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So kennen und mögen ihn seine Fans: Hans Söllner mit langen Haaren, Vollbart und Gitarre.

Weniger hart, aber immer noch gnadenlos 

So war der Auftritt Söllners im Waitzinger Keller

Miesbach - Mit Hans Söllner gastierte einer der am stärksten polarisierende Liedermacher überhaupt im ausverkauften Waitzinger Keller in Miesbach. Der inzwischen 60-Jährige hat etwas an Härte eingebüßt.

„Grüß Gott!“ Mutterseelenallein steht er da, der „Hansä“, wie er liebevoll von seinen Fans genannt wird. Nur mit seiner Gitarre bewaffnet, mit langen Haaren, Vollbart und blau-grün kariertem Schottenrock. Letzteren trägt er aus praktischen Gründen, wie er erklärt.

Los geht der Abend mit einem langen Monolog, in dem der bekennende Vegetarier eines seiner Lieblingsthemen vorstellt: die Hendl als Symbol für rücksichtslosen Fleischkonsum. „Oa Jahr ohne Hendl“ legt Söllner seinem Publikums ans Herz, kritisiert die Massentierhaltung, verschont auch die Landwirte nicht und formuliert schließlich sein Hauptanliegen: Respekt zeigen vor Tier und Mensch.

Mit „Der Wind“ folgt dann endlich der erste Song – nach 20 Minuten. „Langsam kimmt die Traurigkeit und i hob’s Gfui, dass mi überroid, a Weid im Nebel taucht verschwommen vor mir auf, a Fluss mit tausend Tränen schwimmt ganz staad do drauss vorbei …“ Hans Söllner gibt sich nachdenklich und poetisch, immer noch kämpferisch und angriffslustig, aber nicht mehr mit der gnadenlosen und gegen einzelne Politiker gerichteten Härte von früher.

Dafür plaudert er humorvoll von seinen zahlreichen Gerichtsverhandlungen wegen Beleidigung und Verunglimpfung der Obrigkeit, die ihn ein Vermögen an Geldstrafen gekostet haben. Er kokettiert damit, Verhandlungen provoziert zu haben, weil „wia kimm i sonst mit am Richter ins Gespräch?“ Musikalisch ist Söllners Auftritt ausgereift, seine Gitarrenbegleitung – manchmal durch Mundharmonika ergänzt – erinnert an Bob Dylan, ist nur klarer und besser. Der mit rauer und schneidender Stimme vorgetragene Gesang berührt den Zuhörer. Man würde sich mehr davon wünschen.

Nach einer Stunde hat der „Rebell aus Ruhpolding“ seinem treuen und altersmäßig gemischten Publikum gerade mal drei Lieder gegönnt. Die bringt er in immer wieder neuem Gewand. „I lern’s einfach ned auswendig, dann is’ jedes Mal wieder was Neis.“ „Hey Staat“, „Frühling“, „I hab’ ihr g’sagt“ und „Der Huaba“ ergaben zusammen einen schönen Block aus Söllner-Klassikern. Dazwischen gab’s immer wieder humorvolle Anekdoten („I geh’ ned aufs Oktoberfest – i speib liaba dahoam!“) und Appelle, sich nichts gefallen zu lassen von Obrigkeit und der Polizei, sondern kritisch zu sein, für Gerechtigkeit, Frieden, Freiheit und Respekt vor der Schöpfung zu kämpfen. „Weil mia san die oanzige Spezies auf dera Weid, die des konn.“

Auch wenn er leiser geworden ist: Söllner kennt keine Gnade, ist direkt, oft grob und manchmal auch ordinär, lässt seine Wut und Verzweiflung raus, lässt aber am Ende der Hoffnung und der Liebe stets die Chance auf den Sieg. Mit vier Zugaben macht der „Hansä“ dann mengenmäßig noch was gut, singt „Loben und Preisen“, „I bin ned aloa“ und ein Liebeslied (ja, das kann er auch), ehe er sich verabschiedet: „Dankschee fürs Vorbeischaun! I wünsch Eich a scheene Zeit da draußn und vui Kraft – ihr werd’s as braucha!“

Reinhold Schmid

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