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Tempo-Bremse, aber nicht überall sinnvoll: Schwellen, wie hier während der Warmfreibad-Saison in der Miesbacher Badstraße montiert, lehnen Polizei und Bauausschuss am Nordgraben ab.

Laut Polizei kein Unfallschwerpunkt

Klares Votum: Nordgraben bleibt "schwellenfrei"

Miesbach - Um Raser am Miesbacher Nordgraben auszubremsen, hat eine Anwohnerin die Montage von Fahrbahnschwellen und einen Zebrastreifen beantragt. Das Votum von Polizei und Bauausschuss überrascht.

Wo Tempo-Limits nicht mehr ausreichen, um schnelle Autofahrer wirkungsvoll auszubremsen, kommen Fahrbahnschwellen ins Spiel. Eine vor allem für Anwohner von stark frequentierten Straßen verlockende Möglichkeit, rücksichtslosen Bleifüßen ein Bein zu stellen. Das dachte sich nun auch eine Anwohnerin des Miesbacher Nordgrabens. Sie stellte bei der Stadt den Antrag, in der dortigen 30er-Zone Schwellen auf dem Asphalt zu montieren – wie in der Badstraße, wo der Bauhof die Hürden heuer erstmals für die Dauer der Warmfreibad-Saison angebracht hatte. Damit nicht genug: Auch einen Zebrastreifen forderte die Antragstellerin – und zwar im Bereich der Einmündung des Nordgrabens in die Straße Am Windfeld. Genau dort also, wo sich vor der Einrichtung der abknickenden Vorfahrtsstraße bereits ein Überweg befunden hatte.

Noch bevor sie das Thema im Bauausschuss zur Diskussion stellte, verlas Miesbachs Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) eine ausführliche Stellungnahme der Polizei. Deren Urteil hätte eindeutiger nicht ausfallen können: ein klares „Nein“ für Zebrastreifen und Schwellen.

Ersterer sei im Verlauf einer abknickenden Vorfahrtsstraße nicht zulässig. Zudem würde ein Fußgängerüberweg im Steigungsbereich zusätzliche Gefahren bergen. Etwa, wenn Lastwagen im Winter beim Anfahren auf glatter Fahrbahn ins Rutschen kämen. Auch einen Punkt, der auf den ersten Blick eigentlich für einen Zebrastreifen sprechen würde, entlarvte die Polizei als Mythos: Gerade auf einem Schulweg seien die weißen Streifen unfallträchtig, weil die Kommunikation zwischen Kindern und Autofahrern oft missverständlich verlaufe.

Auch gegen die Schwellen führte die Polizei mehrere Argumente ins Feld. So seien diese bei Dunkelheit schlecht zu erkennen und an einer viel befahrenen Straße wie dem Nordgraben generell nicht anzuraten. Sogar für die Anwohner könnten sich dadurch unerwünschte Nebeneffekte ergeben. Weil die Hürden auf der Straße die Autofahrer zu einer „unsteten Fahrweise“ mit ständigem Abbremsen und Beschleunigen verleiten würden, sei mit einer erhöhten Lärmbelastung zu rechnen. Eine notorische Raserstrecke ist der Nordgraben in den Augen der Polizei ohnehin nicht. Unfälle hätten sich im Bereich des Spielplatzes in den vergangenen drei Jahren jedenfalls keine ereignet. Auch, weil dort regelmäßig Geschwindigkeitsüberwachungen durchgeführt werden.

„Das ist also kein auffälliger Bereich“, fasste Pongratz die Stellungnahme zusammen. Zum Thema Schulwegsicherheit verwies die Bürgermeisterin auf die existierenden „Querungshilfen“ – also die schraffierten Bereiche – auf dem Asphalt Am Windfeld und auf den Weg über die Kolpingstraße und den Schulberg.

Die Bauausschussmitglieder stimmten der Rathaus-Chefin zu. Der Nordgraben sei eine beliebte und wegen seiner verhältnismäßig geringen Steigung vor allem im Winter wichtige Ausfallstraße, sagte Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD). „Da gehen Schwellen gar nicht.“ Seine Fraktionskollegin Hedwig Schmid hatte schon dem früheren Zebrastreifen nichts abgewinnen können. „Ich war froh, als er weg war“, sagte sie. „Der war schon damals schlecht einsehbar.“ Schmid hatte dafür eine andere Raserstrecke ausgemacht: die Wallenburgerstraße. „Da sollte man mal verstärkt kontrollieren“, forderte sie.

Pongratz versprach, diese Anregung an die Kommunale Verkehrsüberwachung weiterzugeben. Auch das von Markus Baumgartner (CSU) angeregte Stoppschild samt Haltelinie an der Einmündung der Straße Am Windfeld in die abknickende Vorfahrtsstraße werde man prüfen. Mit diesem Wissen lehnte der Bauausschuss den Antrag der Anwohnerin am Nordgraben letztlich einstimmig ab.

Dass auch die Schwellen in der Badstraße auf Kritik und Unverständnis stoßen, berichtete Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FWG). „Die halten viele Leute für einen Schmarrn.“ Verkehrsreferent Florian Ruml (FWG) wunderte das nicht. Die Huckel seien so hoch, dass man die Autofahrer „mit Gewalt ausgebremst“ habe.

Die Bürgermeisterin gelobte Besserung. Heuer habe man einfach die im Bauhof bereits vorhandenen Schwellen montiert. „Es sollte ja schnell gehen“, erklärte Pongratz. Die Hürden würden nun zum Ende der Badesaison wie geplant entfernt. Fürs nächste Jahr werde man dann eine niedrigere Variante bestellen.

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