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Dankbar für Unterstützung und Gesellschaft: Ein Mal pro Woche schaut Ursula Masing (38) von der Nachbarschaftshilfe Bei Anna Buchner (78) in Fischbachau vorbei, um ihr im Haushalt zu helfen.

Auftakt zu unserer Spendenaktion Leser helfen Lesern

Interview: Warum die Nachbarschaftshilfe so wichtig ist

Landkreis – In unserer Spendenaktion „Leser helfen Lesern“ beleuchten wir immer zur Adventszeit diejenigen Menschen im Landkreis, die Hilfe brauchen und diejenigen, die helfen. In diesem Jahr geht‘s um die Nachbarschaftshilfe.

Manchmal geht es nur darum, eine Glühbirne einzudrehen. Ein Brot zu kaufen, Butter und Marmelade. Kleine Dinge, die zum großen Problem werden, wenn man sie selbst nicht übernehmen kann. Dafür gibt es die Nachbarschaftshilfe. In vielen Orten sogar als Verein. Warum das so wichtig ist, erklärt Christine Dietl (57) vom Landratsamt Miesbach. Die Fachfrau unterstützt Selbsthilfegruppen und berät auch die Nachbarschaftshilfen im Landkreis. Im Schlierseer Verein ist sie selbst im Vorstand aktiv.

Frau Dietl, Nachbarschaftshilfe als Organisation – ist das denn wirklich nötig?

Dietl: Sie wird sogar immer wichtiger. Vor allem auch, weil die Generationen meist nicht mehr zusammenleben. Was früher die Tochter für die Mutter gemacht hat, das übernimmt heute die Nachbarschaftshilfe. Zumal vielen auch die Kontakte im Ort fehlen. Wer jeden Tag nach München zur Arbeit gefahren ist, stellt als Rentner bisweilen fest, dass er seine Nachbarn gar nicht kennt. Und nicht weiß, wen er ansprechen könnte, wenn er mal krank ist und Hilfe braucht.

Aber es gibt ja auch viele professionelle Hilfsorganisationen und Pflegedienste.

Dietl: Schon. Aber wenn es zum Beispiel nur darum geht, eine Glühbirne einzudrehen, weil ich selbst nicht mehr auf den Stuhl steigen kann, dann rufe ich nicht gleich bei einem Wohlfahrtsverband an. Oder wenn ich nur jemanden brauche, der für mich einkauft, weil ich krank bin. Die Nachbarschaftshilfe ist für die kurzfristige Hilfe gedacht. Es ist auch wichtig, für die Hilfeleistungen einen Rahmen zu setzen.

Weil das Angebot sonst auch missbraucht werden kann?

Dietl: Durchaus. Manche wollen eine billige Putzkraft, das geht natürlich nicht. Eine Dame hat auch bei mehreren Nachbarschaftshilfen nach jemanden gefragt, der ihren Speicher entrümpelt. Aber in einem solchen Fall muss man halt eine Firma beauftragen. Die Nachbarschaftshilfe ist vor allem fürs Zwischenmenschliche da. Die Helfer besuchen Senioren, lesen ihnen vor, fahren sie zum Arzt oder gehen mit ihnen spazieren. Sie geben pflegenden Angehörigen die Gelegenheit, zwischendurch mal eine Pause einzulegen und etwas für sich zu tun. Oder sie passen auf ein Kind auf, wenn die Mutter mit dem anderen Kind zum Arzt muss.

Die Helfer bekommen meist auch etwas Geld.

Dietl: Sie erhalten eine Aufwandsentschädigung. Meist ist es ein Betrag zwischen vier und acht Euro die Stunde. Der tatsächliche Aufwand ist eigentlich immer deutlich größer. Wer einen Senioren besucht, bringt oft noch etwas mit. Meist müssen die Helfer auch mit ihrem Auto zum Einsatz fahren.

Dafür müssen die Betreuten ja auch etwas bezahlen.

Dietl: Eigentlich schon. Aber es gibt eben viele, die dazu nicht in der Lage sind. Es ist teuer, bei uns zu leben, und die Renten sind oft klein. Weil wir aber allen helfen möchten, die das brauchen, wird die Entschädigung für die Helfer dann aus Spendengeldern bezahlt. Darum sind die Nachbarschaftshilfen auch auf Unterstützung angewiesen. Es wird in den Vereinen ungemein viel ehrenamtliche Arbeit geleistet. Vor allem die Einsatzleiterinnen sind sehr gefragt. Sie müssen viel Verwaltungsarbeit leisten – die Versicherung von Ehrenamtlichen zum Beispiel ist ein wirklich schwieriges Gebiet. Und sie tragen viel Verantwortung für die Menschen. Für die, die betreut werden, aber auch für die Helfer.

Weil die sich zu sehr belasten?

Dietl: Mancher vergisst sich selbst über der Aufgabe. Den muss man auch mal für einige Zeit herausnehmen und ihn dabei unterstützen, Grenzen abzustecken. Insgesamt hilft das Helfen aber auch den Helfern. Viele finden so Kontakt, da sind schon tiefe Freundschaften entstanden. Es ist Sache der Einsatzleiterinnen, die Helfer richtig einzusetzen. Dazu braucht es schon Erfahrung. Sie haben auch ein Auge darauf, dass Menschen, die sich als Helfer melden, es auch ehrlich meinen. Wer nicht geeignet ist, wird auch nicht eingesetzt.

Gibt es denn genug Helfer?

Dietl: Engagierte sind immer aufgerufen, sich zu melden. Vor allem Männer fehlen uns, weil es eben viele Aufgaben gibt, die ihnen mehr liegen als den meist selbst schon etwas älteren Frauen, die in der Nachbarschaftshilfe aktiv sind. Diese Altersstruktur liegt in der Natur der Sache. Wer schon Vollzeit vergeben ist, hat halt keine Zeit für ein Ehrenamt.

Gibt es eigentlich einen Helfer-Austausch zwischen den einzelnen Vereinen?

Dietl: Ja, wir stehen in Verbindung. Ich lade zwei Mal im Jahr alle Einsatzleiterinnen der Nachbarschaftshilfen im Landkreis zu einer Besprechung ins Landratsamt nach Miesbach ein, sodass der Kontakt untereinander stets gepflegt wird. Wenn zum Beispiel ein Helfer gesucht wird, der fit in Sachen Computer ist und man hat niemanden an der Hand, dann gibt es den vielleicht am anderen Ort. Das ist Nachbarschaftshilfe.

jm

Hier geht‘s zur Themenseite unserer Aktion.

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