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Flüchtlinge wollen und sollen im Landkreis Miesbach arbeiten. Doch dafür braucht es bei den Unternehmen mehr als guten Willen.

Für Unternehmen

Infoabend: Wie Flüchtlinge an ihre Jobs kommen

Landkreis - Damit aus Flüchtlingen Fachkräfte werden, braucht es mehr als guten Willen. Ein Infoabend soll Unternehmen nun Beschäftigungsmöglichkeiten für Flüchtlinge zeigen.

Damit aus Flüchtlingen Fachkräfte werden, braucht es mehr als guten Willen. „Unternehmer wünschen sich klare Strukturen“, sagt Alexander Schmid, Geschäftsführer der Standortmarketing-Gesellschaft des Landkreises (SMG). Und hier sieht er sein Team in der Pflicht. „Das ist unser Part.“ Deshalb lädt die SMG mit dem Pakt für Integration und Arbeit (PIA), dem Markt Holzkirchen und der Europäischen Metropolregion München (EMM) für Mittwoch, 1. Juni, alle Firmen im Landkreis zu einem Informationsabend in den Festsaal des Kultur im Oberbräu in Holzkirchen ein.

Nicht die erste Veranstaltung dieser Art

Es ist nicht die erste Veranstaltung dieser Art. Bereits im vergangenen Sommer hatten die PIA-Initiatoren Max Niedermeier, Integrationsbeauftragter des Landkreises, und sein Holzkirchner Kollege Franz Lutje bei Firmenvertretern für eine Beschäftigung von Flüchtlingen geworben. Trotzdem blieben viele Fragen offen. Welche Arbeitsmodelle gibt es überhaupt? An wen können sich interessierte Unternehmer wenden? Und wie finden Bewerber und Jobs zusammen? „Wir waren damals selbst noch auf Wahrheitssuche“, räumt Niedermeier ein.

Hürde über Hürde: Wie kommt der Flüchtling überhaupt zur Arbeit?

Bislang war deshalb vieles dem Zufall überlassen, wie SMG-Regionalmanager Johann Holzinger erklärt. „Das meiste ist über persönliche Kontakte gelaufen.“ So habe etwa eine Unternehmerin sechs Flüchtlinge für ein Praktikum gesucht. Als sie endlich fündig wurde, sei sie auf die nächste Hürde gestoßen. Wie kommen die Asylbewerber überhaupt zu ihrem Arbeitsplatz?

SMG-Chef: "Selbst lange geschwommen"

Kein Einzelfall, wie Holzinger betont. Für Unternehmer aber ein echter Hemmschuh. „Die scheuen bürokratische Mühlen.“ Diese Erfahrung hat auch Holzkirchens Standortförderin Verena Sattler gemacht. Immer wieder hätten sie Personaler gefragt, an wen sie sich für die Beschäftigung von Asylbewerbern wenden sollen. Eine eindeutige Antwort konnte ihnen Sattler meist nicht geben. Kein Wunder, meint SMG-Chef Schmid: „Wir sind selbst lange geschwommen.“

"Denen, die wollen, eine Chance geben"

Damit ist es nun vorbei. Man habe einen Weg gefunden, sagt Niedermeier. Und der führt ab sofort immer über die Agentur für Arbeit. Für Unternehmer, aber auch für Flüchtlinge und ihre Integrationshelfer. Die Experten erfassen die Qualifikation der Bewerber und gleichen sie mit den gemeldeten Stellen ab. Bedarfsorientiert, wie Sattler betont. Einfach nur blind Asylbewerber in Jobs stecken, mache für beide Seiten keinen Sinn. „Wir werden denen, die wollen, eine Chance geben“, betont Schmid. Profitieren sollen nämlich vor allem die Firmen. „Das ist keine Sozialveranstaltung.“

Weil aber nicht nur das Wollen, sondern in der Praxis auch das Können entscheidet, möchte PIA ein Auffangnetz spannen. In einer sogenannten Asylwerkstatt sollen pensionierte Handwerksmeister oder Gesellen all jene Flüchtlinge, denen es noch an Fähigkeiten für Praktikum oder Ausbildung mangelt, auf das Berufsleben vorbereiten. Ein Projekt, das die Leser der Heimatzeitung mit ihren Spenden für die Aktion „Leser helfen Leser“ unterstützt haben.

Asylwerkstatt: Räume gefunden - Meister gesucht

Auch in dieser Sache ist Niedermeier einen Schritt weitergekommen. Er hat endlich einen Ort für die Werkstatt gefunden. In einem außerhalb des Unterrichts kaum genutzten Werkraum in der Miesbacher Realschule sollen die Flüchtlinge künftig an zwei oder drei Nachmittagen an kleinen Projekten arbeiten. Noch ist Niedermeier aber nicht am Ziel. „Wir suchen gerade nach Meistern, die sie anleiten“, sagt er.

Flüchtlinge auf Arbeitssuche - Was sie können, was sie wollen

Dass sich der Aufwand lohnt, haben bereits mehrere Firmeninhaber im Landkreis erfahren. Drei von ihnen berichten bei der Infoveranstaltung über ihren Arbeitsalltag mit Flüchtlingen: der Miesbacher Bäckermeister Florian Perkmann, Hotelier Hans Vogl aus Großhartpenning und Stefan Schmid vom Autohaus Franz Schmid in Holzkirchen. „Sie sprechen über Erfolge, ohne die Probleme zu beschönigen“, sagt Holzinger.

Denn eines kann auch die beste Vermittlung nicht ersetzen: das Vertrauensverhältnis zwischen Chef und Mitarbeiter. Egal, ob letzterer aus Syrien oder aus Bayern stammt.

Das Programm

der Informationsveranstaltung am Mittwoch, 1. Juni, im Festsaal des Kultur im Oberbräu in Holzkirchen im Überblick: 

17.30 Uhr: Begrüßung; 

17.45 Uhr: Fachvorträge von Integrationsbeauftragtem Max Niedermeier, Stefan Köck vom Landratsamt Miesbach und Marinco Krstevski von der Agentur für Arbeit in Holzkirchen; 

18.15 Uhr: Best-Practice-Beispiele von Unternehmern; 

18.50 Uhr: Vortrag des PIA-Vorsitzenden Franz Lutje; 

19.05 Uhr: Diskussion und Fragen aus dem Publikum; 

19.30 Uhr: Ausblick und Prognosen; 

20.30 Uhr: Austausch am Buffet. 

Anmeldungen sind möglich bis Mittwoch, 25. Mai, unter 0 80 25 / 9 93 72 24 oder office@smg-mb.de.

Asylbewerber wollen im Landkreis bleiben - und arbeiten

Das Thema Integration wird den Landkreis nicht so schnell wieder loslassen. Wir haben in unserer Reihe zu den anerkannten Flüchtlingen im Landkreis eine Sprachklasse besucht - und uns über die Zukunftschancen der Syrer dort informiert. 

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