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Aufmerksam lauschen Schüler und PIA-Vorstand Max Niedermeier (gestreiftes Hemd) den Ausführungen von Metallbaumeister Ludwig Pschierl (gelbes T-Shirt). Die Kursteilnehmer lernen ein Jahr lang die Grundlagen der Metallverarbeitung.

Pakt für Integration und Arbeit (PIA)

Lernwerkstatt: Flüchtlinge feilen an ihrer Zukunft

Miesbach - Der Förderverein Pakt für Integration und Arbeit (PIA) hat sich zum Ziel gesetzt, Asylbewerbern eine Perspektive zu eröffnen. Ein Besuch bei Geflüchteten mit großem Wissensdurst.

Während sich Schauspielerin Simone Thomalla in der Realschulaula gerade in einem Campingstuhl niedergelassen hat, um eine Drehpause zu überbrücken (wir haben berichtet), feilen Fode und Bashir fleißig an ihrer Zukunft. Sie tun das im wahrsten Wortsinn, denn der 39-Jährige und sein 25-jähriger Klassenkamerad sind Teilnehmer der Lernwerkstatt Metall, die sie an einen Beruf und ein Leben in Stabilität heranführen soll.

Der Pakt für Integration und Arbeit im Landkreis (PIA) hat dieses Angebot, das auch von der Aktion „Leser helfen Lesern“ der Heimatzeitung gefördert wurde, jüngst ins Leben gerufen. Ein Jahr lang werden die Teilnehmer an vier Tagen in der Woche jeweils vier Stunden in die Grundlagen der Metallverarbeitung eingewiesen. Mit diesem Wissen, so das erklärte Ziel und der Wunsch von PIA, sollen die Asylbewerber bessere Karten auf dem Ausbildungsmarkt haben.

Fode trägt lässige Jeans und Poloshirt, Schweißperlen glänzen auf seiner Stirn. Der Mann aus dem westafrikanischen Senegal steht an einem Amboss im Lehrraum der Realschule und prägt gerade sein persönliches Kennzeichen, die 07, in ein rechteckiges Metallstück. Sein Blick ist konzentriert, die Bewegungen präzise und bedacht. „Fode ist der Beste am Hammer“, kommentiert Ludwig „Wiggerl“ Pschierl den gelungenen Arbeitsschritt und rückt die grüne Brille, die er sich ins Haar gesteckt hat zurecht.

Pschierl, 56, ist eigentlich als Kümmerer beim Landratsamt beschäftigt. Diese Stelle hat der Metallbaumeister mit jahrzehntelanger Erfahrung als Ausbilder mit Beginn der Lernwerkstatt reduziert, um Asylbewerber den Umgang mit Metallwerkzeugen zu lehren oder ihnen die Berechnung von Toleranzen beizubringen.

Seine Schüler überschütten Ludwig Pschierl mit Fragen

Wiggerl Pschierl ist streng mit seinen Schülern, hat aber auch eine Engelsgeduld und beantwortet jede einzelne Frage en détail. Und damit wird der Schlierseer regelmäßig regelrecht überschüttet. Wer jetzt noch im Kurs sei, sagt Pschierl, habe einen unheimlichen Wissensdurst und sei voll motiviert. „Sonst wären sie ja nicht hier“, ist der leidenschaftliche Lehrer überzeugt. Wie sehr ihn seine Schüler respektieren, merkt man schnell. Wenn der 56-Jährige im gelben T-Shirt seine acht Schützlinge an die Tafel ruft, stehen sie sofort bereit, lauschen aufmerksam seinen Worten und beantworten seine Fragen. Nicht immer richtig, aber immer engagiert, sagt Pschierl und lacht. Gerade Zahlen im Deutschen korrekt auszusprechen, bereite vielen Probleme. „Das ist besonders schwer für mich“, bekennt Bashir.

Die Inhalte seien tatsächlich auch nicht zu unterschätzen, sagt Pschierl. Schließlich wolle er seinen „Burschen“, wie er sie nennt, im Verlauf des Jahres ähnlich viel beibringen, wie einem Azubi im ersten Lehrjahr. Mit dem nicht unerheblichen Unterschied, dass die in den meisten Fällen Deutsch-Muttersprachler seien. Neben Fachausdrücken wie „Höhenreißer“ oder „Flacheisen“ geht es entsprechend häufig auch um alltägliche Wörter oder deutsche Grammatik. „Wenn wir einen Arbeitsplan machen“, fragt Ausbilder Pschierl in die versammelte Runde, „ist der dann für die Zukunft oder für die Vergangenheit?“

„Für die Zukunft“, schallt es fast einstimmig durch den Raum. Und dass das Wort „groß“, das in besagtem Arbeitsplan steht, ein Adjektiv ist, erkennen die Männer auch. Jede korrekte Antwort quittiert Pschierl mit einem „super!“. Wertschätzung sei unersetzlich, findet er. Und das Lob tut seinen Schützlingen sichtlich gut, sie lächeln stolz.

Hoch konzentriert arbeitet Amir an seinem Werkstück und kontrolliert, ob er sauber gefeilt hat. Eine Ausbildung zu bekommen, sagt der 28-Jährige, wäre sein Traum.

Größten Wert legt Pschierl daneben aber auch auf Eigenschaften wie Pünktlichkeit und Durchhaltevermögen. Die seien manchen seiner Schützlinge anfangs eher fremd gewesen. „Das sind aber alltägliche Instrumente. Ich will hier eine Grundlinie schaffen“, macht Pschierl deutlich. Inzwischen sehe er auch erfreuliche Erfolge.

Fode steht mittlerweile wieder an der Bank und versucht, ein kleine Unebenheit an seinem Werkstück auszugleichen. Dabei belastet der 39-Jährige merklich nur sein linkes Bein. Erst vor Kurzem musste er am Meniskus operiert werden. Die Arbeit in der Lehrwerkstatt macht dem Mann, der in seiner alten Heimat auch mit Metall gearbeitet hat, aber so viel Spaß, dass er möglichst wenig verpassen wollte.

Nur knapp eine Woche nach der Operation machte er sich wieder zu Fuß auf den Weg von seiner Unterkunft in Hausham, um weiter an seinem Traum zu feilen: am Ende des Kurses sein Zertifikat in Händen zu halten und eines Tages eine Lehrstelle anzutreten. „Ich bin so dankbar für diese Möglichkeit“, sagt Fode, der seit rund 14 Monaten in Deutschland lebt und ganz selbstverständlich „Servus“ zum Abschied sagt.

Wie seine und die Chancen seiner Kameraden tatsächlich stehen, das kann Ludwig Pschierl zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer einschätzen. Er sehe aber jedes Mal, dass sie den Kurs nutzen und ihre Chance erkannt haben. „Ich denke, dass es im Schnitt vier von zehn schaffen. Die anderen könnten es zumindest zu einem Hilfsarbeiter-Job bringen.“

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