kunde muss sich dafür aber auch Zeit nehmen.

Stehr: Wir beobachten das auch: Einige Kunden nutzen die Beratung, aber die breite Mehrheit kümmert sich nicht um Vorsorgethemen. Viele haben nicht mal eine Haftpflichtversicherung.

Mihalovits: Wie widersinnig: Viele scheuen Kursrisiken, haben aber keine Haftpflicht. Das Risiko, sich damit finanziell zu ruinieren, ist wesentlich höher.

Über Aktionen wie den Weltspartag hat man früher zumindest den Nachwuchs fürs Sparen sensibilisieren können. Was sagt man den Kindern und Jugendlichen heute, wo es kaum noch Zinsen fürs Sparbuch gibt?

Mihalovits: Es gibt attraktive Anlageformen auch gerade für junge Leute, die ja einen langen Zeithorizont haben. Aber die meisten haben heute keine Beziehung mehr zum Thema Geldanlage. Man hat ihnen die Vorsorge abgewöhnt, und sie fragen sich, warum sie sparen sollen. Da müsste auch in den Schulen wesentlich mehr passieren.

Stehr: Die finanzielle Bildung fehlt uns in Deutschland.

Inwieweit haben die Banken selbst zur gegenwärtigen Situation beigetragen?

Stehr: Die großen Schäden in der Finanzbranche sind nicht bei uns entstanden, aber sie strahlen auf uns aus und lassen die Leute auf Abstand gehen. Es gibt ein Imageproblem.

Mihalovits: Die Leute differenzieren hier nicht. Die Pleite einiger großer Banken hat einen riesigen Schaden hinterlassen. Große Teile der Bankenregulierung sind deshalb auch berechtigt. Wir selbst haben ein großes Interesse an sicheren Banken.

Was erwarten Sie sich von Ihrer gemeinsamen Veranstaltung?

Mihalovits: Die Leute sollen anschließend nach Hause gehen und sagen: Ich schau’ mir jetzt mal meine Finanzen an und kümmere mich drum.

Stehr: Es geht uns bei der Veranstaltung nicht um irgendwelche Abschlüsse. Wir werden an diesem Abend auch keine Termine vereinbaren. Wir wollen das Bewusstsein wecken, dass etwas getan werden muss, und zeigen, dass auch in Zeiten niedriger Zinsen etwas getan werden kann. Das ist das Ziel dieses Abends.

Die Veranstaltung

Die Informationsveranstaltung „Geldanlage in Zeiten niedriger Zinsen“ findet am Montag, 11. Juli, um 19.30 Uhr (Einlass ab 19 Uhr) im Oberbräu-Saal in Holzkirchen statt. Das Impulsreferat hält Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts. Anschließend diskutieren unter der Moderation des Publizisten und Verlegers Wolfram Weimer Johann Mayr von der BayernLB, Peter Schirmbeck von der Deutschen Zentral-Genossenschaftsbank und Wirtschaftsredakteur Martin Prem vom Münchner Merkur. 

Fragen für die anschließende Publikumsrunde können bereits vorab per Mail, Fax oder Post an unsere Redaktion (Schlierseer Straße 4, 83714 Miesbach, redakti on@miesbacher-merkur.de, Fax 0 80 25 / 2 85 33) geschickt werden. Kostenlose Karten für die Veranstaltung gibt es in allen Geschäftsstellen der Kreissparkasse und der Raiffeisenbanken sowie im Medienhaus (Schlierseer Straße 4) in Miesbach.

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