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Wollen Asylbewerber an den Arbeitsmarkt heranführen: Michaela Waizmann (l.) und Tanja Englhart kümmern sich am Landratsamt um die Umsetzung der vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen.

Bundesagentur für Arbeit fördert 100 Flüchtlingsjobs

Landratsamt sucht Partner für Integrationsmaßnahmen

Landkreis - Die Unterbringung der Flüchtlinge ist kaum geschafft, da folgt Schritt zwei: die Integration auf dem Arbeitsmarkt. 100 vom Bund geförderte Arbeitsgelegenheiten muss der Landkreis schaffen.

Sie ist Lehrerin an der Grundschule Weyarn und braucht Hilfe im Umgang mit einem traumatisierten, syrischen Flüchtlingsmädchen (12). Er ist ein 19-jähriger Asylbewerber aus Syrien und möchte die deutsche Sprache und Kultur besser kennenlernen, um hier später sein Medizinstudium fortzusetzen. Über eine der neuen Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen (FIM) am Landratsamt könnten die beiden zusammenfinden – und beide davon profitieren. „Der Bewerber lernt viel und die Chemie in der Klasse passt auch“, sagt Birgit Ruck. Gemeinsam mit Tanja Englhart, Diplompsychologin im Bereich Flüchtlingsintegration am Landratsamt, hat die Weyarner Lehrerin mit dem sogenannten „Co-Teaching“ die erste Flüchtlingsintegrationsmaßnahme im Landkreis entwickelt.

Bis zu 100 weitere sollen bis 2020 folgen. Dazu ist der Landkreis durch das im Juli in Kraft getretene Bundesintegrationsgesetz verpflichtet. Über die jeweils sechsmonatigen „Arbeitsgelegenheiten“ (es handelt sich nicht um ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis) sollen die Flüchtlinge möglichst frühzeitig und „niederschwellig“ an den Arbeitsmarkt herangeführt werden. Für die Umsetzung ist das Landratsamt auf kommunale, staatliche oder gemeinnützige Träger angewiesen, denn 70 Maßnahmen müssen bei externen Partnern durchgeführt werden. Bei einer Infoveranstaltung klärte die Behörde nun potenzielle Kandidaten über das neue Angebot auf.

Die rechtlichen Leitplanken gibt die Bundesagentur für Arbeit vor, die auch die Kosten übernimmt. 250 Euro pro Maßnahme gehen als Pauschale an den Träger, 104 Euro an die Flüchtlinge. Zusätzliche Ausgaben wie Fahrtkosten könnten ebenfalls abgerechnet werden, betonte Michaela Waizmann, Teamleiterin Asylbewerberleistung am Landratsamt. Dank einer Schlussbewertung sollen engagierte FIM-Teilnehmer später bessere Chancen auf eine Ausbildung oder einen festen Job haben.

Der Kreis der Flüchtlinge, die in den Genuss einer FIM kommen, ist aber begrenzt. Nur diejenigen, die älter als 18 Jahre und nicht mehr vollzeitschulpflichtig sind, kommen dafür infrage. Abgelehnte Asylbewerber oder solche aus einem sicheren Herkunftsland scheiden aus, ebenso wie bereits Anerkannte. „Bleiben dann überhaupt noch welche übrig?“, fragte Miesbachs Integrationsbeauftragte Inge Jooß. Englhart nickte. Das Landratsamt könne aus einem Pool von 300 Personen schöpfen.

Hier erfolgt auch deren Verteilung auf die jeweiligen Maßnahmen. Wer ausgewählt wird, ist zur Teilnahme verpflichtet. Eine Aussicht, die bei manchem Träger für Bauchgrummeln sorgte. „Wir wären dankbar, wenn wir da einbezogen würden“, sagte Jooß. „Die Helferkreise kennen ihre Kandidaten am besten.“ Auch Wolfgang Salewski, Vorstand der Holzkirchner Frischeküche, forderte ein Mitspracherecht. „Bei so was muss es menschlich einfach passen.“ Englhart versprach, nach Möglichkeit auf die Wünsche einzugehen – und die Flüchtlinge zu Vorstellungsgesprächen bei den Trägern einzuladen. Sollte es trotzdem zu Problemen kommen, könnten die Maßnahmen auch vorzeitig beendet werden. „Wir wollen Ihnen nicht zu viel zumuten.“

Damit beide Seiten profitieren, müsste aber auch die Aufgabe der Flüchtlinge attraktiv sein. Doch hier hat der Gesetzgeber Grenzen gesetzt. Die Arbeiten müssen laut Waizmann so gestaltet sein, dass sie „sonst nicht in diesem Umfang oder zu diesem Zeitpunkt verrichtet werden können“. Stefan Köck, Abteilungsleiter Öffentliche Sicherheit, Kommunalaufsicht und Gewerbe am Landratsamt, deutschte aus: „Die Träger sollen nicht mit billigen Asylbewerbern Jobs einsparen und damit ihren Haushalt sanieren können.“ Marion Rost von der Straßenmeisterei Hausham war dieses Korsett zu eng. „Muss ich dann Arbeiten erfinden?“ fragte sie. Köck wiegelte ab. Es gebe durchaus Spielräume in der Auslegung, sagte er schmunzelnd. „Sie können da ein Stück weit kreativ sein.“

Jooß hielt hingegen vor allem den überschaubaren Stundenlohn von 80 Cent für problematisch. Viele Flüchtlinge hätten woanders schon mehr verdient. In Verbindung mit einer Verpflichtung zur FIM könnte das deren Motivation schnell zunichte machen. Köck beschwichtigte: „Auch wir wollen die auswählen, die wollen.“

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